Der US-amerikanische Außenminister Rex Tillerson | Bildquelle: AP

Atomstreit USA wollen reden - Nordkorea wohl nicht

Stand: 01.10.2017 07:24 Uhr

Nordkorea hat nach Angaben des US-Außenministeriums kein Interesse an Verhandlungen mit Washington. Dafür gebe es keinen Hinweis. Laut Außenminister Tillerson besteht aber jetzt ein direkter Kontakt der USA mit Nordkorea, um Lösungen im Atomstreit auszuloten.

Die USA haben im Konflikt um Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm direkten Kontakt mit Nordkorea. Wie Außenminister Rex Tillerson gestern erstmals publik machte, gibt es mehrere offene Kommunikationskanäle, um zu sondieren, ob die Führung in Pjöngjang einen Dialog will. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass diese an Gesprächen über eine Denuklearisierung interessiert sei, teilte Ministeriumssprecherin Heather Nauert ergänzend mit.

"Trotz Zusicherungen, dass die USA nicht daran interessiert sind, den Zusammenbruch des gegenwärtigen Regimes zu fördern, Regimewandel zu verfolgen, die Wiedervereinigung der Halbinsel zu beschleunigen oder Kräfte nördlich der demilitarisierten Zone zu mobilisieren, haben nordkoreanische Offizielle keine Hinweise gegeben, dass sie an Gesprächen bezüglich Denuklearisierung interessiert oder dazu bereit sind", so Nauert.

"Wir haben unsere eigene Kanäle"

Tillerson hatte sich während eines Besuches in Peking vor Journalisten geäußert. "Wir befinden uns nicht in einem Blackout", sagte er der "New York Times" zufolge. "Wir können mit ihnen sprechen. Wir sprechen mit ihnen." Danach gefragt, ob die Kommunikationsdrähte über China liefen, schüttelte er den Kopf. "Direkt", sagte er. "Wir haben unsere eigenen Kanäle."

Die USA hätten Nordkorea unter anderem zugesichert, Machthaber Kim Jong Un nicht stürzen zu wollen.

Zuvor hatten China und die USA ihren Austausch über das Vorgehen gegen die Provokationen Nordkoreas intensiviert. Der Konflikt um Pjöngjangs Atom- und Raketenprogramm stand im Mittelpunkt der Gespräche von Tillerson mit der chinesischen Führung in Peking.

US-Auߟenminister Rex Tillerson wird in Peking, China, von seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi begrüߟt.
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US-Auߟenminister Tillerson ist zu Besuch in Peking - und spricht auch über Nordkorea.

Martialische Töne

Die USA hatten versucht, China zu mehr Druck auf Nordkorea zu drängen, das rund 90 Prozent seines Handels über den großen Nachbarn abwickelt. Peking ist aber gespalten: Zwar will das Land in seiner Nachbarschaft keine Atomwaffen. Jedoch fürchtet China einen Kollaps Nordkoreas, der Flüchtlingsströme nach China und das Heranrücken von US-Truppen bis an die chinesische Grenze zur Folge haben könnte.  Die Regierung in Peking will deswegen nicht zu weit gehen, setzt aber die mitbeschlossenen UN-Sanktionen gegen Nordkorea um. So ordnete die chinesische Führung erst am Donnerstag im Rahmen der UN-Beschlüsse eine Schließung aller nordkoreanischen Unternehmen in China bis Ende Januar an, lehnt aber ein von den USA gefordertes komplettes Öl-Embargo gegen Nordkorea ab.

Zuletzt hatten die USA und Nordkorea im Konflikt um das Atom- und Raketenprogramm des ostasiatischen Landes auf äußerst martialische Töne gesetzt. US-Präsident Donald Trump hatte Nordkorea sogar mit der "vollständigen Vernichtung" gedroht, falls das Land seine atomare Aufrüstung fortsetze. Der nordkoreanische Außenminister Ri Yong Ho wertete dies als Kriegserklärung. Angesichts der Eskalation hatten US-Partnerländer wie Deutschland einen Dialog angemahnt, um die Eskalation zu beenden.

Nordkorea hatte am 3. September seinen bislang stärksten Atomwaffentest vorgenommen. Zudem testet das isolierte Land regelmäßig Raketen und verletzt damit Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Nordkorea arbeitet erklärtermaßen an der Entwicklung einer Rakete, die einen Atomsprengkopf bis aufs Festland der USA tragen kann. Die USA wollen dies verhindern.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Oktober 2017 um 07:03 Uhr.

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