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Modeketten unterzeichnen Abkommen Mehr Sicherheit für Bangladeschs Näher

Stand: 15.05.2013 09:41 Uhr

Ob Primark, H&M oder Kik - nach dem Gebäudeeinsturz unterstützen viele Modeketten das internationale Abkommen für mehr Sicherheit in den Textilbetrieben Bangladeschs. Es sieht unter anderem unabhängige Kontrollen vor.

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Südasien

Mit einem Gebet für die Toten ist die Suche nach weiteren Opfern in den Gebäude-Trümmern zu Ende gegangen. Das Rattern der Baumaschinen verklingt nun. Doch die Tränen von Dutzenden, die noch immer Angehörige vermissen, fließen weiter. Und die Wut der Arbeiterinnen und Arbeiter ist immer noch groß.

Werden die Näherinnen und Näher diesmal bekommen, was sie seit Jahren fordern? Jetzt, wo die Weltöffentlichkeit angesichts von mehr als 1100 Toten berührt ist wie selten zuvor? Sie wollen einen Arbeitsplatz, der nicht lebensgefährlich ist, und einen gerechten Lohn.

Rettung für Bangladeschs Näher?
K. Küstner, ARD Neu-Delhi
15.05.2013 08:01 Uhr

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Kampagne "Saubere Kleidung"

Das Abkommen, auf das sich einige der mächtigsten Kunden in Bangladesch geeinigt haben, soll nun Linderung der teilweise erbärmlichen Zustände bewirken.

"Es ist ein Abkommen, das zeigt: Es gibt eine Verantwortung, der man gerecht werden muss. Es ist bahnbrechend, es wird Zeit, dass es zustande kommt", sagt Philip Jenning, Generalsekratär des Gewerkschaftsdachverbands UNI. Jenning hat es mit ausgehandelt.

Trauerfeier für Opfer des Hauseinsturzes in Bangladesch | Bildquelle: AFP
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Die Einsatzkräfte haben ihre Bergungsarbeiten an der Unglücksstelle offiziell beendet. Mehrere tausend Menschen versammelten sich deshalb zum Gebet. Viele vermissen noch immer Angehörige.

Dass er das Abkommen als wegweisend preist, mag kein Wunder sein. Aber diesmal könnte sich wirklich zumindest in einigen Fabriken Bangladeschs etwas ändern, meint auch Teresa Hass vom "Workers Rights Consortium", einer Organisation, die weltweit die Rechte von Arbeiterinnen und Arbeitern überwacht: "Dieses Abkommen ist rechtlich bindend und kann in einem Gericht in den Heimatländern der Konzerne eingeklagt werden. Das macht es so einmalig. Es ist damit anders als die auf freiwilligen Zusagen basierenden Programme sozialer Verantwortung, auf die GAP und Wal-Mart nach wie vor setzen und die damit gescheitert sind, Arbeiter in diesen Fabriken zu schützen."

Gewerkschaften jetzt erlaubt

Auch die Regierung in Bangladesch hat angesichts der schlimmsten Industrie-Katastrophe in der Geschichte des Landes beschlossen, zu handeln. Erstmals werden in der Textil-Industrie nun unabhängige Gewerkschaften zugelassen. Bislang war für einen Zusammenschluss der Arbeiterinnen und Arbeiter die Zustimmung des Fabrikbesitzers notwendig.

Der Wirtschaftsexperte Syed Uddin Ahmed vom Bangladesh Institute of Labor Studies betonte: "Irgendeine Arbeit ist besser als gar keine Arbeit - von diesem Standpunkt müssen wir herunterkommen. Ein angemessener Arbeitsplatz ist das Recht der Menschen. Die Regierung muss dafür sorgen, dass es diese angemessenen Arbeitsplätze gibt."

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Hauseinsturz in Bangladesch (24.04.2013)

Eingestürztes Gebäude in Dhaka

Knapp drei Wochen nach dem Einsturz eines Gebäudes bei Dhaka haben die Rettungskräfte die Suche nach weiteren Opfern eingestellt. | Bildquelle: dpa

Höhere Kosten durch mehr Sicherheit

In dem Billiglohn-Land wird der Vorstoß der westlichen Groß-Auftraggeber allgemein begrüßt. Genau so sieht das auch ein Industrieller in Dhaka, der vom ARD-Hörfunkstudio Südasien danach gefragt wurde. Gleichzeitig mischt sich in dessen Lob auch Skepsis. Mehr Sicherheit bedeute höhere Kosten, sagt er. "Bislang hat unser Land immer sehr billig produzieren können."

Was da mitschwingt, ist die Angst, die Kunden könnten in andere Länder abwandern, wenn es für sie zu teuer wird. Gleichzeitig weiß er auch: Wenn die ins T-Shirt eingenähte Bezeichnung "Made in Bangladesch" bei den Konsumenten in Europa Horror-Bilder wachruft, schadet das seiner Industrie sehr.

Dieser Beitrag lief am 15. Mai 2013 um 09:08 Uhr auf NDR Info.

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