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Mit der Festnahme von Abdul Baradur in Pakistan scheint den Geheimdiensten ein bedeutender Schlag geglückt: Experten halten ihn für den Hauptverantwortlichen für Kampfeinsätze der Taliban in Afghanistan. Inzwischen wurde der Stellvertreter von Taliban-Chef Mullah Omar verhört.
Von Sabina Matthay, ARD-Hörfunkstudio Südasien
Ob Abdul Ghani Baradar bereits Bedeutendes ausgesagt, die pakistanischen und amerikanischen Geheimdienste etwa auf die Spur von Taliban-Chef Mullah Omar gebracht hat, dazu war bisher ebensowenig zu erfahren wie über die genauen Umstände seiner Festnahme. Beobachter halten Baradurs Ergreifung jedoch für bedeutsam. Der pakistanische Sicherheitsexperte Rustam Shah WevMohmand, ehemaliger Botschafter Pakistans in Afghanistan, nannte Baradurs Festnahme einen schweren Schlag für die Taliban-Bewegung. "Baradur war die Nummer zwei, ein sehr erfahrener Kommandeur, das wird ernste Folgen haben."
Baradur gehörte zum Führungsrat der afghanischen Taliban. Nach der Vertreibung der militanten Islamisten 2001 aus Afghanistan hatte die Bewegung sich unter ihrem Chef Mullah Mohammad Omar in der südwestpakistanischen Stadt Quetta ansiedeln und von dort aus den Aufstand im Nachbarland organisieren können. Baradur galt als Mullah Omars rechte Hand und war nach Geheimdiensterkenntnissen für die Kampfeinsätze der Taliban in Afghanistan zuständig.
Im vergangenen Jahr soll er einen Verhaltenskodex verfasst haben, wonach Taliban-Kämpfer den Tod von Unbeteiligten vermeiden sollten. Ob die Festnahme Baradurs sich auf den Aufstand auswirkt, bleibt abzuwarten. Doch kann die Führung der afghanischen Taliban möglicherweise nicht mehr von Pakistan aus nach Belieben schalten und walten, sagt Rustam Shah Momand. Baradurs Festnahme wird die Einvernahme zwischen der Taliban-Bewegung und Pakistan nach Ansicht des Analysten beeinträchtigen.
[Bildunterschrift: Baradar soll für Taliban-Kampfeinsätze in Afghanistan verantwortlich gewesen sein. (Archivbild) ]
Dass führende afghanische Islamisten von pakistanischem Staatsgebiet aus jahrelang frei agieren konnten, hatte zu Spannungen mit den USA geführt. Deren Geheimdienst CIA soll den pakistanischen ISI wiederholt mit genauen Hinweisen auf den Verbleib wichtiger Taliban versorgt haben, ohne dass die Pakistaner handelten.
Die Untätigkeit hat nun offenbar ein Ende. In den vergangenen Monaten hatten sich Hinweise gemehrt, dass führende Mitglieder der Taliban in Karachi Unterschlupf suchten. "Karatschi ist Quetta entschieden vorzuziehen", sagt beispielsweise der einstige Chef der Stadtverwaltung der Metropole, Fahim Zaman Khan. "In der Millionenstadt ist das Untertauchen leicht, in Quetta dagegen muss man mit Überwachung rechnen." Doch auch die südpakistanische Hafenstadt ist offenbar keine Freistatt für die Taliban – wenn die Behörden des Landes es nicht wollen.
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