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Inder baut größten Tempel der Welt

Gigantomanie im Armenhaus Indiens

Kishore Kunal hat in seinem Leben schon Dutzende Hindu-Tempel erbaut. Nun will er ganz hoch hinaus: Er will Teile der legendären kambodschanischen Anlage Angkor Wat nachbauen – nur größer. Auf rund 650.000 Quadratmetern Fläche - ausgerechnet in Bihar, dem ärmsten Staat Indiens.

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Südasien

Allabendlich ist es im Mahawir Mandir Tempel mindestens so laut und mindestens so voll wie auf den Straßen draußen. Und ganz sicher noch ein bisschen farbenfroher und bunter. Die Gläubigen kündigen den Gottheiten mit einer Glocke ihr Kommen an. Dieser Hindu-Tempel hier in Patna, der Hauptstadt des Bundesstaats Bihar, ist dem Affengott Hanuman geweiht. Und während oben die Gläubigen ihre Opfergaben überbringen - Blumen, Süßigkeiten, Geldscheine – sitzt unten, fernab vom Besucher-Gedrängel, Kishore Kunal in seinem Büro. Der Leiter des Tempels beugt sich neuerdings immer öfter über meterlange Papier-Rollen. Darauf mit schon mit sehr viel Liebe für’s Detail gezeichnet - sein nächstes Projekt: "Wir haben vor, den größten Hindu-Tempel der Welt zu bauen", verrät Kunal.

Indien baut größten Tempel der Welt
K. Küstner, ARD Neu-Delhi
19.08.2012 18:07 Uhr

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In Bihar erlangte Siddartha seine Erleuchtung

Und der soll nun ausgerechnet in Bihar entstehen, bislang nicht gerade als der Touristen-Magnet Indiens bekannt. Landsleute aus anderen Bundesstaaten rümpfen schon gerne mal die Nase, wenn man sie auf Bihar anspricht. Galt dieser doch bis vor kurzem als ganz besonders hoffnungsloser Fall, als ärmster Staat im ohnehin ja noch immer bettelarmen Indien. "Früher einmal war Bihar die Krone Indiens. Wir versuchen es wieder auferstehen zu lassen."

Kishore Kunal
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"Ich will nicht sagen, dass es göttliche Eingebung war, denn die Idee kam mir nicht ganz plötzlich." - Kishore Kunal

Da hat Kunal Recht. In Bihar erlangte einst nicht nur Siddhartha, der Begründer des Buddhismus Erleuchtung. Davor schon entstand hier das erste mächtige Königreich im indischen Raum überhaupt, die Maurya- Dynastie. 1000 Jahre lang galt Bihar als Leuchtturm in Sachen Bildung und Wissen. Bevor es dann, während zeitgleich andere Teile Indiens zu leuchten begannen, in mittelalterlich anmutender Finsternis versank.

"Ich will nicht sagen, dass es göttliche Eingebung war, denn die Idee kam mir nicht ganz plötzlich", sagt Kunal. "Die Leute in der religiösen Treuhand-Gesellschaft, der ich vorstehe, baten mich, diesen Tempel hier, Mahawir Mandir, zu renovieren. Da hab ich ihnen geantwortet: Wir bauen einfach einen neuen, größeren." Die Geistesblitz-Geschichte zeigt: Eingebungen kommen üblicherweise nicht aus heiterem Himmel, sondern dann, wenn die Zeit reif für sie ist. Und so ist es sicher kein Zufall, dass Kunals Idee genau jetzt, parallel zum Wiederaufstieg des Bundesstaats Bihar, heranreift. Der größte Tempel der Welt könnte Symbol dafür werden: Seit 2005 habe Bihar eine Landesregierung, die endlich auch tatsächlich mal regiere, so heißt es. Und die zudem - unter anderem dank intensiven Straßenausbaus - ein unvorstellbar scheinendes Wirtschaftswachstum erzielt hat.

"Geld für Alkohol - warum nicht für den Tempel?"

Trotzdem fragen sich natürlich viele, ob sich umgerechnet rund 45 Millionen Euro nicht besser investieren ließen als in den größten Tempel der Welt. "Hunderttausende werden kommen, um den Tempel zu besuchen", sagt der stellvertretende Landeschef in Bihar, Sushil Kumar Modi. "Die Menschen werden stolz sein auf den Tempel." Außerdem sei Indien ein sehr religiöses Land, da fänden sich immer genug Menschen, die spenden.

Genau darauf baut auch der zukünftige Erbauer: "Sie können jeden fragen in Bihar, wir haben bereits drei Milliarden Rupien für wohltätige Zwecke, für die Armen ausgegeben", sagt Kunal. "Und damit machen wir auch genau so weiter. Auch wenn wir ein armer Staat sind, wir kriegen aus anderen Bundes-Staaten viel Unterstützung: In Mumbai, in Gujarat, in Jaipur, da gibt es sehr reiche Menschen. Die geben das für Alkohol und wer weiß was aus, warum nicht auch für den Tempel."

Keine Begeisterung in Angkor Wat

Tempelstadt Angkor Wat (Reuters)
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Nach dem Vorbild der kambodschanischen Tempelstadt Angkor Wat will Kunal den Tempel bauen - nur noch größer.

Ganz ausgerollt wären die architektonischen Papierentwürfe auch für Kunals Büro viel zu lang. Der Mann, der schon mehr als 100 Tempeln in Bihar zur Entstehung verholfen hat, sorgte für einige Aufregung, als er zunächst verkündete, er wolle die gigantische Tempel-Anlage im kambodschanischen Angkor Wat nachbauen, nur eben etwas größer. "Mir wurde zugetragen, dass die damit gar nicht glücklich seien. Dass sie sogar an die Regierung geschrieben haben", gibt Kunal zu. Deshalb hat er den Tempel vorsichtshalber umbenannt – der Name Angkor Wat taucht jetzt im Arbeitstitel nicht mehr auf. Aber natürlich sollen große Teile des Vorbilds in Kambodscha weiterhin übernommen werden.

"Ich war einst Student der Geschichte, der Tempel hat mir einfach sehr imponiert", sagt Kunal. Seinen Sommer-Urlaub, bei dem er die riesige Anlage in Kambodscha besichtigen wollte, hat er aber dann doch wieder abgesagt, nachdem klar war, dass seine Idee die Verantwortlichen dort weniger begeisterte als ihn selbst.

Ob der geplante Tempel denn nicht ein zu babylonisch wirkendes Bauwerk zu werden drohe. Oder ein zu bombastisches Sinnbild hinduistischer Religion darstellen könnte, fragen Zweifler. In einem Land, das ohnehin schon alle Hände voll damit zu tun hat, das Zusammenleben seiner Mehrheitsreligion etwa mit den Muslimen zu gestalten. Kunal: "Der Tempel wird für alle offen sein. Unsere muslimischen Brüder können kommen, unsere christlichen Brüder können auch kommen." Bis es so weit ist, könnte es allerdings noch eine Weile dauern. Bis zu 10 Jahre gibt sich Kunal für den Bau seines Meisterstücks.

Stand: 19.08.2012 18:00 Uhr

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