DNA-Modell | Bildquelle: picture alliance

Forschung im Silicon Valley Der ewige Traum vom ewigen Leben

Stand: 28.10.2017 13:55 Uhr

Menschen lassen sich einfrieren, um im nächsten Jahrhundert aufzuwachen. Jede Information des Gehirns wird online gespeichert. Altern und Tod werden zu Ängsten der Vergangenheit. Was wie Sciene-Fiction klingt, ist für Forscher im Silicon Valley ein Blick in unsere Zukunft.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Elaine Walker hat ihre Lebensversicherung verpfändet. Zugunsten von Alcor. Nach ihrem Tod soll sie von dem Unternehmen eingefroren werden. Sie hofft, dass die Wissenschaftler sie nach 100 oder 200 Jahren aus ihrem tiefgefrorenen Zustand wieder auftauen und zum Leben erwecken können.

"Ich glaube, das wird ein ziemlich gruseliger Moment werden. Was, wenn ich zum Beispiel auf einem anderen Planeten in einem Arbeitslager wieder zum Leben erweckt werde? Oder es tut extrem weh - aber wow, dann ich bin ich ein Cyborg", spekuliert Walker.

Hauptsache gesund - mit 150 Tabletten pro Tag

Böse Zungen behaupten: Die Technik-Milliardäre des Silicon Valley suchen deshalb so fieberhaft nach lebensverlängernden Methoden, damit sie mehr Zeit haben, ihr Geld auszugeben.

Tabletten in einem Blister | Bildquelle: picture alliance / Bildagentur-o
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Gesundheit in Pillenform - im Silicon Valley nichts Ungewöhnliches.

Das Silicon Valley sieht sich gerne als Ort, wo man sich gesund ernährt - möglichst vegan - und neben der Arbeit ständig Sport treibt. Oder man wirft jeden Tag Gesundheitspillen ein. So wie Ray Kurzweil. 150 Tabletten nimmt er am Tag.

Der 69-Jährige ist Erfinder und Zukunftsforscher in Diensten von Google. "Wir werden eine synthetische Neocortex bauen, daran arbeite ich gerade", sagt Kurzweil. Was bedeutet: Er will einen Teil unserer Großhirnrinde in einer Cloud nachbilden. Seine Vision: das menschliche Gehirn mit dem Nachbau in der Cloud und damit mit dem Internet verbinden.

Ein ständiges Backup vom Gehirn

Als der heutige Mensch vor zwei Millionen Jahren entstanden sei, sei das Wachstum unseres Gehirns durch die Größe des Kopfes begrenzt worden, führt Kurzweil aus. Durch ein künstliches Gehirn mit unendlicher Speicherkapazität will er unsere Erinnerungen und unser Wissen über das biologische Absterben unseres Körpers hinaus erhalten. "Das Wissen wird ständig wachsen und zwar exponentiell. In der Zukunft wird unser synthetisches Gehirn uns überwiegend beherrschen. Es wird so mächtig und stark sein, dass es den biologischen Teil unseres Körpers kontrolliert und so ständig ein Backup unseres Gehirns macht", erklärt der Forscher. Mit den heutigen Gehirnen gehe das noch nicht. Aber die digitale Zukunft mache es möglich, hofft Kurzweil.

Eine Schaltplatine als Plakat | Bildquelle: dpa
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Was unser Gehirn denkt, wird direkt in einer Cloud gespeichert - so die Zukunftsversion.

Google aber auch viele Investoren stecken Milliarden Dollar in Start-Ups und Forschungsprojekte, die ergründen, wie unser Leben verlängert werden kann. Das Suchmaschinen-Unternehmen hat dazu sogar eine eigene Firma gegründet: Bei Calico wird geforscht, wie man Krankheiten wie Alzheimer oder Diabetes besiegen kann. Der Rest ist Geheimsache. Es heißt: Google-Mitgründer Sergey Brin, der sich mit dem Thema Unsterblichkeit schon seit vielen Jahren beschäftigt, wache höchstpersönlich über die Ergebnisse.

Körperlichen Verschleiß aufhalten, bevor er beginnt

Aubrey de Grey trägt einen langer Bart, er sieht aus wie eine Mischung aus Cat Weazle und Rasputin. Der Brite betreibt im Silicon Valley die "Sens Research Foundation". Der 54-jährige Bio-Informatiker war bis vor Kurzem mit drei Frauen liiert. Seine Begründung: Er fühle sich so jung. Seine polyamorösen Tage seien aber vorbei. Auch ihn beschäftigt die Frage des Alterns: "Weshalb wir altern, ist kein Geheimnis. Es ist eigentlich recht einfach. Es ist eine Ansammlung von Verschleißerscheinung, hervorgerufen durch die normale Funktion unseres Körpers."

De Grey ärgert sich, wenn man von den Krankheiten im Alter wie Diabetes, Alzheimer oder Muskelschwäche genauso spricht wie über Erkrankungen wie bei einer Infektion. Einer seiner Ansätze: Unser Erbgut an den entscheidenden Stellen verändern. "Wir geben jedes Jahr Milliarden Dollar aus, als könnten wir diese Krankheiten besiegen, dabei sind es normale Begleiterscheinungen unseres Körpers. Man muss sie stattdessen schon vorher verhindern, in dem man den Schaden repariert. Genau das versuchen wir."

"Warum haben wir unsere Angehörigen beerdigt?"

Seit mit der Crispr, der sogenannten Genschere ein Weg gefunden scheint, aktiv in unser Erbgut einzugreifen und es sogar reparieren zu können, erhält auch die Forschung für das ewige Leben weitere Milliarden Dollar - und nicht nur die.

Das Unternehmen von dem sich Elaine Walker einfrieren lassen will, Alcor, braucht für seine tiefgefrorenen Körper mehr Platz, erzählt Alcor-Chef Max More dem TV-Sender NBC: "Jedes Jahr kommen neue Patienten hinzu. Waren es früher ein oder zwei, dann sind es heute zehn oder elf Patienten jedes Jahr. Jetzt verdoppeln wir unsere Lagerfläche. Und ich glaube: Eines Tages raufen wir uns die Haare und fragen uns, weshalb haben Millionen Menschen ihr Leben weggeworfen oder ihre Angehörigen beerdigt oder verbrannt, wenn man sie doch auch hätte einfrieren können."

Die Unsterblichkeits-Visionen des Silicon Valley
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
27.10.2017 09:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR3 am 27. Oktober 2017 um 12:10 Uhr.

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