Bürgerkrieg in Syrien Tod Alluschs könnte Friedensgespräche gefährden

Stand: 26.12.2015 18:27 Uhr

Der in Syrien getötete Anführer der Rebellengruppe Dschaisch al-Islam, Allusch, gehört zu den oppositionellen Gruppen in Syrien, die zur Teilnahme an Friedensgesprächen bereit sind. Oder waren? Jürgen Stryjak geht davon aus, dass sein Tod die Ausgangslage verändert.

Von Jürgen Stryjak, Studio Kairo

Klar scheint bislang lediglich, dass der Tod des Chefs der Rebellengruppe Dschaisch al-Islam, Zahran Allusch, die geplanten Friedensgespräche torpedieren könnte, für die sich die Vereinten Nationen einsetzen. Dschaisch al-Islam gehört jenem Bündnis der syrischen Opposition an, das jüngst in Saudi-Arabien gebildet wurde und das sich zu den Friedensgesprächen bereit erklärt hatte.

Die einflussreiche Rebellengruppe bekämpft das Assad-Regime, aber sie bekämpft ebenso erbittert auch die Dschihadistenmiliz, die sich "Islamischer Staat“ nennt.  Dschaisch al-Islam gilt als religiös-konservativ und vereint unter ihrem Dach auch Anhänger radikaler Strömungen. Ihr werden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Ursprünglich hatte sie die Errichtung eines islamischen Staates zum Ziel. Inzwischen vertritt sie gemäßigtere Positionen und geht Kompromisse mit anderen Widerstandsgruppen ein - solange diese nicht mit dem IS sympathisieren.

Tötung von Zahran Alloush gefährdet Friedensgespräche
J. Stryjak, ARD Kairo
26.12.2015 19:08 Uhr

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Syrische Regierung stuft Allusch als Terroristen ein

Dschaisch al-Islam ist besonders präsent in Gebieten östlich von Damaskus und bekennt sich zur nationalen Einheit Syriens. Nach Ansicht des schwedischen Syrien-Experten Aron Lund müssten auch Leute wie der getötete Allusch, also Vertreter umstrittener Oppositionsgruppen, an den Friedensgesprächen beteiligt werden, wenn diese glaubwürdig sein sollen.

Seit Beginn des Konfliktes vor fast fünf Jahren bezeichnet die Propaganda der syrischen Regierung praktisch jeden als Terroristen, der sich gegen das Assad-Regime erhebt - auch den getöteten Allusch. Somit bekämpft sie auch jene Teile der Opposition, die gerade ein Bündnis bildeten, das an Friedensgesprächen teilnehmen will.

Die Vereinten Nationen hoffen auf den Beginn von Verhandlungen ab dem 25. Januar in Genf. Das teilte das Büro des UN-Sondergesandten für Syrien, Staffan de Mistura, in New York mit.  

Dieser Beitrag lief am 26. Dezember 2015 um 18:29 Uhr im Deutschlandfunk.

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