Polizeiexperten durchsuchen Thalys-Schnellzug | Bildquelle: AFP

Bewaffneter Mann im Thalys überwältigt US-Bürger verhindern Blutbad im Zug

Stand: 22.08.2015 12:11 Uhr

Nur schnelle Reaktion verhinderte Schlimmeres: In einem Thalys-Schnellzug haben drei US-Bürger einen schwer bewaffneten Mann überwältigt, der begonnen hatte, um sich zu schießen. Der Schütze war nach Medienberichten mehreren Geheimdiensten bekannt und soll kürzlich in Syrien gewesen sein.

Entschlossenes Eingreifen von Passagieren hat in einem Schnellzug einen Anschlag auf die Reisenden verhindert. Drei US-Bürger überwältigten im Thalys-Zug von Brüssel nach Paris einen Mann, der begonnen hatte, mit einer Kalaschnikow um sich zu schießen.

Der Vorfall ereignete sich am späten Nachmittag noch auf belgischem Gebiet. Der Mann hatte offenbar auf einer Toilette seine Waffen geladen und im Waggon mindestens einen Schuss auf Mitreisende abgegeben.

Die US-Bürger - ein Mitglied der US-Luftwaffe, ein nicht aktives Mitglied der US-Nationalgarde und ein Zivilist - schritten unmittelbar ein, brachten den Mann zu Fall und fesselten ihn. Dabei verletzte er einen von ihnen sowie einen weiteren Passagier mit einem Teppichmesser.

Schüsse und ein Handgemenge

In mehreren Interviews schilderten die US-Amerikaner, wie sie den Mann überwältigten. Sie hätten plötzlich einen Schuss und das Geräusch von splitterndem Glas gehört und einen Zugbegleiter gesehen, der vor einem mit einem Sturmgewehr bewaffneten Mann davonlief. Einer von ihnen sei daraufhin den Gang hinunter gesprintet und habe den Mann ergriffen. Ein anderer habe ihm das Gewehr entwunden und auf ihn eingeschlagen.

Der Bewaffnete habe in dem Handgemenge ein Teppichmesser gezückt, einen der Angreifer sowie einen Passagier verletzt. Schließlich sei es ihnen gelungen, den Mann bewusstlos zu schlagen. Dann habe man ihn zusammen mit einem britischen Mitreisenden gefesselt.

Der amerikanische TV-Sender CNN veröffentlichte ein Video, das einer der US-Bürger aufgenommen hatte. Darin ist der auf dem Boden gefesselte Angreifer zu sehen, sein Gewehr sowie die verletzten Passagiere.

Screenshot einer CNN Internetseite mit einem Video, auf dem man sieht wie ein Mann auf dem Boden liegt und gefesselt ist.
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Mit Tüchern fixiert: Das CNN-Video zeigt den gefesselten Angreifer im Thalys.

Was wussten die Geheimdienste?

Ein Vertreter der Polizeigewerkschaft sagte, der Angreifer habe neben der Kalaschnikow und dem Messer eine Pistole sowie mehrere Magazine Munition mit sich geführt. Der Täter sei 26 Jahre alt und marokkanischer Abstammung. Nach übereinstimmenden Medienberichten war der Mann mehreren Geheimdiensten bekannt. Laut der spanischen Zeitung "El País" hatte er eine Zeitlang in Spanien gelebt und dort radikal-islamische Kreise besucht. Der spanischen Geheimdienst habe ihn als radikal eingestuft und den französischen Behörden gemeldet. Er soll in jüngster Zeit nach Syrien gereist sein.

Zu dem Motiv des Täters gibt es offiziell aber noch keine Erkenntnisse. Der Mann selbst schweigt laut Polizeiangehörigen zu seinem Motiv. Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve warnte vor Spekulationen über einen möglicherweise islamistischen Hintergrund der Tat. Man müsse "mit größter Vorsicht und Genauigkeit vorgehen", mahnte er.

Die Polizeigewerkschaft erinnerte dagegen an den Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo". Angesichts der Umstände komme man "nicht umhin, an die schrecklichen Ereignisse vom Januar zu denken".

Mathias Werth, ARD Paris, zu den Ermittlungen nach dem Thalys-Angriff
tagesschau24 15:00 Uhr, 22.08.2015

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Innenminister spricht von "barbarischer Gewalt"

Nach dem Vorfall wurde der Zug mit mehr als 550 Passagieren an Bord ins nordfranzösische Arras umgeleitet, wo die Polizei den Schützen festnahm, die Personalien der Reisenden überprüfte und den Zug durchsuchte. Anschließend wurden die Reisenden mit Bussen nach Paris gebracht.

Innenminister Cazeneuve bezeichnete die Attacke als "barbarische Gewalt". Er lobte die US-Bürger für ihre "Kaltblütigkeit" und ihren Mut. Sie hätten möglicherweise ein "schreckliches Drama" verhindert. Auch US-Präsident Barack Obama dankte den dreien für ihren Mut und ihre schnelle Reaktion. "Ihre heldenhafte Tat hat möglicherweise eine viel schlimmere Tragödie verhindert", erklärte er.

Thalys ist eine Gesellschaft der französischen SNCF, der belgischen SNCB und der Deutschen Bahn.

Schüsse im Thalys - US-Soldaten verhindern Anschlag
B. Kostolnik, ARD Paris
22.08.2015 12:11 Uhr

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