Porträt: Thailands Wahlsiegerin Yingluck Shinawatra

Thailand

Porträt: Yingluck Shinawatra

Thailands politischer Shooting-Star

Mit dem Wahlsieg der Oppositionspartei Pheu Thai wird künftig wohl die 44-jährige Yingluck Shinawatra das Amt der Ministerpräsidentin innehaben. Auf der politischen Bühne ist sie zwar relativ neu, doch ihr großer Bruder Thaksin ist der im Exil lebende Ex-Premier Thailands.

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Singapur

Die künftige thailändische Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra ist als Spitzenkandidatin der Pheu-Thai-Partei zwar politisch fast aus dem Nichts gekommen. Doch die 44-jährige Unternehmerin ist kein unbeschriebenes Blatt: Sie ist die jüngste Schwester von Thaksin Shinawatra, dem  genauso erfolgreichen wie polarisierenden Ex-Premier Thailands, der inzwischen vor Strafverfolgung ins Ausland geflohen ist. Und Bruder Thaksin hatte die kleine Schwester seiner Partei als kommende Nummer 1 vorgeschlagen.

Yingluck (Bildquelle: dapd)
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Die erfolgreiche Unternehmerin Yingluck Shinawatra wird wohl die neue Ministerpräsidentin Thailands.

Schon vor dem Sieg der Opposition erwies sich der Vorschlag als ganz offenbar tauglich: Die unternehmerisch erfolgreiche, politisch aber unerfahrene Yingluck wurde innerhalb weniger Wochen zum Shooting-Star der Opposition. Bei Wahlkampfveranstaltungen feierten sie Zehntausende Anhänger gefeiert. "Ich denke, die Thailänder sind bereit, Männern und Frauen gleiche Chancen zu geben, von daher hoffe ich, dass ich eine Chance bekomme", sagte sie im Wahlkampf.

Und es könne ja durchaus hilfreich sein, dass ihr gerade auch als Frau die Aussöhnung des tief gespaltenen Landes eher zugetraut werde. Ihre Ziele: "Wir wollen den Graben zwischen den Menschen, zwischen Arm und Reich schließen, und wir werden uns auf eine friedliche Aussöhnung konzentrieren."

"Hier geht es um das tägliche Leben der Menschen"

Yinglucks Partei will laut Wahlkampf mehr für die städtische Unterschicht und die Landbevölkerung tun, von dort kommen auch die Rothemden, ihre Anhänger. Vor allem müssten die Lebenshaltungskosten niedriger werden, betonte Yingluck: "Wir müssen Probleme wie die hohen Preise lösen. Beispielsweise sind Eier im vergangenen Jahr um 40 Prozent teurer geworden. Wir wollen die Transport- und Energiekosten senken, um Lebensmittel wieder billiger zu machen. Hier geht es um das tägliche Leben der Menschen."

Wahlkampfveranstaltung für Yingluck Shinawatra in einem Stadion in Bangkok. (Bildquelle: AFP)
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Wahlkampf: Yinglucks Anhänger hoffen auf höhere Mindestlöhne, bessere Bildungsmöglichkeiten und einen höheren Verdienst für die Bauern im Land.

Höhere Mindestlöhne verspricht die Pheu-Thai-Partei, außerdem einen besseren Zugang zu Bildung inklusive kostenloser Computer und zudem höhere Ankaufspreise für die Bauern, die bisher von der wirtschaftlichen Entwicklung Thailands weitgehend abgeschnitten waren.

Ein Vorwurf, den Yingluck häufig hört, ist, dass sie doch nur eine Marionette ihres Bruders sei und nach einem Wahlsieg die Amtsgeschäfts schnell an Thaksin übergeben werde. Doch mit rasant steigender Beliebtheit ging sie damit immer entspannter um. "Ich bin die junge Schwester Thaksins, ich habe viel von ihm gelernt, ich glaube an seine Ideen und Visionen, ich glaube, ich kann einige Erfahrungen meines Geschäftslebens gut einbringen", sagte sie. Und natürlich habe sie auch viel von ihrem Bruder.

Kehrt Thaksin zurück?

Den Verdacht, sie werde ihren Bruder, auf den in Thailand zwei Jahre Haft warten, per Amnestie-Erlass mal eben zurückholen, weist sie zurück: "Für meinen Bruder wird das gleiche Recht wie für alle gelten, wir müssen in Thailand sowieso wieder die Regeln der Demokratie lernen, mein Bruder wird wie alle Thailänder behandelt werden."

In Zukunft wird sich zeigen, ob Wahlsiegerin Yingluck Shinawatra eine Regierung bilden kann, ob das Militär dies zulässt und ob nicht doch ihr Bruder innerhalb kurzer Zeit straffrei nach Thailand zurückkehrt. Sollte dies geschehen, dann stünde das Land vor einer wirklich großen Zerreißprobe.

Stand: 04.07.2011 15:27 Uhr

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