Atomkraftwerk Tihange | Bildquelle: dpa

Umstrittenes Atomkraftwerk in Belgien Reaktor in Tihange soll wieder ans Netz

Stand: 26.12.2015 00:29 Uhr

Im umstrittenen belgischen Atomkraftwerk Tihange soll heute voraussichtlich ein Atomreaktor wieder ans Netz genommen werden. Aachen liegt nur 70 Kilometer entfernt. Im Reaktorblock 1 hatte es vor gut einer Woche einen Brand im nicht nuklearen Teil gegeben.

Von Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

Reaktor 1 des belgischen Atomkraftwerks Tihange bei Lüttich soll voraussichtlich heute wieder hochgefahren werden. Das kündigte Anne-Sophie Hugé, Sprecherin der Betreiberfirma Electrabel, an. Vor einer Woche hatte sich der Reaktor automatisch abgeschaltet, nachdem es einen Brand in einer technischen Schalttafel gegeben hatte. "Wir haben ein defektes Bauteil in der Schalttafel entdeckt", sagte die Unternehmenssprecherin.

Diese Schalttafel befindet sich nicht im Reaktorbereich, sondern im nicht-nuklearen Teil der Anlage. Das Atomkraftwerk Tihange sei sicher, meint Anne-Sophie Hugé von Electrabel. Das hätten verschiedene belgische Behörden bestätigt. Darüber hinaus habe sich die belgische Atomaufsichtsbehörde damit einverstanden erklärt, dass die Laufzeit von Tihange 1 um zehn Jahre verlängert wird - bis 2025.

"Pannenserie erschreckend"

In Deutschland sehen das viele ganz anders - vor allem Menschen, die in der Grenzregion leben. Sie trauen Tihange 1 nicht, denn er ist mit vierzig Jahren der älteste der drei Reaktoren des Atomkraftwerks. Die Pannenserie des Kernkraftwerks sei erschreckend, sagt Jörg Schellenberg vom Aachener Anti-Atom-Bündnis. "Ein mit Rissen durchsetzter Reaktor-Druckbehälter. Personal, was nicht richtig geschult ist. Ständig muss der Reaktor heruntergefahren werden, weil es irgendwo wieder Brände gibt. Es ist einfach Ausdruck von einem mangelnden Sicherheitsverständnis."

Auch die Bundesregierung ist skeptisch, ob die belgischen Atomkraftwerke Tihange bei Lüttich und Doel bei Antwerpen den Sicherheitsbestimmungen entsprechen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks von der SPD kündigte an, es solle Anfang Januar ein Gespräch mit der belgischen Atomaufsicht geben. Umweltschützer Jörg Schellenberg geht noch einen Schritt weiter: "Hier müsste auf EU-Ebene eine Entscheidung her, dass ein solches Atomkraftwerk nicht mehr weiterbetrieben werden darf."

Immerhin, so Schellenberg, würden Millionen Menschen in der Grenzregion Belgien, Deutschland und Niederlande dadurch gefährdet. Doch die Energieversorgung in der EU ist klar geregelt: Jedes Land entscheidet selbst darüber. Danach wäre also die belgische Regierung am Zug.

Reaktor 1 des AKW Thiange soll wieder hochgefahren werden
K. Bensch, WDR Brüssel
25.12.2015 21:29 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 26. Dezember 2015 um 08:09 Uhr auf Inforadio.

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