Die beiden verurteilten Wanderarbeiter Zaw Lin (r.) und Wai Phyo | Bildquelle: dpa

Kritik an Urteil in Thailand Todesstrafe nach Mord an britischen Touristen

Stand: 24.12.2015 11:07 Uhr

Ein thailändisches Gericht hat zwei Wanderarbeiter aus Myanmar zum Tode verurteilt. Sie wurden für schuldig befunden, 2014 ein Touristenpaar aus Großbritannien ermordet zu haben. Menschenrechtler zeigen sich entrüstet, denn es gibt große Zweifel an den Ermittlungen.

Wegen Mordes an einem britischen Touristenpaar sind in Thailand zwei Wanderarbeiter aus Myanmar, dem früheren Birma, zum Tode verurteilt worden. Die beiden 22-Jährigen seien für schuldig befunden worden, im vergangenen Jahr zunächst einen 24-jährigen Briten getötet und dann dessen ein Jahr jüngere Freundin vergewaltigt und umgebracht zu haben, befand das Gericht.

Die Leichen des britischen Paares waren am 15. September 2014 an der Felsenküste auf Koh Tao entdeckt worden, einer Ferieninsel im Golf von Thailand. Autopsien ergaben, dass die Rucksacktouristen schwere Kopfverletzungen erlitten.

Der Richterspruch gegen Win Zaw Htun und Zaw Lin sorgte umgehend für scharfe Kritik. Beide hatten vor Gericht ausgesagt, dass ihre Geständnisse unter Folter zustande gekommen seien und es bei dem Fall von Anfang an etliche Ungereimtheiten gegeben habe. Die Anwälte der Angeklagten kündigten an, in Berufung zu gehen.

Zweifelhafte Ermittlungen

Mutter des Verurteilten Zaw Lin | Bildquelle: dpa
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Das verkündete Urteil ließ die Mutter von Zaw Lin in Trüänen ausbrechen.

Rund zwei Wochen nach dem Doppelmord waren die beiden myanmarischen Arbeiter festgenommen worden. Die Polizei teilte mit, das Duo habe die Taten gestanden. Auch DNA-Spuren brächten sie mit den Verbrechen in Verbindung. Doch später widerriefen die Männer die Geständnisse und sprachen von Nötigung durch die Polizei.

Win Zaw Htun sagte aus, er sei gefoltert, geschlagen und bedroht werden, auf dass er gestehen möge. Ihm seien nackt Handschellen angelegt und Fotos von ihm gemacht worden, sagte sein Anwalt Nakhon Chompuchat. Beamte hätten seinem Mandaten zudem angedroht, ihn an einen Felsen zu binden und im Meer zu versenken.

Der Mitangeklagte Zaw Lin erklärte, ihm seien zunächst die Augen verbunden und dann Schläge auf den Brustkasten versetzt worden. Immer wieder sei ihm zudem eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt worden, bis er ohnmächtig geworden sei, sagte Nakhon. Die Polizei wies die Vorwürfe zurück.

Vorwurf: Beweismittel manipuliert

Sue Miller (r.), Ian Miller (l.) und Michael Miller (m.) - die Familie des ermordeten britischen Rucksacktouristen David Miller | Bildquelle: AP
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Sue Miller (r.), Ian Miller (l.) und Michael Miller (m.) - die Familie des ermordeten britischen Rucksacktouristen David Miller

Das Verbrechen an den Urlaubern galt als Rückschlag für das thailändische Tourismusgewerbe, das nach dem Militärputsch im Mai 2014 ohnehin mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Unter immensem Handlungsdruck hatte die Polizei mehr als 200 Menschen auf Koh Tao zum DNA-Test gebeten.

Die bekannteste Forensikerin Thailands, Porntip Rojanasunand, warf der Polizei vor Gericht vor, Beweismittel manipuliert zu haben, darunter die nach Behördenangaben als Mordwaffe genutzte Hacke. Sie habe das Gerät erneut einem Test unterzogen und dabei zwar DNA-Spuren zweier Männer gefunden - aber nicht die der Verdächtigen, so Rojanasunand.

Bereits zu Beginn der Ermittlungen waren Zweifel an der Heransgehensweise der Fahnder laut geworden. Ihnen wurde etwa vorgeworfen, den Tatort nicht ordentlich gesichert und mehrfach Namen sowie Fotos von Verdächtigen veröffentlicht zu haben, die sich später als unschuldig entpuppten. Nachdem auch das Außenministerium in London seine Besorgnis geäußert hatte, erhielten britische Ermittler Einblick in die Arbeit ihrer Kollegen aus Thailand.

Menschenrechtler verlangen Urteils-Prüfung

Angesichts der Aussagen der Zeugen und nun Verurteilten vor Gericht verlangt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch eine Prüfung des Todesurteils in einem "transparenten und fairen Berufungsprozess". Die verhängten Strafen seien in Anbetracht der nicht näher untersuchten Foltervorwürfe der zwei Beschuldigten und der von der Gerichtsmedizinerin in Zweifel gezogenen DNA-Beweise "zutiefst verstörend", sagte Phil Robertson, Vize-Direktor der Asien-Abteilung der Organisation.

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