Archivbild eines afghanisten Sicherheitsmitarbeiters | Bildquelle: dpa

Tausende Afghanen auf der Flucht Taliban erobern wichtigen Distrikt bei Kundus

Stand: 07.05.2017 14:25 Uhr

Vor wenigen Tagen haben die Taliban in Afghanistan ihre Frühjahrsoffensive gestartet. Nun gelang es ihnen, in der nördlichen Provinz Kundus einen strategisch wichtigen Distrikt zu erobern. Hunderte Familien sind deshalb auf der Flucht.

Die islamistischen Taliban haben einen strategisch wichtigen Distrikt im Norden Afghanistans eingenommen. Angesichts heftiger Kämpfe in der nördlichen Provinz Kundus zwischen ihnen und den Regierungstruppen flüchteten Hunderte Familien aus dem Distrikt Kala-e-Sal in die Provinzhauptstadt Kundus. Nach Angaben des norwegischen Flüchtlingsrats, der in Kundus Büros unterhält, mussten einige Familien in der Nacht zum Sonntag im Freien übernachten, andere kamen bei Verwandten unter.

Regierungstruppen geflüchtet oder vertrieben?

Ein Regierungssprecher sagte, afghanische Soldaten hätten sich aus Rücksicht auf die Zivilisten aus dem Distrikt zurückgezogen. Dagegen erklärte ein Vertreter der Taliban, sie hätten die Regierungstruppen vertrieben.

Die Taliban hatten am 28. April ihre jährliche Frühjahrsoffensive begonnen. Hauptziel seien die US-geführten NATO-Streitkräfte in Afghanistan, deren militärische Infrastruktur sowie die "Vernichtung ihrer einheimischen Söldner", erklärten sie.

Die Bundeswehr beteiligt sich in Afghanistan am NATO-geführten Einsatz Resolute Support, bei dem es vor allem um Ausbildung, Beratung und Unterstützung einheimischer Sicherheitskräfte geht.

Die Taliban greifen seit Umwandlung des US-geführten Kampfeinsatzes in einen Ausbildungseinsatz und der damit verbundenen Reduzierung der Stärke der ausländischen Truppen Ende 2014 wieder verstärkt an. In Kundus hatten sie 2015 und 2016 vorübergehend die gleichnamige Provinzhauptstadt erobert. In der Provinz gibt es mit die meisten Vertriebenen. Bis 2013 hatte die Bundeswehr ein Feldlager in Kundus unterhalten. Bis heute beteiligt sie sich am NATO-geführten Einsatz Resolute Support, bei dem es vor allem um Ausbildung, Beratung und Unterstützung afghanischer Sicherheitskräfte geht.

Tote bei Kämpfen im Grenzgebiet

Die afghanischen Truppen liefern sich auch Gefechte mit der pakistanischen Armee. Bei Kämpfen an der Grenze zwischen beiden Ländern wurden nach pakistanischen Militärangaben fast 50 Menschen getötet. Fünf afghanische Kontrollpunkte seien zerstört worden, hieß es weiter.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Mai 2017 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.

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