Polizeiaufgebot in Brüssel | Bildquelle: REUTERS

Hinweise auf Anschlagspläne Anti-Terror-Einsatz im Zentrum von Brüssel

Stand: 22.11.2015 22:52 Uhr

Im Zentrum der belgischen Hauptstadt ist die Polizei mit großem Aufgebot bei einer Anti-Terroraktion im Einsatz. Zuvor war die höchste Terrorwarnstufe für die Region um Brüssel verlängert worden. Schulen, Universitäten und die U-Bahn bleiben am Montag geschlossen.

Im Zentrum von Brüssel führt die Polizei seit dem Abend einen groß angelegten Anti-Terroreinsatz durch. Einsatzkräfte richteten einen Sicherheitsring um die Rue du Midi in der Innenstadt ein. Mehrere Straßen in der Nähe des zentralen Marktplatzes Grand Place wurden abgesperrt. An einer Straße sei ein Linienbus quergestellt worden, um den Verkehr zu stoppen. Hubschrauber würden über den Häusern kreisen. Zahlreiche schwer bewaffnete Soldaten und Polizisten seien im Einsatz, beschrieb ARD-Korrespondentin Bettina Scharkus die Lage.

Nach Informationen des öffentlichen Radiosenders RTBF betrifft der Einsatz mehrere Brüsseler Gemeinden. Es habe Razzien und Festnahmen gegeben.

Die belgische Bundespolizei bestätigte, dass derzeit "verschiedene Operationen im Gange" seien. Die Staatsanwaltschaft "wird eine Pressekonferenz geben, wenn alles beendet ist", sagte ein Sprecher der Bundespolizei, die die Medien aufforderte, keine Einzelheiten über die Einsätze wie etwa die Einsatzorte zu vermelden. Die Polizei bat zudem darum, auch in den sozialen Netzwerken keine Details zu verbreiten.

Christian Feld @ChrFeld
#Brüssel @rtbf zeigt ein paar Bilder Polizeiabsperrung Innenstadt / keine Einsatzdetails / Augenzeuge: ging gegen 19.30 los
Kai Kuestner @KuestnerK
Krisen-Stab in #Belgien bittet jetzt Menschen per Twitter, "Ruhe zu bewahren und streng die Anweisungen der Polizei zu befolgen" #Brüssel

Höchste Terrorwarnstufe verlängert

Zuvor hatte Premierminister Charles Michel nach einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrates mitgeteilt, dass die höchste Terrorwarnstufe für die belgische Hauptstadt bis Montag verlängert wird. Er begründete dies mit einer "ernsthaften und unmittelbaren Bedrohung". Für den Rest des Landes gilt demnach weiter die zweithöchste Warnstufe drei, die bereits vor knapp einer Woche in Folge der Terroranschläge von Paris ausgerufen wurde.

Höchste Terrorwarnstufe für Region Brüssel verlängert
tagesthemen 22:45 Uhr, 22.11.2015, Bettina Scharkus, ARD Brüssel

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"Wir fürchten einen Angriff wie in Paris"

Die Schulen und Universitäten in der belgischen Hauptstadt und die U-Bahn bleiben nach Angaben des Regierungschefs am Montag geschlossen. Michel sprach von konkreten Hinweise auf ein geplantes Attentat von Terroristen in Brüssel. "Wir fürchten einen Angriff wie in Paris", sagte er. Mögliche Ziele seien Geschäftsviertel, Einkaufszentren und der öffentliche Nahverkehr. Die Präsenz von Polizei und Armee werde verstärkt.

Das für morgen geplante Treffen der Finanzminister der Eurogruppe soll stattfinden. Allerdings seien weniger wichtigere Treffen von EU-Vertretern abgesagt worden, so Scharkus.

Belgiens Premier Charles Michel | Bildquelle: REUTERS
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Belgiens Premier Michel kündigte an, am Montag eine erneute Lagebewertung vorzunehmen.

"Wir werden die Lage morgen Nachmittag neu bewerten", sagte Michel. Das Ziel sei, so schnell wie möglich zu einem normalen Leben zurückzufinden. In der Nacht zum Samstag hatte das nationale Krisenzentrum die Terrorwarnstufe für die Hauptstadtregion auf die höchste Stufe angehoben. Viele Veranstaltungen wurden abgesagt und der Betrieb der U-Bahn eingestellt. Museen, Einkaufszentren, Kinos sowie viele Geschäfte und Cafés in der Innenstadt blieben geschlossen - ebenso zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Das öffentliche Leben der Stadt steht teilweise still. Das Krisenzentrum empfiehlt den Bürgern weiter, belebte Orte wie Bahnhöfe und Flughäfen zu meiden sowie Konzerte und Großereignisse abzusagen.

Fahndung nach Verdächtigen

Die Brüsseler Behörden fahnden nach Verdächtigen, die an der Anschlagsserie von Paris mit 130 Toten beteiligt gewesen sein sollen. "Es gibt mehrere Verdächtige, weshalb wir so viele Ressourcen einsetzen müssen", sagte Innenminister Jan Jambon dem flämischen Sender VRT. Einer der Gesuchten ist Salah Abdeslam, der zuletzt am Morgen nach den Anschlägen gesehen wurde und im Verdacht steht, eine Sprengstoffweste bei sich zu haben. Er ist der Bruder eines der Selbstmordattentäter vom 13. November und wohnte im Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Abdeslams Bruder Mohamed forderte den Gesuchten öffentlich auf, sich zu stellen.

Terrorwarnstufen in Belgien

In Belgien übernimmt ein Krisenzentrum im Auftrag des Innenministers die Beobachtung der Bedrohungslage durch Ereignisse im In- und Ausland. Auf Basis eines Gesetzes von 2006 erhält das Krisenzentrum Bewertungen der terroristischen Bedrohungen vom sogenannten Koordinierungsorgan für die Bedrohungsanalyse (OCAM). Dabei gibt es vier mögliche Bedrohungsstufen:

Stufe 1 ("gering") bedeutet, dass Personen, Gruppen oder Ereignisse, auf die sich die Analyse bezieht, "nicht bedroht" sind.
Stufe 2 ("mäßig") bedeutet, dass die Bedrohung der Person(en), Gruppe(n) oder Ereignisse, auf die sich die Analyse bezieht, "wenig wahrscheinlich" ist.
Stufe 3 ("ernst") bedeutet, dass die Bedrohung der Person(en), Gruppe(n) oder Ereignisse, auf die sich die Analyse bezieht, "möglich und wahrscheinlich" ist.
Stufe 4 ("sehr ernst") bedeutet, dass die Bedrohung der Person(en), Gruppe(n) oder Ereignisse, auf die sich die Analyse bezieht, "ernst zu nehmen ist und nahe bevorsteht".

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