Bewaffneter Polizist neben einem Thalys-Zug

Reaktion auf Thalys-Attacke Bald Sicherheitschecks wie auf dem Flughafen?

Stand: 24.08.2015 10:40 Uhr

Nach der Attacke eines schwer bewaffneten Mannes in einem Thalys-Zug hat Frankreichs Präsident Francois Hollande die Männer ausgezeichnet, die durch ihr entschiedenes Eingreifen wohl ein Blutbad verhindert haben. Im Elysée-Palast erhielten sie den Orden der Ehrenlegion. Derweil wird in Belgien und der EU über verschärfte Sicherheitsstandards nachgedacht.

Von Kai Küstner, NDR-Hörfunkkorrespondent Brüssel

Werden Europas Bahnhöfe bald zu Flughäfen? Werden Passagiere künftig Sicherheitsschleusen zu durchlaufen haben, bevor sie an Bord eines Zuges gehen? Dass es so kommt, ist unwahrscheinlich.

Aber Belgiens Regierungschef Charles Michel möchte sich dem doch zumindest etwas annähern: "Was den Zugverkehr angeht, so müssen wir die Pass- und Gepäckkontrollen stark ausweiten. Nun gibt es Regeln im Schengen-Raum, die wir einhalten müssen. Aber wenn nötig, müssen wir diese Regeln ändern."

Thalys-Kontrollen wie beim Eurostar?

Heute schon an Flughäfen erinnert fühlen sich all jene, die mit dem Eurostar-Zug von Brüssel nach London reisen. Jeder Passagier muss sich eine halbe Stunde vorher am "Terminal" einfinden, das Gepäck durchleuchten und den Pass kontrollieren lassen. Was auch daran liegt, dass die Briten eben nicht Teil des Schengen-Raums sind - jener Zone also innerhalb Europas, die keine Grenzbäume und somit auch keine Passkontrollen mehr kennt.

Ähnliche Sicherheitsmaßnahmen wie beim Eurostar kann sich Belgiens Premier aber offenbar auch beim Thalys-Schnellzug vorstellen, wie er dem öffentlich-rechtlichen Sender RTBF sagte: "Wir haben es mit einer neuen Bedrohung in Europa zu tun. Folglich müssen die Regierungen und Behörden in den betroffenen Ländern das Thema anpacken."

Hollande ehrt die "Helden des Thalys" mit Orden der Ehrenlegion
tagesschau 15:00 Uhr, 24.08.2015

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Nun halten es Verkehrsexperten für schlicht unmöglich, die Kontrollen an Flughäfen eins zu eins auf das Schienennetz zu übertragen. Das ginge erstens zeitlich gar nicht. Und zweitens müsste man streng genommen an jedem noch so kleinen Bahnhof eine Hochsicherheitszone einrichten, damit auch wirklich nichts schiefginge.

"Dauerhafte Kontrollen stellen Schengen in Frage"

Eine ganz andere Frage ist die, ob man damit nicht das Recht auf grenzenlose Bewegungsfreiheit in Europa - also Schengen - völlig aushebelt. Dazu meint der Europa-Experte an der St. Louis-Universität Brüssel, Denis Daez: "Wenn es sich um punktuelle Kontrollen handelt, dann steht das im Einklang mit Schengen. Dauerhaft-systematische Kontrollen aber stellen das System in Frage."

Ermittler untersuchen den Thalys nach dem Überfall
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Ermittler untersuchen den Thalys nach dem Überfall

Mehr Polizisten und mehr Kontrollen

Nachdem am Freitag Abend möglicherweise ein Amoklauf in einem Thalys-Zug gerade noch vereitelt wurde, patrouillieren nun vermehrt Polizisten an Bord. Die Belgier führen verstärkt Pass- und Gepäck-Checks in Hochgeschwindigkeitszügen durch. All das fällt unter die Rubrik: punktuelle Kontrollen.

Aber einige in Europa, nicht nur der belgische Premier, wünschen sich mehr. Die EU-Kommission hält die Freizügigkeit in Europa für unverhandelbar, kündigte aber an, die Sicherheitsvorkehrungen bei der Bahn überprüfen zu lassen. Wieder einmal, ähnlich wie nach dem Terror von Paris im Januar, wird Europa nun eine Debatte darüber führen, ob es Freiheiten zugunsten von Sicherheit opfern sollte.

Europa prüft Sicherheit in Zügen
Kai Küstner, BR-Hörfunkstudio Brüssel
24.08.2015 02:08 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 24. August 2015 um 05:13 Uhr im Deutschlandfunk.

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