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10.02.2010

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Weltspiegel-Reportage: Sushi in Gefahr
Thunfisch wird immer knapper

Sushi ist in Gefahr

Sushi, die Fisch-Delikatesse aus Japan, ist aus den europäischen und amerikanischen Restaurants nicht mehr wegzudenken. Doch die Rohfisch-Leckerei ist bedroht. Denn die weltweit gnadenlose Jagd auf Thunfische gefährdet den Bestand - und damit das Sushi.

Von Mario Schmidt, ARD-Korrespondent Studio Tokio

Thunfisch in Japan: Qualitätscheck auf dem Markt (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: 15.000 Euro für einen 200-Kilo-Fisch ]
Die Fleischbeschau beginnt vor Sonnenaufgang: Händler Tsunenori Iida sucht nach den leckersten Blauflossenthunfischen. Das sind die mit bis zu fünf Metern größten und teuersten unter den vielen Thunfischarten. Seit 43 Jahren macht er das, sechs Mal die Woche. Seine Kunden sind die feinsten Sushi-Restaurants von Tokio. Heute hat er noch nicht den richtigen Fisch gefunden. "Das Fleisch muss zart sein, ordentlich Fett und eine gute Farbe haben. Dann ist die Qualität sehr gut", erklärt er.

Der Fischmarkt von Tokio ist der größte der Welt und die erste Adresse für den lukrativen Handel mit Thunfischen. Mexiko, Australien, Spanien - von überall werden sie mit Schiffen und Flugzeugen hergebracht. Um 5.30 Uhr startet die Auktion. Händler Iida ersteigert einen Thunfisch für gut 15.000 Euro. Das 200-Kilo-Tier bringt er zu seinem Stand, denn bald kommen die Kunden.

Weltweit gnadenlose Jagd auf Thunfisch

Thunfischauktion in einem Großmarkt bei Tokio (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Fischauktionshalle bei Tokio: Rekordpreise bis zu 38.000 Euro pro Thunfisch. ]
In diesem Jahr steht der Rekordpreis bei 38.000 Euro für einen Fisch. Doch die Händler klagen, dass immer weniger Tiere hier angeboten werden, seit auch Europa, Amerika und China auf den Sushi-Geschmack gekommen sind. Und was noch schlimmer ist: In den Meeren wird der Thunfisch knapp. Thunfische werden in allen Weltmeeren gnadenlos gejagt, meist mit großen Netzen, einige Arten für die Dose, andere für Sushi. Mehrere Bestände gelten als massiv überfischt, besonders gefährdet sind die hochwertigen Blauflossenthunfische.

Nicht nur im Mittelmeer könnten sie in wenigen Jahren ausgerottet sein - auch wegen der Thunfischfarmen. Dort werden gefangene Jungfische monatelang gemästet, eine weltweit verbreitete Praxis mit verheerenden Folgen: Bevor sich die Tiere fortpflanzen können, werden sie für die Fischmärkte getötet. Allein im Mittelmeer ist der Bestand an Blauflossenthunfischen so laut Schätzungen in wenigen Jahren um 80 Prozent geschrumpft. Fangquoten gibt es zwar, aber an die halten sich viele Länder nicht.

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Japan sorgt sich um seine Leibspeise

Gegen sieben Uhr in Tokio. Herr Iida schneidet die Delikatesse. Der Fisch wurde traditionell aus dem Meer vor der Nordküste Japans geangelt, einem Gebiet, das erstklassiges Fleisch verspricht.

Sushi: eine Delikatesse in Japan (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Besonders vormittags wächst in Tokio der Sushi-Hunger ]
Die Sorge um das Leibgericht hat das Sushi-Reich aufgerüttelt. Japan hat selbst Fangquoten für Blauflossenthunfische jahrelang überschritten, mittlerweile trägt es weltweite Einschnitte bei den Quoten mit. Auch Herr Iida meint, Japan habe zu lange unüberlegt gefangen. "Alle sollten die Menge ihres Fischfang reduzieren, denke ich. Dann müssten wir eine Durststrecke von fünf bis zehn Jahren aushalten, in denen sich die Bestände wieder erholen", so der Thunfisch-Händler.

Inzwischen drängt Japan international auf schärfere Maßnahmen gegen illegale Fischerei - immerhin ein Umdenken. Doch seien die Bestände damit noch lange nicht gerettet, sagen Umweltschützer.

Forscher wollen Blauflossenthunfisch retten

Während die weltweite Fischereiindustrie über angemessene Fanquoten streitet, bemühen sich in Japan Wissenschaftler um die Rettung des Blauflossenthunfisches. Vor der japanischen Insel Amami Oshima ist die Zucht geglückt, das heißt: In dieser Bucht zeugen Thunfische in Gefangenschaft Nachwuchs. Nach 32 Jahren Forschung gelang dem Team von Professor Hidemi Kumaii der Durchbruch.

Thunfische gelten als Ferraris der Meere. Sie schwimmen bis zu 70 Kilometer in der Stunde. Ihre Züchtung ist komplizierter als bei anderen Fischen, weil sie stressempfindlich sind und sich nur unter optimalen Bedingungen paaren. "Wenn wir erst einmal genügend Fische gezüchtet haben, können wir sogar welche freilassen und somit die natürlichen Bestände im Meer wieder vergrößern", sagt Forscher Hidemi Kumai von der Kinki-Universität Wakayama.

Mehrere tausend Thunfische schwimmen schon in den Netzen vor der Küste. Bis zum Aussetzen ist es jedoch noch ein weiter Weg. Bislang werden einzelne Tiere geangelt und dann für Billigsushi an Supermärkte verkauft. Aber auch das betrachten die Wissenschaftler bereits als großen Erfolg. Als nächstes soll die Fleischqualität verbessert werden, denn die gilt noch als mittelmäßig.

"O'toro": Lecker, aber teuer

Kurz nach acht Uhr auf dem Fischmarkt: Die besten Thunfische der Welt treten die letzte Reise an. Die Sushi-Meister sind eingetroffen. Händler Iida hat ein Acht-Kilo-Stück für seinen Stammkunden Kamikura beiseite gelegt. Japaner lieben die fetten Bauchteile, O’toro heißen sie. Billiger Thunfisch kostet 20 Euro, hier zahlt der Kunde mehr als 200 Euro pro Kilo.

Ein Koch präsentiert Sushi in verschiedenen Landesfarben (Foto: picture-alliance / dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Sushi: Nicht nur in Japan beliebt. ]
In Tokio wächst am Vormittag der Sushi-Hunger. Die Preise für guten Thunfisch sind in den letzten Jahren um bis zu 30 Prozent gestiegen, mehrere Restaurants mussten deshalb schon aufgeben. Takashi Kamikura bereitet den Mittagstisch vor. Er hat Sorge, dass er bezahlbares Fleisch mit so einer Qualität irgendwann nicht mehr finden wird. Die Preise kann er nicht erhöhen, ohne dass die Kunden abspringen würden. Sie zahlen schon jetzt für zwei Stücke gut 13 Euro.

"Wenn die ganze Welt Thunfisch isst, kann Japan seinen Bedarf bald nicht mehr decken", sagt Kamikura. Kunden, Sushi-Meister und Thunfisch-Händler machen sich große Sorgen: Zum ersten Mal besteht wirklich die Gefahr, dass Blauflossenthunfische irgendwann von den Speiskarten verschwinden werden.

Stand: 19.01.2008 14:40 Uhr
 

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