Hintergrund

Die Todesstrafe in den USA

Stand: 02.11.2017 20:24 Uhr

Der mutmaßliche Attentäter von New York, Sayfullo S., ist nach einem Strafantrag wegen Unterstützung einer Terrororganisation erstmals vor Gericht erschienen. Im Fall einer Verurteilung droht ihm die Todesstrafe. Die ist in den USA seit 1976 wieder erlaubt.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Dem Attentäter von New York droht die Todesstrafe: Er ist angeklagt unter anderem wegen Terrorismus. Dafür wird er sich vor einem Bundesgericht verantworten müssen. Bundesgerichte können die Todesstrafe aussprechen. Es ist allerdings schon etwas her, dass die US-Bundesregierung einen Verurteilten hinrichten ließ. Zuletzt geschah das im Jahr 2003.

Derzeit warten über 60 Verurteilte auf ihr Schicksal. Einer von ihnen ist Dschochar Zarnajew. Er hatte den Anschlag auf den Boston-Marathon verübt.

Charleston-Mörder verurteilt

Im vergangenen Jahr verurteilte ein Bundesgericht Dylann Roof zum Tod. Der heute 23-Jährige hatte in einer Kirche in Charleston, die vorwiegend von Schwarzen besucht wurde, neun Menschen erschossen.

In der Kirche in Charleston wurden neun Gläubige ermordet.

In den Bundesstaaten wird die Todesstrafe unterschiedlich geregelt. 31 der 50 Bundesstaaten erlauben die Todesstrafe. Texas führt die Liste an: Nach Zahlen des Informationszentrums zur Todesstrafe hat es in Texas seit 1976 - dem Jahr, in dem das landesweite Vollstreckungsmoratorium endete - schon mehr als 540 Hinrichtungen gegeben, sechs davon allein in diesem Jahr.

Immer weniger Hinrichtungen

Die häufigste Hinrichtungsmethode ist die Giftspritze. Manche Bundesstaaten erlauben auch den elektrischen Stuhl, Gaskammern oder sogar Erschießungskommandos.

Insgesamt betrachtet geht die Zahl der Hinrichtungen in den USA zurück. Das liegt unter anderem daran, dass es für die Bundesstaaten schwieriger geworden ist, den benötigten Giftcocktail für die Spritzen zu mixen. Europäische Medikamente dürfen dafür nicht mehr verwendet werden, denn Pharmakonzerne wollen verhindern, dass sie mit Hinrichtungen in Verbindung gebracht werden.

Die Zustimmung zur Todesstrafe sinkt ebenfalls. Nach Zahlen des Pew Research Centers waren im vergangenen Jahr zwar noch 49 Prozent der US-Amerikaner dafür und 42 Prozent dagegen - das ist aber die niedrigste Zustimmung seit mehr als 40 Jahren. Hauptargument der Zweifler: Es bestehe die Gefahr, dass Unschuldige hingerichtet werden. In der Tat wurden seit den 1970er-Jahren weit mehr als 100 zum Tode Verurteilte im zweiten Anlauf freigesprochen.

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Die Todesstrafe in den USA
Jan Bösche, ARD Washington
02.11.2017 19:35 Uhr