König Maha Vajiralongkorn | Bildquelle: AP

Neue Epoche in Thailand Nach dem Gottkönig folgt der Tunichtgut

Stand: 27.10.2017 10:58 Uhr

Die Asche des verstorbenen König Bhumibol ist zum Großen Palast gebracht worden. Dort wird jetzt sein Sohn die Macht übernehmen. Maha Vajiralongkorn muss in beinahe überirdisch große Fußstapfen treten. Welche Aufgaben warten auf ihn? Und was halten die Thailänder von ihm?

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Weißer Rauch stieg über dem goldenen Krematorium zum schwarzen Nachthimmel auf, die Mönche sangen ihre Gebete und am Ende dieses langen Tages schien es völlig offensichtlich: Hier kehrt ein Gottkönig in seinen überirdischen Zustand zurück. Bhumibol Adulyadej, mit dem Königstitel Rama IX., hat endgültig die Erde verlassen, sein Körper war den Flammen übergeben. "Obwohl er uns jetzt verlassen hat, wird sein Vermächtnis bei uns bleiben", sagt eine Frau weinend, "seine Werke begleiten uns, das fühlen alle Thais; wir müssen zusammenstehen und gemeinsam durch diese Phase kommen."

Bhumibol - Garant für Beständigkeit

Eine Epoche ist zu Ende gegangen: Sieben Jahrzehnte lang hatte König Bhumibol auf dem Thron gesessen und dem Land Beständigkeit verliehen, während um ihn herum die Regierungen wechselten und das Militär immer wieder die Macht ergriff, zuletzt 2014. Immer noch regiert die Junta unter General und jetzt Premierminister Prayut Chan-O-Cha. Wenn die Krisen zu heftig wurden, vermittelte der weise, greise König. Kritiker sagen, er habe sich vom Militär als königliche Legitimation missbrauchen lassen.

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Thailand nimmt Abschied von König Bhumibol

Das für den König Bhumibol erbaute Krematorium in Abenddämmerung

Spektakel rund um die Einäscherung von König Bhumibol: Für die Zeremonie wurde im historischen Zentrum von Bangkok ein 50 Meter hoher goldverzierter Pavillon errichtet. Der Pavillon symbolisiert Berg Meru, das symbolische Zentrum des buddhistischen, hinduistischen und jainistischen Universums. Umringt wird der Turm von acht symmetrisch angeordneten kleineren Bauten, die für die Berglandschaft um den Meru stehen und womöglich auf Bhumibols Rolle als neunter Monarch (Rama IX.) der Chakri-Dynastie anspielen. | Bildquelle: REUTERS

Prozessionen wie aus vergangenen Zeiten zogen durch die Stadt, nach jahrhundertealten Traditionen brachte ein prunkvoller Streitwagen die symbolische Urne zum Krematorium, wo Bhumibols Sohn schließlich den Scheiterhaufen entzündete. "Die Thailänder sind Bhumibol für zwei Dinge besonders dankbar", erzählt Thitinan Pongsudhirak, Professor für internationale Politik, "er hat in seiner Regentschaft verhindert, dass Thailand kommunistisch wurde und er hat den wirtschaftlichen Aufschwung ermöglicht."

Nachfolger mit unstetem Lebenswandel

Doch was erwarten die Thailänder vom neuen Monarchen, Maha Vajiralongkorn? Der 65-Jährige, Vater von sieben Kindern mit drei Frauen, hat die Thais durch seinen unsteten Lebenswandel als Tunichtgut noch nicht von sich überzeugen können, zumal er sich oft in seiner Villa im bayerischen Tutzing aufhält, fern von seinem  Volk.

Selbst seine Mutter bezeichnete ihn als eine Art Don Juan. Legendär ist die Geburtstagsfeier für seinen Hund, als er seine damalige Frau halbnackt aus einem Napf essen ließ – im Beisein seiner Leibgarde. Seinen Lieblingshund ernannte er zum Marschall der Luftwaffe. Immer wieder gibt es Gerüchte, dass er unliebsame Mitarbeiter ermorden ließ. Aber all das darf in Thailand nicht öffentlich geäußert werden: Die Gesetze gegen Majestätsbeleidigung sind unglaublich streng und bringen Menschen für eine einzige Äußerung schon mal für 15 Jahre ins Gefängnis.

Viele Probleme, schwere Aufgabe

König Bhumibol war so populär und hatte eine so hohe moralische Autorität, dem niemand gerecht werden kann, so Politikprofessor Pongsudhirak. Die Thailänder beteuern, dass sie an den neuen König glauben, aber er wird es nicht leicht haben: "Wir müssen viele Probleme lösen nach einem Jahrzehnt politischer Konflikte. Das neue politische System des modernen Thailands und eine Monarchie der Vergangenheit müssen vereint werden. Und viele erwarten von dem neuen Monarchen, dass er das Militär und dessen unkontrollierte Machtfülle in Schach hält." Eine schwere Aufgabe für einen früheren Leichtfuß.

Einäscherung einer Epoche: Auf Halbgott folgt Tunichtgut
Lena Bodewein, ARD Singapur
27.10.2017 09:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. Oktober 2017 um 10:20 Uhr.

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