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Reportage aus Kanada

Torontos Metamorphose heißt Manhattan

Die Verfolgungsszene auf der Leinwand sieht aus als wäre sie in Manhattan gedreht, aber das täuscht. Gedreht wurde vor der Skyline von Toronto. Die kanadische Metropole sieht immer mehr aus wie New York. Riesige Wolkenkratzer wachsen in den Himmel - auch Zeichen des Wirtschaftsbooms. Immobilienmakler sehen die "Manhattanisierung" mit leuchtenden Augen. Viele Kanadier beklagen allerdings den Verlust der vielen kleinen Einfamilienhäuser, die die Stadt am Ufer des Ontariosees so lebenswert machen.

Von Claudia Sarre, ARD-Hörfunkstudio New York. zzt. Kanada

Ein riesiges Bau-Gerippe ragt in den blauen Himmel. Rund 40 Stockwerke sind schon fertig. Gerade hebt ein Kran ein weiteres Bauteil in die Höhe. Großbaustellen wie diese gibt es derzeit an jeder Ecke in Toronto.

Die Zweieinhalb-Millionenmetropole erlebe - ähnlich wie Vancouver - einen gigantischen Bauboom, sagt Immobilienmarktanalyst Ben Myers: "Im Moment entstehen 350 Appartmenthäuser, plus 30, die noch nicht auf dem Markt sind. Also insgesamt 380 Bauprojekte. Damit ist Toronto führend unter allen Städten in Nordamerika."

Gigantischer Immobilienboom in Kanada
C. Sarre, ARD New York
18.08.2012 07:43 Uhr

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Jeder Wolkenkratzer hat im Durchschnitt 300 Wohnungen, das macht über 100.000 Neubau-Apartments, die bald bezugsfertig sind. Schon jetzt hat sich die Skyline der Stadt am Ontariosee völlig verändert. Torontos Wahrzeichen, der CN-Tower, ist umringt von hoch aufragenden Glasklötzen.

Zwillingstürme in Toronto
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Erinnungen an die Zwillingstürme von New York: In Toronto wird nahezu an jeder Ecke gebaut.

Wie zur Jahrhundertwende in Manhatten

Und von Tag zu Tag werden es mehr. Toronto wird "manhattanisiert", so Immobilienmakler Brad Lamb: "Dieses Phänomen gab es in Manhattan vor der Jahrhundertwende, als jede Menge Einwanderer nach New York strömten und es nicht genug Wohnraum gab. Die Stadt wuchs in die Höhe, Einfamilienhäuser wurden abgerissen - und genau das passiert heute in Toronto.

Auch Toronto hat enorme Einwandererströme zu bewältigen. Jährlich kommen rund 100.000 neue Immigranten - zumeist aus China und Indien - und die müssen irgendwo wohnen.  

Dieser Immobilienboom sei auch ein Indikator für die starke Wirtschaft Kanadas, erklärt Stadträtin Kristyn Wong-Tam: "Allerdings müssen wir auch darauf achten, dass wir eine durchmischte Bevölkerungsstruktur erhalten. Wir wollen keine Ghettos, dass heißt, wir wollen nicht, dass sich Downtown nur Reiche ansiedeln und woanders nur Arme."

Hochhäuser in Toronto
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Ein völlig anderes Stadtbild ensteht: Skyscraper statt ...

Eigenheime in Toronto
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... Eigenheime. Viele Einwohner beklagen das.

Immer weniger Einfamilienhäuser

Schon jetzt schreien viele Torontonians empört auf. Es gäbe immer weniger Einfamilienhäuser, die noch vor 20 Jahren das Stadtbild prägten. Und ehemals erschwingliche Wohngegenden würden mit hässlichen, anonymen Wohntürmen verschandelt.

Die horrend hohen Mieten für Neubauwohnungen könne sich ohnehin kaum jemand leisten, beklagt Hochhaus-Gegnerin Priscilla Mosher: "Diese Vorstellung, einem Viertel durch schicke Neubauten ein neues Image zu geben, ist völlig falsch. Dadurch werden Leute mit weniger Geld vertrieben. Es ist diskriminierend, rassistisch und nicht akzeptabel."

Von der Arbeiterwohnung ins Luxus-Appartment

An der Waterfront, direkt am Ufer des grünleuchtenden Ontariosees, wachsen drei supermoderne Glas- und Stahlriesen in den Himmel. Weiter westlich hat Makler Lamb vier Neubau-Lofts im Angebot - unter anderem ein edles Penthouse mit Dachterrasse für 1,7 Millionen kanadische Dollar.

Lambs berichtet: "Dies hier war mal eine Arbeitergegend mit niedrigen Einfamilienhäusern und Lagerhäuser. Und seit 10 Jahren gibt es hier fast nur noch Appartementhäuser."

Stadtansicht Toronto
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Blick vom Ontariosee aus auf Toronto

Schon sprechen Kritiker von einer Immobilienblase. Noch läuft das Geschäft jedoch. Ein Ende des Skyscraper-Booms in Toronto ist nicht in Sicht.

Stand: 18.08.2012 08:21 Uhr

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