Palästinenser mit Zwillen | Bildquelle: AP

Jerusalem und Westjordanland Keine Versöhnung im Tempelberg-Streit

Stand: 22.07.2017 19:04 Uhr

Der brutale Mord eines 20-jährigen Palästinensers an drei jüdischen Siedlern im Westjordanland markiert einen erneuten Tiefpunkt im Konflikt um den Zugang zum Tempelberg. Beide Seiten stehen sich unversöhnlich gegenüber.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Ein älterer palästinensischer Mann steht vor seinem Haus und wischt sich Tränen aus dem Gesicht. Sein Sohn hat am Vorabend drei Israelis getötet. Manche israelische Medien schreiben, er habe die Familienmitglieder förmlich abgeschlachtet. "Der Junge hat gesehen, was die Israelis gerade an der Al-Aksa-Moschee machen", sagt er. "Sie töten, schlagen, verwunden die Menschen. Es gibt keine Gebete in unserer Heiligen Stätte mehr." Wenn es diesen Ort nicht mehr gebe, sagt der Vater, dann verschwinde auch die Ehre der Muslime.

Konflikt um Zugang zum Tempelberg spitzt sich zu
tagesschau 20:00 Uhr, 22.07.2017, Susanne Glass, ARD Tel Aviv

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Auf Facebook angekündigt

Der 20-jährige Palästinenser aus dem Westjordanland war am Freitagabend über den Zaun einer benachbarten israelischen Siedlung geklettert. Er schlich sich in das Haus einer Familie, die sich gerade zum Abendessen zusammengefunden hatte. Dann tötete er einen Familienvater und seine zwei erwachsenen Kinder. Kurz vor dem Angriff hatte der junge Palästinenser auf Facebook geschrieben: Er wolle für die Al-Aksa-Moschee sterben. 

Streit um Metalldetektoren

Der Vorfall verdeutlicht, wie sehr der Streit um die Sicherheitsmaßnahmen der Israelis in Ostjerusalem eskaliert ist. Israel besteht darauf, dass Muslime, die auf den Tempelberg wollen, durch Metalldetektoren gehen müssen. Das Land reagiert damit auf einen tödlichen Anschlag auf israelische Polizisten vor einem Zugang zum Tempelberg.

Die Palästinenser weigern sich seitdem, das Areal, das sie Al-Haram-Asch-Scharif nennen, zu betreten. Sie befürchten, dass Israel nach und nach mehr Kontrolle auf dem Tempelberg übernehmen will. Der palästinensische Präsident Machmud Abbas will die Beziehungen zu Israel auf Eis legen. "Alle Kontakte mit dem Besatzungsstaat Israel werden abgebrochen", sagte er. "Wir machen das so lange, bis Israel seine Maßnahmen gegen die palästinensische Nation, Jerusalem und die Al-Aksa Moschee beendet." Die Metalldetektoren lehnt er ab, denn es gehe dabei nicht um Sicherheit, findet er: "Das ist eine politische Maßnahme."

Beziehungen abgebrochen

Es ist nicht das erste Mal, dass Abbas die Beziehungen zu Israel abbricht. In der Vergangenheit verständigten sich beide Seiten jedoch weiterhin auf inoffiziellen Kanälen. Die israelische Regierung sieht nun die Palästinenser in der Pflicht. Die Verantwortlichen müssten zur Ruhe aufrufen, sagte ein ranghoher Mitarbeiter von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Die Behauptung, dass Israel mit den Metalldetektoren die Kontrolle auf dem Tempelberg an sich ziehen wolle, sei ausdrücklich unwahr.

Felsendom auf dem Tempelberg | Bildquelle: B. Hammer / ARD
galerie

Streit um den Zugang zum Tempelberg.

Der Tempelberg in Jerusalem

Der Tempelberg liegt am Rand der Altstadt von Jerusalem und gilt Juden und Muslimen, aber auch Christen als bedeutendes Heiligtum. An der Stelle, an der heute der Felsendom steht, soll Abraham, beziehungsweise Ibrahim - Stammvater der jüdischen, christlichen und muslimischen Religionen - von Gott den Auftrag bekommen haben, seinen Sohn Isaak zu opfern. Dadurch wollte Abraham seine Gottesfurcht beweisen. Gott verhinderte dies der Überlieferung zufolge jedoch in letzter Minute und gab sich mit einem Lammopfer zufrieden.

Darüber hinaus ritt nach islamischer Überlieferung der Prophet Mohammed von dieser Stelle aus mit seinem Pferd in den Himmel. Im Jahr 687 (christlicher Zeitrechnung) wurde dort mit dem Bau des Felsendoms begonnen. Zusammen mit der benachbarten Al-Aksa-Moschee und der Kaaba in Mekka zählt er zu den drei wichtigsten Heiligtümern des Islam.

Auch für Juden ist der Ort das wichtigste Heiligtum, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Der erste Tempel von König Salomon soll im 6. Jahrhundert v. Chr. von den Babyloniern zerstört worden sein. Der zweite wurde in der Zeit von König Herodes erbaut und von den Römern im Jahr 70 zerstört. Die Klagemauer am Fuß des Tempelbergs ist der Überrest der ehemaligen westlichen Stützmauer des zweiten Tempels.

Israel hat in den vergangenen Tagen auch internationale Bitten abgelehnt, die Sicherheitsschranken zu entfernen. Diese harte Linie stößt in Israel auf Kritik, etwa bei Omer Bar Lev von der Arbeitspartei. Er kritisierte im israelischen Radio: "Anstatt nach Ungarn und Frankreich zu reisen, hätte der Premierminister diese Woche drei Telefonate erledigen müssen. Mit dem jordanischen König, dem saudischen König und eines mit dem ägyptischen Präsidenten." Bar Lev ist der Meinung, dass es einen Weg geben müsse, damit beide Seite von dem zu hohen Baum, auf den sie gestiegen seien, wieder runter könnten.

Konfrontationen in mehreren Städten

Nach dem Freitagsgebet war es in Ostjerusalem und weiteren Städten des Westjordanlandes zu Konfrontationen zwischen Palästinensern und israelischen Polizisten und Soldaten gekommen. Dabei starben drei Palästinenser. 

Israel fordert Deeskalation von Palästinensern
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
22.07.2017 21:42 Uhr

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Anm. d. Red.: In einer früheren Versionen dieses Beitrags hieß es, der Vater des palästinensischen Attentäters verurteile die Tat seines Sohnes nicht. Diese Aussage ging aus der Übersetzung eines Videos hervor, die unserem Autor vorlag. Andere israelische Medien schreiben jedoch, der Vater lehne Gewalt ab. Wir haben die Aussage deshalb entfernt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Juli 2017 um 20:00 Uhr.

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