Gedenkmarsch in Paris für die Opfer des Attentats in Toulouse | Bildquelle: AFP

Mutmaßlich rassistische Anschläge Frankreich trauert um die Anschlagsopfer

Stand: 20.03.2012 03:05 Uhr

Nach den tödlichen Schüssen vor einer jüdischen Schule im südfranzösischen Toulouse haben Tausende Menschen an einem Schweigemarsch in Paris teilgenommen, um ein Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus zu setzen. Mehr als 1000 Menschen nahmen an einer Feier in einer Pariser Synagoge teil - darunter Staatspräsident Sarkozy. Heute gedenkt das Land der Opfer in einer Schweigeminute.

Von Anne Christine Heckmann, SR-Hörfunkstudio Paris

Schweigemarsch für die Opfer von Toulouse: Mehrere tausend Menschen sind gestern Abend in Paris zusammengekommen, um ein Zeichen der Solidarität zu setzen. Viele sprechen über die Tat von Toulouse, können den Angriff auf die jüdische Schule nicht begreifen.

Yolande, eine schmale Frau mit kurzen rötlichen Haaren, ist direkt betroffen. Ihr Neffe Jérémy ist Internatsschüler im Lycée Ozar Hatorah, dort wo morgens ein Lehrer und drei Schüler erschossen wurden. Ihr Neffe sei in seinem Zimmer gewesen, als er die Schüsse gehört habe, berichtet sie. "Er hat gleich zu Hause angerufen, um seine Mutter zu beruhigen. Alle sind noch sehr schockiert. Und wir machen uns große Sorgen."

Die jüdische Gemeinde in Frankreich bewertet den Anschlag auf die Schule in Toulouse als antisemitischen Akt. Auch die Polizei ermittelt in diese Richtung. Möglicherweise, so heißt es aus Ermittlerkreisen, könnte ein rechtsextremer Ex-Soldat sowohl die Tat an der jüdischen Schule als auch zuvor die Angriffe auf französische Soldaten mit Migrationshintergrund verübt haben. Nach Polizeiangaben besteht kein Zweifel mehr daran, dass diese Taten zusammenhängen.

"Ein Problem aller Franzosen"

Gegen Antisemitismus und Rassismus will Milena in den Straßen von Paris ein Zeichen setzen. Sie hält eine Kerze für die Opfer in der Hand. "Ich habe gar nicht drüber nachgedacht, ich musste einfach her kommen", betont sie. "Die Politiker haben ja auch zur nationalen Trauer aufgerufen. Das finde ich sehr gut. Denn es ist ein Problem aller Franzosen - und nicht nur einer Bevölkerungsgruppe."

Mitten im Präsidentschaftswahlkampf haben Präsident Nicolas Sarkozy und sein sozialistischer Herausforderer François Hollande deshalb ihre Kampagnen vorerst auf Eis gelegt. Beide nahmen - nach einem Besuch in Toulouse - an einem Gottesdienst in einer Pariser Synagoge teil. Der Staatschef betonte erneut seine Entschlossenheit: "Diese Tat ist furchtbar und darf nicht unbestraft bleiben. Es wird alles unternommen um diesen Kriminellen außer Gefecht zu setzen."

Schweigemarsch in Paris
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Solidarität mit den jüdischen Mitbürgern: Tausende Menschen zogen schweigend durch Paris.

Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen

Alle jüdischen und muslimischen Einrichtungen insbesondere jüdische Schulen werden jetzt stark überwacht. In der Region um Toulouse ist die Polizeipräsenz erneut erhöht worden. Die Menschen dort haben Angst, dass der Mann erneut zuschlagen könnte.

Zum Gedenken an die Opfer soll es heute Vormittag in allen Schulen des Landes eine Schweigeminute geben. Ganz Frankreich steht unter Schock.

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