Thatcher-Aussagen zum Falkland-Krieg freigegeben "Es war so dumm, das zu tun"

Stand: 28.12.2012 21:32 Uhr

Die Invasion der Falkland-Inseln durch Argentinien im Jahr 1982 kam für Großbritanniens damalige Premierministerin Thatcher völlig überraschend. Das geht aus jetzt veröffentlichten geheimen Dokumenten hervor. Auch vom Erfolg des Militäreinsatzes war Thatcher demnach nicht überzeugt.

Von Torsten Huhn, NDR-Hörfunkstudio London

Thatcher nach der Wiederwahl im Jahr 1983 | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
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Die Haltung Thatchers im Falklandkonflikt war wohl ein wesentlicher Grund dafür, dass sie nach der Unterhauswahl im Juni 1983 jubeln konnte.

"Die Regierung hat jetzt entschieden, dass eine große Eingreiftruppe aufbrechen wird, sobald die Vorbereitungen abgeschlossen sind" - das sagte die britische Premierministerin Margaret Thatcher vor dem Parlament in London Anfang April 1982, kurz nachdem Argentinien die Falkland-Inseln im Südatlantik besetzt hatte.

Jetzt, 30 Jahre später, wurden die Ergebnisse der Untersuchung einer Regierungskommission freigegeben. Sie zeigen, dass Thatcher damals von der Invasion der Falkland-Inseln durch Argentinien vollkommen überrascht wurde. Erst zwei Tage vor dem Angriff gab es erste vage Hinweise auf die Invasion der Inseln, auf der damals rund 1800 Briten lebten.

Angriff kam für Thatcher unerwartet

Vor dem Regierungskomitee, das im Herbst 1982 hinter verschlossenen Türen die Vorgänge untersuchte, sagte Thatcher wörtlich: "Ich habe nie, nie erwartet, dass die Argentinier die Falkland-Inseln angreifen. Es war so dumm, das zu tun." Weiter sagte die Premierministerin, niemand habe ihr sagen können, ob es den britischen Truppen möglich wäre, die Inseln zurückzuerobern.

Es erschien also auch ihr höchst unsicher, ob die Operation der Rückeroberung gelingen würde. Doch Thatcher zeigte sich im  Parlament sehr entschlossen und setzte den modernsten britischen Flugzeugträger an die Spitze der Flotte, die sich auf den Weg zu den 12.000 Kilometer entfernten Inseln machte: "Die HMS Invincible wird die Flotte anführen und wird am nächsten Montag den Hafen verlassen", sagte sie demnach. "Ich kann ihnen jetzt noch nicht sagen, welchen Auftrag die Eingreiftruppe erhalten wird, wenn sie sich auf den Weg macht. Das hängt von der Entwicklung ab." Innerhalb eines Wochenendes waren 100 britische Schiffe und Tausende von Soldaten auf dem Weg, die bereit zum Kriegseinsatz waren.

Druck auf Frankreich

Bekannt wurde jetzt auch, dass Thatcher Druck auf den damaligen französischen Staatspräsidenten Francois Mitterand ausübte. Sie warnte ihn davor, Exocet-Raketen an Peru zu liefern, weil sie fürchtete, dass Lima diese gefährlichen Waffen an Argentinien weitergeben könnte. Würde Frankreich dieses tun, so drohte sie, hätte das nachhaltige Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen London und Paris. 

Der Historiker Lord Hennessy hält die jetzt veröffentlichten Papiere für äußerst interessant: "Das schriftliche Protokoll der Aussage von Premierministerin Thatcher vor dem Frank-Ausschuss ist eines der eindrucksvollsten Papiere, die jemals hier vom National-Archiv veröffentlicht wurden. Aus zwei Gründen: Die Aussagen wurden nur zwei Monate nach Ende des Krieges getätigt, sie sind noch äußerst lebendig. Zudem kann sie außerordentlich gut formulieren. Sie ist durch und durch Politikerin."

Anfang April 1982 hatten argentinische Truppen die Inseln im Südatlantik besetzt, Mitte Juni hatten die Briten sie zurückerobert. Etwa 650 Argentinier und 255 Briten starben im Falkland-Krieg. Weitere 300 britische Veteranen des Krieges sollen sich hinterher das Leben genommen haben.

Dieser Beitrag lief am 28. Dezember 2012 um 15:51 Uhr auf NDR Info.

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