Sie überwältigen den Angreifer: Anthony Sadler, Alek Skarlatos und Chris Norman (v.l.n.r.)

Angriff in Schnellzug "Schnappen wir ihn"

Stand: 22.08.2015 21:09 Uhr

Sie überwältigten einen Bewaffneten in einem Zug mit 550 Passagieren - nun äußerten sich die Männer selbst. Spencer Stone sei auf den Mann zugelaufen, "ohne zu wissen, ob dessen Waffe funktioniert", so sein Mitstreiter Alek Skarlatos. Der Täter war vermutlich Islamist.

Die Männer seien "außergewöhnlich mutig", sagte Frankreichs Staatschef Francois Holland, die "heldenhafte Tat" habe möglicherweise eine viel schlimmere Tragödie verhindert, lobte US-Präsident Barack Obama: drei US-Bürger, ein Brite und ein Franzose haben im Schnellzug von Brüssel nach Paris einen schwer bewaffneten Mann mit möglicherweise islamistischem Hintergrund überwältigt. Zuvor hatte der Angreifer einen Fahrgast angeschossen und schwer verletzt.

Stone schwer verletzt

Anschließend äußerten sich drei der Männer in einem Fernsehinterview. Zunächst sei ein Schuss zu hören gewesen, berichtete der Brite Chris Norman. Dann habe ein Mann mit einem Schnellfeuergewehr das voll besetzte Abteil betreten. Der ehemalige US-Soldat Alek Skarlatos habe zu seinem Freund, dem US-Soldat Spencer Stone, "Schnappen wir ihn" gesagt - und Stone habe sich auf den Angreifer gestürzt. Skarlatos, ein weiterer Freund der beiden, Anthony Sadler, sowie er selbst seien Stone dann zu Hilfe geeilt. Der Attentäter habe ein Messer gezogen und Stone im Nacken schwer verletzt. Dennoch sei es gemeinsam gelungen, den Mann niederzuringen und ihm die Waffen zu entwinden.

"Er reagierte so schnell und mutig"

Skarlatos ergänzte in dem Interview, dass Stone rund zehn Meter auf den Attentäter zugelaufen sei. "Wir wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, ob das Gewehr des Angreifers funktioniert - wenn jemand erschossen worden wäre, dann wäre es Stone gewesen." Sadler sagte, er sei besonders stolz auf Stone, der noch immer im Krankenhaus liege. "Er reagierte so schnell und so mutig", sagte er. "Und noch nachdem er selbst verletzt war, ging er zu einem blutenden Passagier und versuchte ihm zu helfen."

Die Männer wurden inzwischen mit einer Medaille ausgezeichnet und sollen in den kommenden Tagen im Elysee-Palast empfangen werden. Nach Angaben von Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve war der Täter mit einer Kalaschnikow mit neun Magazinen, einer Automatikpistole der Marke Luger mit einem Magazin sowie einem Teppichmesser bewaffnet.

Angreifer identifiziert

Den Angreifer identifizierte die französische Polizei als Marokkaner mit islamistischem Hintergrund. Dies sei über einen Abgleich von Fingerabdrücken erfolgt, wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Polizeikreise meldete. Es handele sich um einen 25-jährigen Marokkaner, den spanische Behörden den französischen als Islamisten gemeldet hatten. Er wurde in Paris von der Anti-Terror-Abteilung vernommen.

Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve sagte, die französischen Behörden seien von ihren Kollegen in Spanien gewarnt worden, der Mann sei ein radikaler Islamist. Spanische Anti-Terror-Ermittler teilten mit, der Mann habe bis 2014 ein Jahr im südspanischen Algeciras gelebt, bevor er nach Frankreich gezogen sei. Von dort sei er nach Syrien gereist, dann aber nach Frankreich zurückgekehrt.

Flog Thalys-Schütze von Berlin aus Richtung Syrien?

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise, dass der Thalys-Schütze von Berlin aus Richtung Syrien abflog. Demnach checkte er am 10. Mai am Flughafen Berlin-Tegel zu einem Flug nach Istanbul ein. Von dort sei er weitergereist und habe im Mai möglicherweise an Aktionen der Terrormiliz "Islamischer Staat" in Syrien teilgenommen.

Belgiens Premierminister Charles Michel hatte bereits am Freitag von einem Terrorakt gesprochen. Die Polizeigewerkschaft erinnerte an den Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo". Angesichts der Umstände komme man "nicht umhin, an die schrecklichen Ereignisse vom Januar zu denken".

Screenshot einer CNN Internetseite mit einem Video, auf dem man sieht wie ein Mann auf dem Boden liegt und gefesselt ist.
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Mit Tüchern fixiert: CNN zeigte den gefesselten Angreifer im Thalys.

Nach dem Vorfall am Freitag wurde der Zug mit mehr als 550 Passagieren an Bord ins nordfranzösische Arras umgeleitet, wo die Polizei den Schützen festnahm, die Personalien der Reisenden überprüfte und den Zug durchsuchte. Anschließend wurden die Reisenden mit Bussen nach Paris gebracht. Thalys ist eine Gesellschaft der französischen SNCF, der belgischen SNCB und der Deutschen Bahn.

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