Zehntausende gedenken des vor 20 Jahren ermordeten israelischen Premiers Rabin. | Bildquelle: REUTERS

Gedenkmarsch in Tel Aviv Rabins Vermächtnis erfüllen - nur wie?

Stand: 01.11.2015 03:46 Uhr

Die Aussöhnung mit den Palästinensern war ihm eine Herzensangelegenheit und Kennzeichen seiner Politik: Dafür wurde der damalige israelische Premier Rabin vor 20 Jahren ermordet. Zehntausende gedachten am Abend seiner - auch Ex-US-Präsident Clinton.

Von Christian Wagner, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

"Shalom Chaver", "Auf Wiedersehen mein Freund", hatte Bill Clinton auf der Beerdigung von Yitzchak Rabin vor 20 Jahren gesagt. An diesem Abend sind die Menschen auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv dankbar, dass Clinton noch einmal gekommen ist. Er sagt den mehreren Zehntausend Israelis, sie müssten Rabins Vermächtnis zu Ende bringen:

"Ihr entscheidet, wie es weitergeht. Ihr entscheidet, ob ihr Yitzchak Rabin recht gebt, dass ihr mit Euren Nachbarn zusammenleben müsst, dass deren Kinder auch eine Chance brauchen, dass Frieden das kleinere Risiko ist als ein Leben ohne Frieden. Wir haben Jitzchak Rabin geliebt, wir lieben Euer Land. Und wir beten, dass ihr die richtigen Entscheidungen trefft."

Bill Clinton bei der Rede in Tel Aviv | Bildquelle: dpa
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Ex-US-Präsident Clinton hat dazu aufgerufen, Rabins Aussöhnungspolitik fortzuführen.

20 Jahre nach dem Attentat auf Rabin gibt es nicht einmal Gespräche zwischen Israel und den Palästinensern, stattdessen fast täglich Attentate von Palästinensern auf Israelis. Fast täglich sterben junge Palästinenser im Westjordanland durch Schüsse israelischer Soldaten. Wie also soll das gehen, Rabins Erbe fortführen?

Zehntausende gedenken des ermordeten israelischen Premierministers Rabin
tagesschau 13:15 Uhr, 01.11.2015

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"Ein bisschen Hoffnung gibt’s wohl noch"

"Gute Frage", sagt eine Israelin, "wenn ich eine Antwort hätte, wäre ich nicht hier. Aber schau, wie viele gekommen sind. Ein bisschen Hoffnung gibt’s wohl noch."

Ein junger Vater hat seine müde Tochter auf die Schultern gehoben, er bewegt seine Lippen stumm zum Text der Friedenslieder, die auf dem Platz erklingen. Als auf den großen Bildschirmen Szenen aus Rabins Leben gezeigt werden sollen, wird der ganze Platz zum Schweigen aufgefordert - und alle Gespräche verstummen.

"Rabins Tod war ein großer Verlust. Mit ihm wäre Israel heute ein anderes Land. Dieser Attentäter hat uns die Hoffnung auf Frieden genommen, Frieden für zwei Völker, die nebeneinander leben", sagt ein Mann.

Zehntausende erinnern in Tel Aviv an den ermordeten Premier Rabin | Bildquelle: dpa
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Zehntausende erinnern in Tel Aviv an den ermordeten Premier Rabin

Rabin-Anhänger sehen Netanyahu als Mitschuldigen

Es hätte nichts geändert, hat dagegen der amtierende Ministerpräsident Benjamin Netanyahu diese Woche erklärt, wenn "dieser oder jener noch leben würde". So hatte sich der Regierungschef vor einem Parlamentsausschuss diese Woche geäußert, ohne Rabins Namen zu nennen. Zur Kundgebung in Tel Aviv war Netanyahu nicht eingeladen. Er ist in den Augen der Rabin-Anhänger in Israel mitverantwortlich für das Attentat, weil der die Stimmung damals weiter geschürt hatte.

Auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv hat dafür Staatspräsident Rivlin gesprochen. Aber in seiner Rede wurde deutlich, wie sehr Israel mit sich selbst beschäftigt ist. Rivlin ging es um die tiefen Gräben in der eigenen Gesellschaft, die überwunden werden müssten.

Vor 20 Jahren noch an Frieden geglaubt

Ein Junge streichelt über eine Rabin-Büste. | Bildquelle: REUTERS
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Am Fuße der Rabin-Büste legen die Israelis oft Blumen nieder. Für viele Landsleute ist er bis heute ein großer Mann.

Die Rabin-Kundgebung hatte zwar das Motto "An den Mord erinnern, für Demokratie kämpfen"- sie sollte aber ausdrücklich keine politische Veranstaltung sein - so tief sind die Gräben. Ein Israeli sagt: "Ich glaube, wir brauchen ein Abkommen. Vor 20 Jahren haben wir noch an Frieden geglaubt. Jetzt glauben wir, dass wir nicht zusammenleben können. Deswegen brauchen wir eine Trennung von den Palästinensern. Dem könnten die meisten Israelis zustimmen."

Nur sie übersehen dabei offenbar Mohammed und seine Freunde. Mitten in der hebräisch sprechenden Menschenmenge sprechen sie arabisch, die Mädchen tragen Kopftuch. Und Mohammed, 21 Jahre alt und arabischer Beduine aus dem armen Süden Israels, sagt freudestrahlend, er sei nach Tel Aviv gekommen, um etwas über Jitzchak Rabin zu lernen.

Clinton fordert Israelis in Tel Aviv auf, für Frieden zu arbeiten
Christian Wagner, ARD Tel Aviv
01.11.2015 02:48 Uhr

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