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100 Jahre Tarzan
Ein Lendenschurz erobert die Welt
Am Anfang der Erfolgsgeschichte Tarzan steht weder der Filmschrei noch sein populärster Darsteller. Heute vor 100 Jahren begann alles mit der Geburt Tarzans als literarische Figur. Der Siegeszug des Mannes mit dem Lendenschurz machte nicht nur seinen Erschaffer berühmt.
Von Katharina Wilhelm, ARD-Hörfunkstudio Los Angeles
Keine Frage, der Tarzan-Schrei hat sich tief ins kollektive Gedächtnis gebrannt. Doch beim ersten Tarzan, der vor 100 Jahren quasi das Licht der Welt erblickte, musste man sich den Urwaldschrei noch selbst dazu denken. Schließlich war Tarzan erst einmal eine literarische Figur. Schöpfer der Figur war der aus Chicago stammende Schriftsteller Edgar Rice Burroughs.
Die Geschichte ist schnell erzählt: Tarzan, eigentlich Lord Greystoke, verliert noch als Baby seine Eltern an der afrikanischen Küste und wird von Affen großgezogen. Als junger Mann begegnet er schließlich Jane, der Tochter eines Wissenschaftlers. Er verliebt sich in sie, obwohl sie am Anfang leichte Kommunikationsprobleme wegen seiner fehlenden menschlichen Sprache haben.
"Ich Tarzan, du Jane" - Tarzan wird 100
K. Wilhelm, ARD Los Angeles
27.08.2012 03:17 Uhr
Johnny Weissmüller und der einzigartige Schrei
23 Fortsetzungen schrieb Burroughs. Der Erfolg war gigantisch. 1918 wurde Tarzan zum ersten Mal verfilmt - allerdings als Stummfilm. Der erste Tarzan-Darsteller war Elmo Lincoln. Der wohl bekannteste war aber sicher der US-Schwimmstar Johnny Weissmüller. Zwischen 1932 und 1948 spielte er den Tarzan zwölf Mal - und jedes Mal mit eben diesem unverwechselbaren Schrei. Woher genau dieser Schrei stammt, ist nicht hundertprozentig nachweisbar. Angeblich ist er ein Mix aus zehn verschieden Audioelementen, die teils rückwärts eingespielt wurden und so den unvergleichlichen Klang ergeben.
Insgesamt wurde Tarzan mehr als 100 Mal verfilmt. Unter anderem auch mit Darstellern wie Lex Barker, Gordon Scott oder auch Burroughs Schwiegersohn James H. Pierce. Die aktuellsten Versionen produzierte Disney als Zeichentrickfilm 1999 mit zwei Fortsetzungen 2002 und 2005. Dann folgte auch noch das Musical, das 2006 am Broadway uraufgeführt wurde und seit 2008 in Hamburg zu sehen ist. Auch Musiker haben sich in unterschiedlichster Weise mit Tarzan auseinandergesetzt.
Tarzan-Motiv war keine neue Idee
Das Motiv des Findelkindes, das von wilden Tieren aufgezogen wird, ist bei weitem nicht neu. Rudyard Kipling hat die Geschichte schon in seinem Dschungelbuch erzählt. Reist man weiter zurück, findet sich in der Erschaffung Roms und der Aufzucht von Romulus und Remus das gleiche Motiv. Tarzan steht für eine Sehnsucht des Menschen, sich mit der Natur zu verbinden. Gleichzeitig setzt er sich auch darüber hinweg. Und er verkörpert sicher auch den Urtyp des wilden, nicht zähmbaren Mannes.
Burroughs selbst bescherte Tarzan endlich das, worauf er zuvor vergebens gehofft hatte: Reichtum. Von den Erlösen seiner ersten Tarzan-Veröffentlichungen konnte er sich ein Stück Land in Kalifornien, nahe Los Angeles leisten. Seit 1923 heißt dieser Ort Tarzana.
Stand: 27.08.2012 03:18 Uhr
