Sri Lanka: Rang 162 in Sachen Pressefreiheit

Betende vor einem Tempel in einem Vorort von Colombo (Bildquelle: AP)

Journalisten in Sri Lanka leben gefährlich

Rang 162 in Sachen Pressefreiheit

Heute ist "Tag der Pressefreiheit". Sri Lanka liegt auf der entsprechenden Rangliste der Organisation "Reporter ohne Grenzen" auf einem der letzten Plätze. In den Köpfen vieler Politiker herrscht dort immer noch Krieg. Das bekommen gerade auch Journalisten zu spüren.

Von Kai Küstner, ARD-Studio Neu Delhi

Ein Mann zündet eine Kerze vor einem Plakat des ermordeten Journalisten Lasantha Wickramatunga an (Bildquelle: picture-alliance/ dpa)
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Ein Plakat zum Gedenken an Lasantha Wickramatunga. Der Journalist wurde 2009 umgebracht.

Der Krieg ist vorbei. Wer sich auf der Trauminsel Sri Lanka an Stränden räkeln möchte, kann das gefahrlos tun. Wer allerdings auf der Insel als kritischer Journalist arbeitet, lebt gefährlich. "Srilankische Journalisten sind ganz generell ungeschützter als ihre Kollegen in jedem anderen Land Südasiens - von Afghanistan mal abgesehen", sagt der indische Journalist Muralidhar Reddy. Er hat lange für die Zeitung "The Hindu" als Korrespondent in Sri Lanka gearbeitet. Dort gebe es "eine stark militarisierte Gesellschaft, eine eigenartige Demokratie, in der der Präsident die Macht hat, fast alles zu tun - ausgenommen etwa Frauen in Männer zu verwandeln und umgekehrt", so Reddy.

Welchen Gefahren Journalisten hier ausgesetzt sind, dafür stellvertretend zwei Beispiele: Im Februar dieses Jahres schossen Unbekannte einem Investigativ-Reporter eine Kugel in den Hals. Der arbeitete für dieselbe kritische Zeitung, den "Sunday Leader", wie sein Kollege Lasantha Wickramatunga. Der überlebte Anfang 2009 den Angriff gleich mehrerer Bewaffneter nicht.

Presse(un)freiheit auf Sri Lanka
K. Küstner, ARD Neu Delhi
03.05.2013 09:45 Uhr

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Der Fall machte auch deshalb international Schlagzeilen, weil der unerschrockene Journalist seinen Tod kommen gesehen hatte. In einem Leitartikel, den er vor seiner Ermordung schrieb, sagte er genau die voraus. Und machte dafür - vorab - die Regierung verantwortlich. Die wahren Hintergründe wurden nie aufgeklärt.

Ein Klima der Angst auf der vermeintlichen Trauminsel

Der Herausgeber der tamilischssprachigen Zeitung "Uthayan" (Bildquelle: AP)
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Die tamilischssprachige Zeitung "Uthayan" (das Foto zeigt ihren Herausgeber) ist mehrfach Ziel von Anschlägen gewesen.

Andere gehen aber seitdem lieber auf Nummer sicher: Sie zensieren sich selbst oder verlassen das Land. Menschenrechtler beklagen heute ein Klima der Angst auf der vermeintlichen Trauminsel. Und Journalist Reddy meint: "Es gibt zwar das Parlament, aber der Präsident hat aus dem Staat mehr oder weniger ein Familienunternehmen gemacht. Jeder, der als Bedrohung der Familien-Interessen gesehen wird, ist Freiwild. So sind mehrere Journalisten zu Opfern der staatlichen Gewalt geworden."

"Amnesty International" beklagte kürzlich, die gewaltsame Unterdrückung von Widerspruch und die Festigung politischer Macht gingen in Sri Lanka Hand in Hand. Laut "Reporter ohne Grenzen" rangiert das Land in Sachen Pressefreiheit abgeschlagen auf Rang 162 - hinter Afghanistan, Irak, Ruanda.

Der Bruder des Präsidenten und Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Gotabhaya Rajapakse, beantwortete die Frage eines britischen BBC-Journalisten, ob in Zeiten des Krieges Kritik an der Regierung Verrat gleichkomme, mit einem klaren "Ja". Weil man es hier mit "einer terroristischen Gruppe" zu tun habe, die das Land zu spalten versuche.

Forderungen nach mehr Schutz für Journalisten
tagesschau 15:00 Uhr, 03.05.2013, Julie Kurz, NDR

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Kritiker beklagen: Auch wenn der Krieg militärisch vorbei sei, finde er in den Köpfen der Politiker noch immer statt. Journalist Reddy warnt vor zu einseitigen Schuld-Zuschreibungen. Dass die Gesellschaft in Sri Lanka bis in die Haarspitzen militarisiert sei, sei auch eine Reaktion auf die  jahrzehntelange brutale Terror-Taktik der tamilischen Extremisten. Wenn die Regierung aber weiterhin nichts dafür tue, die Herzen und Köpfe der tamilischen Minderheit zu gewinnen, dann könne der Krieg schon in wenigen Jahren auf die Insel zurückkehren.

Stand: 03.05.2013 10:50 Uhr

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