Tariq Ramadan | Bildquelle: AFP

Vergewaltigungsvorwürfe Ermittlungen gegen Islamforscher Ramadan

Stand: 02.02.2018 21:54 Uhr

Französische Behörden haben ein Ermittlungsverfahren gegen den bekannten Islamwissenschaftler Tariq Ramadan eröffnet. Zwei Frauen werfen dem Oxford-Professor vor, sie vergewaltigt zu haben.

Die französische Justiz hat den umstrittenen Islamwissenschaftler und Publizisten Tariq Ramadan offiziell der Vergewaltigung beschuldigt. Zwei Tage nach Ramadans Festnahme in Paris leitete die Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben ein Strafverfahren gegen den schweizerischen Staatsbürger ein. Zwei Frauen werfen ihm vor, sie in den Jahren 2009 beziehungsweise 2012 vergewaltigt zu haben.

Ramadan sei festgenommen worden, hieß es aus Justizkreisen. Ob er in Untersuchungshaft komme, werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. Bereits zwei Tage zuvor war Ramadan in Polizeigewahrsam genommen worden. Ermittler hatten voriges Jahr eine Untersuchung gegen den aus der Schweiz stammenden Theologen eingeleitet.

Ramadan hatte im Gegenzug Anzeige wegen falscher Anschuldigung gestellt und von einer "Verleumdungskampagne" gesprochen, die von seinen "langjährigen Gegnern" orchestriert werde.

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Ramadan bestreitet die Vergewaltigungsvorwürfe.

Vorwürfe auch aus der Schweiz

Neben den Vergewaltigungsvorwürfen aus Frankreich gaben mehrere schweizerische Frauen in dortigen Medien an, in den 80er- und 90er-Jahren von Ramadan sexuell bedrängt worden zu sein. Manche von ihnen waren damals noch minderjährig.

Der mediengewandte und streitbare Autor und Wissenschaftler zählt zu den bekanntesten Professoren in Oxford, wo er den Lehrstuhl für Zeitgenössische Islamstudien innehat. Im November 2017 hatte er sich wegen der Vorwürfe von seiner Professur beurlauben lassen.

Verfechter des politischen Islam

Ramadan ist in der Schweiz geboren, seine Vorfahren stammen aus Ägypten. Sein Großvater war Hassan al-Banna, der Gründer der konservativen Muslimbruderschaft. Kritiker werfen Ramadan vor, für eine besonders konservative und politische Auslegung des Islam einzutreten. Er selbst weist aber jede Nähe zu extremistischen Strömungen im Islam zurück. Die USA hatten ihm zwischen 2004 und 2010 aus politischen Gründen ein Einreiseverbot erteilt.

In sozialen Medien haben die Vorwürfe um den Professor eine erregte Debatte von Anhängern und Kritikern ausgelöst.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Februar 2018 um 12:37 Uhr.

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