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Der Streit um die Mughrabi-Brücke am Tempelberg eskaliert. Radikale nationalreligiöse Israelis haben ein militärisches Sperrgebiet zwischen Israel und Jordanien gestürmt. Sie protestieren gegen die jordanische Haltung im Brückenstreit. Es geht um den Hoheitsanspruch in der Stadt.
Von Sebastian Engelbrecht, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv
Radikale Gruppierungen auf der israelischen und auf der palästinensischen Seite versuchen, den Streit um die Mughrabi-Brücke für ihre Interessen zu nutzen. Sie provozieren eine Eskalation des Streits.
In der vergangenen Nacht sind etwa 20 nationalreligiöse israelische Extremisten in das militärische Sperrgebiet an der Grenze zu Jordanien eingedrungen, durchschnitten einen Grenzzaun und besetzten eine verlassene Kirche. Damit protestierten sie gegen die Haltung der jordanischen Regierung im Brückenstreit. Der jordanische Religionsminister hatte die Sperrung der hölzernen Brücke zum Tempelberg durch die Jerusalemer Stadtverwaltung verurteilt.
Einer der Demonstranten, Chanan'el Dorfman, sagte dem israelischen Rundfunk: "Wir wollen der jordanischen Regierung die Nachricht übermitteln, dass wir uns nichts gefallen lassen. Wenn sie sich in Israels innere Angelegenheiten einmischt, dann mischen wir uns auch in ihre ein."
Die Stadtverwaltung von Jerusalem hatte die provisorische hölzerne Brücke zum Tempelberg gestern gesperrt, weil sie baufällig ist und Feuer fangen kann. Über die Brücke gelangen Touristen, jüdische Pilger und israelische Polizisten auf den Tempelberg. Dort befinden sich zwei islamische Heiligtümer, die Al-Aksa-Moschee und der Felsendom. Die Muslime nutzen nicht die Mughrabi-Brücke, sondern einen der anderen zehn offenen Eingänge, wenn sie auf dem Berg beten wollen.
Die Stadtverwaltung will die Brücke, den Zugang für Israelis und Touristen, nun neu bauen - in Form einer soliden Steinkonstruktion. Aus muslimischer Sicht sind israelische Behörden aber nicht berechtigt, Bauarbeiten am Tempelberg anzuordnen. Die heiligen Stätten auf dem Berg stehen unter jordanisch-palästinensischer Verwaltung.
Für Salah al Ruk, den Minister für Heilige Stätten der Hamas-Regierung in Gaza, ist der Versuch Israels, am heiligen Berg zu bauen, eine Kriegserklärung: "Wir fordern die Jerusalemer auf, stärker zu sein und sich dem zionistischen Feind entgegenzustellen, um die islamische Welt aufzuwecken. Sie sollten einen Volksaufstand beginnen, der das tote Gewissen der islamischen Welt wecken wird - das Gewissen der Völker und der Führer."
Worum es eigentlich geht im Kampf um die hölzerne Brücke zum Tempelberg, erklärt der israelische Jurist und Spezialist für heilige Stätten, Schmuel Berkowitsch: "Bei den Arabern geht es darum, dass wir, wenn wir die Brücke auswechseln, sozusagen die Heiligkeit des Ortes verletzen - oder wir gefährden die Stabilität der Moscheen. Das ist natürlich Quatsch." Die Auseinandersetzung drehe sich um den Hoheitsanspruch in Jerusalem. Derjenige, der die Brücke auswechsele, habe an diesem Ort die Macht. Weil die Palästinenser die israelische Annexion Ost-Jerusalems nicht anerkennen, forderten sie, die Brücke selbst zu bauen - und wollten nicht zulassen, dass Israel das tue, meint Berkowitsch.
Nicht zufällig bricht der Streit um die Brücke zum Tempelberg und zu den heiligen islamischen Stätten gerade in diesen Tagen auf. Heute ist Palästina feierlich in Paris in die Weltkulturorganisation UNESCO aufgenommen worden. Damit wird auch diese Organisation zum Ort der Auseinandersetzung zwischen Israel und den Palästinensern, wer Anspruch auf welche heiligen Stätten hat.
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