Der legendäre rote Aktenkoffer von Margret Thatcher | Bildquelle: AP

Nachlass erzielt 4,5 Millionen Euro Thatchers Kinder machen Kasse

Stand: 16.12.2015 17:43 Uhr

Schon am ersten Tag der Versteigerung des Thatcher-Nachlasses in London erzielte das Auktionshaus Christie´s 4,5 Millionen Euro. Der legendäre rote Aktenkoffer der ehemaligen britischen Premierministerin kam auch unter den Hammer - für 332.000 Euro.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Hörfunkstudio London

Das Modell eines amerikanischen Weißkopfadlers, "mit besten Grüßen von Ronald Reagan“, wurde zum teuersten Stück der Auktion: Aufgerufen war es mit rund 10.000 Euro - am Ende ging das Geschenk des früheren US-Präsidenten an seine Lieblingskollegin für 365.000 Euro weg. "Der Adler saß in der Eingangshalle ihres Privathauses am Chester Square“, sagt Christies-Kuratorin Meredith Etheringdon-Smith.

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Koffer, Kleider, Klunker - Memorabilien der "Eisernen Lady"

Margret Thatcher vor ihrem Amtssitz in 10 Downing St

Freundlich lächeln konnte sie, aber ihre eisernen Qualitäten waren ebenso legendär; Gegner konnten davon ein Lied singen. Noch heute spaltet Margret Thatcher Großbritannien. Kein Wunder, dass Gegenstände aus ihrem Nachlass bei einer Auktion heiß begehrt waren. | Bildquelle: AP

Die Gebote, auch telefonisch und im Internet, kamen aus aller Welt, von Korea bis zur Schweiz, vom Oman bis Kanada. Den zweithöchsten Preis erzielte der abgeschabte Aktenkoffer der Premierministerin aus rotem Leder. Sie hatte ihn bei ihrem Rücktritt für 100 Pfund aus Regierungsbesitz gekauft - jetzt fand das Köfferchen für 332.000 Euro einen neuen Besitzer.

Immer eine Taschenlampe in der Handtasche

Billiger war da eine ihrer berühmten Handtaschen, die für knapp 20.000 Euro weg ging - diese Handtaschen hatte Thatcher gern bei EU-Gipfeln auf den Tisch geknallt und damit nicht nur Helmut Kohl genervt. Sie bewahrte darin übrigens nicht nur Taschentücher und Kleingeld auf, sagt der Historiker Andrew Roberts: "Nach dem Bombenanschlag der IRA auf das Parteitagshotel in Brighton hatte sie immer eine Taschenlampe in ihrer Handtasche. Damals waren alle Lichter ausgegangen, und sie hatte kaum den Weg nach draußen finden können.“

Thatchers Kinder machen Kasse
J.-P. Marquardt, ARD London
16.12.2015 14:54 Uhr

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Highlights der Auktion waren natürlich ihre Kleider. "Sie hat von Anfang an verstanden, welche Macht ein tolles Kostüm mit leuchtenden Farben ausstrahlt. Wenn man sich diese Kleider anschaut, dann kann man sich darin heute Hillary Clinton oder die schottische Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon vorstellen“, sagt Anna Murphy, Moderedakteurin der Times. Der Aquascutum-Trenchcoat mitsamt beigefarbenem Kopftuch, den sie 1986 während der Fahrt mit einem Panzer auf dem Übungsgelände der britischen Truppen in Fallingbostel trug, erzielte 17.000 Euro. Und eines ihrer zahlreichen kornblumenblauen Kostüme kam für 35.000 Euro unter den Hammer.

Museum lehnte Erinnerungsstücke angeblich ab

Bereits die Ankündigung der Auktion vor einigen Wochen hatte für Aufregung gesorgt. Thatchers Kinder Carol und Mark hatten behauptet, sie hätten die Erinnerungsstücke dem renommierten Victoria-and-Albert-Museum in London angeboten - doch das Museum habe es abgelehnt, einen Thatcher-Raum einzurichten. Die Verantwortlichen des Museums erklärten daraufhin, es habe nie ein richtiges Angebot der Thatcher-Kinder gegeben. Man sei bereit, einzelne Stücke auszustellen.

Alles also nur eine PR-Aktion der Erben, um die Preise bei der Versteigerung hochzutreiben? Jedenfalls sind Carol und der einst wegen illegalen Waffenhandels unter Verdacht geratene und wegen eines Putschversuchs in Äquatorial-Guinea zu vier Jahren Haft verurteilte Mark Thatcher nach dieser Auktion nun um 4,5 Millionen Euro reicher. 

Dieser Beitrag lief am 16. Dezember 2015 um 14:24 Uhr auf NDR Info.

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