Zwei Männer stehen vor der wiederaufgebauten Moschee in Timbuktu | Bildquelle: AFP

Zerstörung von Kulturerbe Timbuktu erhält Millionen-Entschädigung

Stand: 17.08.2017 14:15 Uhr

Für durch Islamisten zerstörten Kulturstätten im malischen Timbuktu soll die Bevölkerung mit 2,7 Millionen Euro entschädigt werden. Die Menschen hätten "mentale Schmerzen und Ängste" erlitten, so der Richter.

Von Ludger Kazmierczak, ARD-Studio Den Haag

Der Internationale Gerichtshof hat über Reparationen für die von Islamisten zerstörten Kulturstätten im malischen Timbuktu verhandelt. Kulturdenkmäler, so das Gericht, seien von großem emotionalen Wert für eine Bevölkerung. Die Zerstörung der neun Mausoleen und einer Moschee sei daher auch ein Angriff auf die Würde und den Glauben der gesamten Gemeinschaft dort gewesen, erklärte der Vorsitzende Richter Raul Pangalangan. Die Menschen in der Wüstenstadt hätten daher einen Anspruch auf Entschädigung.

Zerstörung von Weltkulturerbe-Stätten in Timbuktu : Al Mahdi vor Gericht
tagesschau 12:00 Uhr, 17.08.2017, Bettina Scharkus, ARD Brüssel

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Kollektiver Charakter der Reparationen

Zur Begründung sagte Pangalangan: "Die Kammer kommt zu dem Schluss, dass individuelle Entschädigungen wichtig sind, um zu zeigen, welche mentalen Schmerzen und Ängste die Zerstörungen ausgelöst haben. Aber die Reparationen sollen der gesamten Bevölkerung von Timbuktu zu Gute kommen und kollektiven Charakter haben."

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Demnach sollen nicht nur die 139 Einzelpersonen, die sich der Schadenersatzklage angeschlossen hatten, entschädigt werden, sondern alle Bewohner der "Stadt der 333 Heiligen". Der Korangelehrte Ahmad Al Faqi Al Mahdi war bereits im vergangenen Jahr wegen seiner Beteiligung an der Zerstörung der Kulturstätten zu neun Jahren Haft verurteilt worden.

"Mentaler Schaden"

Mit diesem Verbrechen, so das Gericht, habe Al Mahdi der Bevölkerung von Timbuktu nicht nur großen wirtschaftlichen, sondern vor allem auch mentalen Schaden zugefügt. Pangalangan sagte in Richtung Al Mahdi: "Herr Al Mahdi, angesichts der umfassenden und unterschiedlichen Schäden, die ihre Tat verursacht hat, beziffert die Kammer ihre Gesamtverantwortung auf 2,7 Millionen Euro."

Da der Angeklagte kein Vermögen hat, soll der dem Gericht angegliederte Opferfonds für die Reparationen aufkommen. Dieser internationale Fonds wird von den mehr als 120 Nationen finanziert, die sich dem Internationalen Strafgerichtshof angeschlossen haben. Bis zum Februar des kommenden Jahres soll der Trust for Victims klären, wie das Geld verteilt und eingesetzt wird.

Zusätzlich symbolische Entschädigung möglich

Neben der finanziellen Entschädigung, so Richter Pangalangan, seien aber auch noch andere Formen der Wiedergutmachung denkbar. "Diese kollektiven Entschädigungen können auch symbolischer Art sein, beispielsweise durch ein Denkmal, oder eine Gedenkzeremonie, um öffentlich zu zeigen, wie sehr die Bevölkerung von Timbuktu moralisch gelitten hat."

Zerstörtes Mausoleum in Timbuktu | Bildquelle: AFP
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Zerstörtes Mausoleum in Timbuktu

Mit Hilfe der UNESCO sind die meisten der im Sommer 2012 von Islamisten vernichteten Kulturdenkmäler wieder aufgebaut worden. Auch das damals schwer beschädigte Tor der Sidi Yahia Moschee wurde restauriert und wieder eröffnet. Ahmad Al Faqi Al Mahdi hatte sich während des kurzen Prozesses zu seiner Verantwortung bekannt und sich für seine Taten entschuldigt. Er ist weltweit der erste Angeklagte, der wegen der Zerstörung von Weltkulturerbe-Stätten verurteilt wurde.

Entschädigung nach Zerstörung von Kulturerbe in Timbuktu
Ludger Kazmierczak, ARD Den Haag
17.08.2017 13:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. August 2017 um 12:00 Uhr.

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