Hintergrund

Grenze zwischen Thailand und Kambodscha Jahrzehntelang umstrittenes Erbe der Kolonialzeit

Stand: 22.04.2011 12:00 Uhr

Soldat vor Tempelanlage
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Ein kambodschanischer Soldat bewacht den Eingang des Preah Vihear Tempels an der Grenze zu Thailand (Archiv).

Der Grenzstreit zwischen Thailand und Kambodscha schwelt seit Jahrzehnten. Die Aufmerksamkeit konzentriert sich vor allem auf Preah Vihear. Die Tempelanlage wurde im elften Jahrhundert fertiggestellt und ist damit 100 Jahre älter als der sehr viel berühmtere Tempelkomplex Angkor Wat. Für manche ist Preah Vihear sogar das bedeutendste Zeugnis der Khmer-Zivilisation. Der Internationale Gerichtshof (IGH) entschied 1962, dass Preah Vihear zu Kambodscha gehört. In Thailand heißt die Anlage Khao Phra Viharn.

Grenzverlauf vielerorts umstritten

Die Grenze zwischen Kambodscha und Thailand ist fast 800 Kilometer lang und in weiten Teilen umstritten. Die jüngsten Gefechte fanden an einer anderen Tempelanlage rund 100 Kilometer westlich von Preah Vihear statt, am Tempel Ta Krabei, oder Ta Kwai auf thailändisch. Die Grenze zwischen den Nachbarländern ist theoretisch durch 73 Grenzsteine markiert. Allerdings fehlen viele der Steine, oder ihr Standort ist umstritten. Die französischen Kolonialherren Kambodschas und Thailand einigten sich vor mehr als 100 Jahren auf die Wasserscheide im Dong Rak-Gebirge als Grenzverlauf.

Thailand verzichtete lange auf Tempel

Nicht überall wurde das aber eingehalten: der Preah Vihear-Tempel liegt demnach auf thailändischem Gebiet, doch schlugen die Franzosen den Tempel auf ihren Karten Kambodscha zu. Lange protestierte Thailand nicht, ein Grund, den der internationale Gerichtshof in Den Haag 1962 in seinem Urteil zugunsten Kambodschas für seine Entscheidung nannte. Der Tempel Ta Krabei/Kwai, übersetzt Tempel des Büffelauges, gehört zu der größeren hinduistischen Ta Muen-Tempelanlage und ist wie Preah Vihear etwa 900 Jahre alt.

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