Seitenueberschrift

Bilder eines zerstörten Mausoleums in Timbuktu.

UNESCO-Weltkulturerbe in Mali

Islamisten zerstören weitere heilige Grabstätten

Radikale Islamisten haben erneut heilige Grabstätten in der Stadt Timbuktu im Norden Malis zerstört. Es gibt insgesamt 16 Mausoleen, die seit 1988 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören und zum Teil mehrere Jahrhunderte alt sind. In ihnen sind Gelehrte und wichtige Persönlichkeiten des Islam begraben. Bereits vor einigen Tagen hatten Extremisten mehrere dieser Mausoleen verwüstet.

"Sie begehen ein Verbrechen an der kulturellen Identität der Menschen von Mali und der Menschen von Afrika", sagte Lazare Eloundou Assomo, Afrika-Experte der UNESCO, am Rande einer Sitzung des Welterbe-Komitees in St. Petersburg. Wegen des bewaffneten Konflikts in Mali hatte die Organisation die Wüstenstadt Timbuktu erst kürzlich auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt.

Islamisten mit Verbindung zu Al Kaida

Verantwortlich für die Zerstörungen ist die Extremistengruppe Ansar Dine, die mit dem Terrornetzwerk Al Kaida im Islamischen Maghreb in Verbindung steht. Die Fundamentalisten nehmen Anstoß an der Verehrung der Heiligen. Zugleich erklärte die Gruppe, sie wolle ihr Vernichtungswerk fortsetzen. Sie will in dem Land die Scharia einführen. Bislang wurde der islamische Glaube in der Bevölkerung durch traditionelle Elemente ergänzt.

Die Extremisten zerstörten nach Angaben von Augenzeugen zudem den Eingang eines islamischen Gebetshauses. Die Sidi-Yahya-Moschee gehört zu den drei großen Moscheen der Stadt und gehört ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe gelistet. Timbuktu war lange Zeit ein Zentrum der islamischen Lehre und Forschung und blickt auf eine jahrhundertelange Tradition zurück.

Malische Regierung ist hilflos

Die Regierung in der Hauptstadt Bamako will nun die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft um Hilfe bitten, um die Gewalttaten zu beenden. Unter anderem will sie sich an den internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wenden, um die Zerstörungen zu ahnden. In Mali herrschen seit mehreren Monaten bürgerkriegsähnlich Zustände. Radikale Islamisten hatten nach einem Putsch im März das Chaos ausgenutzt und gemeinsam mit säkularen Kämpfern der Volksgruppe der Tuareg weite Teile des Nordens erobert.

Stichwort

Die Tuareg sind ein Berbervolk in der Sahara-Region, zu dem Angehörige verschiedener Stämme zählen. Schätzungen zufolge leben rund 1,5 Millionen Tuareg in Niger, Mali, Algerien, Libyen, Burkina Faso und Mauretanien. Als ihre eigentliche Heimat sehen sie die Region Azawad in Mali an.

Vor der Kolonialzeit dominierten die sich mit indigoblauen Tüchern vor der Sonne schützenden Nomaden den Handel durch die Sahara, bis sie von französischen Truppen vernichtend geschlagen wurden. Ihre Position blieb auch nach der Unabhängigkeit geschwächt.

In den 1980er-Jahren verließen viele Tuareg infolge einer Dürre Mali. Als sie zurückkehrten, führten sie Krieg gegen die Regierungstruppen. Auch in Niger starteten die Tuareg einen Aufstand. Nach langen Verhandlungen wurden die Tuareg in Malis Armee integriert. Auch Libyens Ex-Diktator Gaddafi rekrutierte Tuareg für seine Streitkräfte.

Stand: 02.07.2012 16:06 Uhr

Darstellung: