Ein Mann hält ein Schild in den Händen, auf dem die Freilassung der in der Türkei inhaftierten Mesale Tolu Corlu gefordert wird. | Bildquelle: dpa

Prozess in der Türkei Mesale Tolu bleibt in Haft

Stand: 11.10.2017 20:37 Uhr

Die Untersuchungshaft für Mesale Tolu ist verlängert worden. Die deutsche Journalistin hatte vor dem türkischen Gericht alle Vorwürfe zurückgewiesen. Die Haft sei nicht nur für sie eine Bestrafung, sondern auch für ihren dreijährigen Sohn, der mit im Gefängnis ist.

Seit mehr als fünf Monaten sitzt die deutsche Journalistin Mesale Tolu in türkischer Haft - und daran wird sich erst einmal nichts ändern. Das zuständige Gericht verlängerte für sie und fünf weitere Angeklagte die Untersuchungshaf und lehnte damit den Antrag von Tolus Anwälten ab, ihre Mandantin bis zu einem Urteil auf freien Fuß zu setzen.

Tolu ist seit April mit ihrem inzwischen dreijährigen Sohn inhaftiert. Ihr werden Mitgliedschaft in einer Terrororganisation und Terrorpropaganda vorgeworfen. Damit drohen ihr bis zu 20 Jahre Gefängnis. Tolu wies die Vorwürfe in allen Punkten zurück. "Ich fordere meine Freilassung und meinen Freispruch", sagte sie vor dem Gericht in Silivri bei Istanbul. "Ich habe keine der genannten Straftaten begangen und habe keine Verbindung zu illegalen Organisationen."

Mesale Tolu als erste der inhaftierten Deutschen in der Türkei vor Gericht
nachtmagazin 00:00 Uhr, 12.10.2017, Katharina Willinger, ARD Istanbul

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Gabriel will sich für Tolu einsetzen

Außenminister Sigmar Gabriel erklärte, er werde alles tun, um Tolu den Rücken zu stärken. "Wir fordern ein faires und rechtsstaatliches Verfahren. Vor allem muss es jetzt schnell gehen, damit Mesale Tolu möglichst bald frei kommt und wieder nach Deutschland zurückkehren kann", sagte er der "Bild".

Auch Grünen-Chef Cem Özdemir forderte ein Einlenken der Türkei. "Eine Normalisierung des Verhältnisses zur Türkei kann es nicht geben, ohne dass die deutschen Geiseln in Freiheit kommen", sagte Özdemir der "Schwäbischen Zeitung". "Erdogan versteht nur die harte Sprache des Geldes und die müssen wir offenbar sprechen, um Mesale Tolu und den anderen zu helfen."

Die Linken-Fraktionsvize Heike Hänsel, die nach eigenen Angaben die Verhandlung als einzige Bundestagsabgeordnete vor Ort beobachtete, bezeichnete das Verfahren gegen Tolu als "Schauprozess". Sie forderte die Bundesregierung auf, den Druck auf den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zu erhöhen.

Christian Nitsche, BR, kommentiert den Fall Mesale Tolu
tagesthemen 22:15 Uhr, 12.10.2017

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Andere Angeklagte unter Auflagen freigelassen

Das Gericht beschloss am Ende des ersten Verhandlungstages die Freilassung von acht Angeklagten. Sechs weitere Angeklagte müssen nach dem Beschluss wegen "dringendem Tatverdacht" und "Fluchtgefahr" in U-Haft bleiben, unter ihnen Tolu. Zudem sei die Beweisaufnahme noch nicht vollständig abgeschlossen. Die acht Beschuldigten, deren Freilassung verfügt wurde, dürfen bis zu einem Urteil das Land nicht verlassen und müssen sich regelmäßig bei der Polizei melden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Oktober 2017 um 17:00 Uhr.

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