Weltraumteleskop Tess | Bildquelle: picture alliance / NASA/GSFC

Weltraum-Teleskop TESS Auf der Suche nach anderen Planeten

Stand: 17.04.2018 00:35 Uhr

Groß wie ein Kühlschrank, aber sehr leistungsfähig: TESS heißt das neue Teleskop der NASA. Am Mittwoch soll es ins All starten. Seine Aufgabe: neue Planeten finden.

Von Gábor Paál, SWR

Am Dienstag um kurz nach Mitternacht - Mitteleuropäischer Zeit - wollte die NASA in Cape Canaveral ihr neues Weltraum-Teleskop TESS in die Erdumlaufbahn schicken. Der Start musste aber verschoben werden. Am Mittwoch soll es nun soweit sein.

Mit TESS hoffen die Astronomen, erdähnliche Planeten zu finden, die uns besonders nahe sind. TESS soll die Arbeit seines Vorgängers Kepler fortführen. Das Teleskop Kepler ist seit neun Jahren im Weltraum und hat mehr als 2500 Exoplaneten gefunden. Doch in wenigen Monaten wird der Treibstoff aufgebraucht sein. TESS ist so groß wie ein Kühlschrank, soll zwei Monate nach dem Start mit dem Datensammeln beginnen - und dabei noch leistungsfähiger sein als Kepler.

Den gesamten Himmel erfassen

Kepler beobachtet lediglich einen kleinen Ausschnitt des Sternenhimmels - etwa ein Vierhundertstel. TESS dagegen soll Signale aus dem gesamten Himmel erfassen. Dazu ist das Teleskop mit vier Hochleistungskameras ausgestattet. Planeten selbst strahlen allerdings kein Licht aus. Wie schon Kepler misst TESS deshalb die Helligkeit von Sternen. Wenn diese regelmäßig etwas nachlässt, ist das ein Hinweis, dass ein Exoplanet gerade vor seiner jeweiligen "Sonne" vorbeizieht. Daher auch die Abkürzung TESS: Transiting Exoplanet Survey Satellite. TESS soll 500.000 Sterne beobachten - mehr als viermal so viele wie Kepler. Von den 100.000 hellsten im Bildbereich werden die Kameras jede Minute eine Aufnahme abspeichern.

Weltraumteleskop Tess | Bildquelle: picture alliance / MIT/NASA
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Weltraum-Teleskop TESS

3000 neue Planeten entdecken

Nahe Sterne strahlen hell. Für die Kepler-Kameras oft so hell, dass sie die vorbeiziehenden Planeten nicht ausmachen konnten. Die Bilder waren gewissermaßen überbelichtet. Die Kameras von TESS dagegen werden auch Sterne erfassen, die bis zu hundert Mal heller sind als die, die Kepler beobachtet hat. Damit soll TESS auch solche Exoplaneten entdecken, die der Erde näher sind. In den nächsten zwei Jahren werden so 3000 neue Planeten entdeckt sein, schätzt die NASA - darunter etwa 500, die ungefähr die Größe der Erde haben. "Es gibt etwa Hundert Sterne, die von uns nicht mehr als 20 Lichtjahre entfernt sind", sagt George Ricker, Chef-Forscher der TESS-Mission. Und je näher diese Planeten der Erde sind, desto besser sind sie für Nachfolgeuntersuchungen geeignet.

Lebensfreundlichen Planeten auf der Spur

Wie auch schon Kepler wird aber auch TESS nur mögliche Kandidaten für lebensfreundliche Planeten entdecken können. Ob es auf ihnen wirklich Leben gibt, wird das Teleskop nicht erkennen können. Diese Aufgabe können dann Observatorien auf der Erde übernehmen, die dank TESS wissen, wo sie hinschauen müssen. In zwei Jahren soll die Satelliten-Flotte im All aber auch Verstärkung bekommen durch das sehr viel größere und teurere James-Webb-Weltraumteleskop. Dieses soll dann auch in der Lage sein, die Atmosphären erdähnlicher Planeten zu untersuchen - und die Atmosphäre verrät viel über mögliches Leben.

Wenn sich die Hoffnung der NASA erfüllt, wird TESS Jahrzehnte lang Daten liefern. Am weitesten Punkt seiner Umlaufbahn ist es von der Erde fast so weit entfernt wie der Mond. Das ist Absicht: Denn die Umlaufbahn ist auf die Mondphasen abgestimmt. Die Anziehungskraft des Mondes wird das Teleskop antreiben und jeweils genau so in die ein oder andere Richtung lenken, dass seine Umlaufbahn über lange Zeit stabil ist.

Von SpaceX ins All geschickt

Die Kosten der TESS-Mission werden auf 200 Millionen Dollar geschätzt. Damit wäre sie nicht einmal halb so teuer wie Kepler. Das neue Teleskop wird von einer Falcon 9-Rakete der privaten Raumfahrtfirma SpaceX ins All gebracht. Es ist das erste Mal, dass die NASA SpaceX für eine wissenschaftliche Mission in Anspruch nimmt. Bislang hatte SpaceX für die NASA in erster Linie Nachschub zur Internationalen Raumstation ISS geschickt

Auch die Europäische Raumfahrtagentur Esa will sich verstärkt an der Suche nach Exoplaneten beteiligen. Noch in diesem Jahr will sie ihren eigenen Satelliten "Cheops" starten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. April 2018 um 06:50 Uhr.

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