Tsai Ing-wen freut sich über den Wahlsieg. | Bildquelle: AFP

China-kritische Opposition gewinnt Wahl Demokratie im Herzen, China im Blick

Stand: 16.01.2016 16:28 Uhr

"Wir werden unseren demokratischen Lebenstil nicht aufgeben": Mit dieser Botschaft ist Taiwans künftige Präsidentin vor ihre Anhänger getreten. Nach ihrem Sieg gegen die noch regierende Kuomintang setzt Tsai Ing-wen auf Distanz zu China, versprach aber stabile Beziehungen.

Von Jürgen Hanefeld, ARD Ostasien

Es ist ein Erdrutschsieg für die china-kritische Partei DPP und ihre Vorsitzende. Tsai Ing-wen, die etwas spröde wirkende Wirtschaftfachfrau und künftige Präsidentin Taiwans, behielt auch im Moment des Triumphs die Bodenhaftung.

"Im Jahr 2016 haben wir der ganzen Welt erneut gezeigt, wie tief demokratische Werte in der taiwanischen Gesellschaft verwurzelt sind - und wie stolz wir als Taiwaner sind. Unsere Botschaft an die Welt ist, dass die Demokratie fest in unseren Herzen verankert ist. Die 23 Millionen Taiwaner werden ihren demokratischen Lebensstil nicht aufgeben", sagte sie umtost vom Jubel ihrer Anhänger in sachlichem Ton.

Eine Botschaft an die Welt, aber besonders an China, das Taiwan noch immer als "abtrünnige Provinz" betrachtet und früher oder später ins Reich der Mitte integrieren will. Diesen Bemühungen haben die Wähler nun erst mal einen Riegel vorgeschoben. Sehr zur Enttäuschung der Kuomintang, die Taiwan in den vergangenen acht Jahren regiert hat. Noch nie hat die Staatspartei des ehemaligen Diktators Chiang Kai-shek so alt ausgesehen wie heute.

Oppositionspolitikerin Tsai Ing-wen gewinnt mit klarer Mehrheit
tagesschau 20:00 Uhr, 16.01.2016, Uwe Schwering, ARD Tokio

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"Erwartungen nicht gerecht geworden"

"Entschuldigt, dass ich euch alle enttäuscht habe. Wir haben versagt, die Kuomintang hat eine große Niederlage erlitten. Wir haben uns nicht genügend angestrengt. Wir sind den Erwartungen unseres Wahlvolkes nicht gerecht geworden, wir sind unserer Verantwortung für die Republik China nicht gerecht geworden", sagte ihr Spitzenkandidat Eric Chu.

Der Erdrutsch-Sieg der China-kritischen Kräfte macht deutlich, dass sich die große Mehrheit der Taiwaner vom Umarmungskurs der Volksrepublik absetzen will. Sich für unabhängig zu erklären, wäre aber wohl zu gefährlich. Die DPP hat im Wahlkampf deutlich gemacht, dass sie Taiwan keineswegs für unabhängig erklären will. Aber sie will vor allem die wirtschaftliche Abhängigkeit von China ausbalancieren, indem sie engere Bündnisse mit anderen Handelspartnern schließt - namentlich den USA und der EU.

Eric Chu | Bildquelle: REUTERS
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Kuomintang-Kandidat Eric Chu entschuldigte sich für die Niederlage.

Durch den überwältigenden Wahlsieg ist die DPP nicht auf Partner im Parlament angewiesen. Trotzdem wird sie mit der Handvoll Abgeordneter aus den Reihen der New Power Party zusammen arbeiten. Die stammen aus der studentischen Protestbewegung und haben den Wahlkampf nicht unwesentlich geprägt.

"Wir freuen uns sehr, dass die jungen Leute selber Parteien gegründet haben. Und wir haben das sogar unterstützt, indem wir ihnen einige unserer Direktwahlkreise überlassen haben, anstatt eigene Kandidaten aufzustellen. Wir werden mit ihnen kooperieren, weil wir Stabilität im Parlament bauchen", sagte DPP-Generalsekretär Joseph Wu.

Unter den Neulingen ist der Rock-Star und Menschenrechtsverfechter Freddy Lim, tätowiert und langhaarig, wie die Kuomintang im Wahlkampf lästerte. Doch der 39-jährige hat seinen Wahlkreis gewonnen. Richtig glauben konnte es das selber nicht: "Wir wollen der ganzen Welt sagen", rief er in die Mikrophone, "Freddy Lim zieht ins Parlament ein. Der Top-Rocker Asiens wird Abgeordneter." 

Taiwan hat gewählt - Erdrutschsieg für die Opposition
J. Hanefeld, ARD Tokio
16.01.2016 16:04 Uhr

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