US-Einsatz gegen Syrien: Es geht wohl nur noch um das Wann

US-Außenminister John Kerry (Bildquelle: AFP)

US-Militäreinsatz gegen Syrien

Es geht wohl nur noch um das Wann

Lange hat US-Präsident Obama gezögert, in den Syrien-Konflikt militärisch einzugreifen. Doch der US-Regierung liegen offenbar so eindeutige Beweise für einen Giftgas-Einsatz in Syrien vor, dass er reagieren muss, um glaubwürdig zu bleiben. Die militärischen Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Und obwohl die UN-Inspektoren ihre Arbeit noch nicht abgeschlossen haben, gibt es aus Sicht der US-Regierung kaum noch Zweifel, dass das Assad-Regime verantwortlich ist.

Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkstudio Washington

Außenminister John Kerry neigt normalerweise nicht zu scharfen Formulierungen. Als der amerikanische Chefdiplomat jedoch gestern Abend zum Giftgaseinsatz in Syrien Stellung nahm, klang dies bereits wie die Rechtfertigung für einen Militärschlag: "Was wir letzte Woche in Syrien gesehen haben, sollte das Gewissen der Welt erschüttern."

Kerry kündigt Beweise für Giftgaseinsatz in Syrien an
M. Ganslmeier, NDR Washington
27.08.2013 04:28 Uhr

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Das Töten unschuldiger Zivilisten mit Chemiewaffen sei eine "moralische Obszönität", sagte Kerry. Der Giftgaseinsatz verstoße gegen jede Vorstellung von Moral. "Er ist unentschuldbar. Und entgegen der Ausrede, all dies sei ein Schauspiel, ist der Giftgaseinsatz unbestreitbar."

Kerry spricht von eindeutigen Erkenntnissen

Auch wenn die UN-Inspektion noch nicht abgeschlossen ist: Die US-Regierung habe bereits eindeutige Erkenntnisse, dass Chemiewaffen in größerem Umfang eingesetzt wurden. Dafür sprächen auch Augenzeugenberichte und die Aussagen humanitärer Organisationen. Kerry kündigte an, in Kürze weitere Details zu veröffentlichen. "Wir haben zusätzliche Informationen über diesen Angriff. Diese tauschen wir derzeit mit unseren Verbündeten aus. Wir werden sie in den kommenden Tagen zur Verfügung stellen."

Rede von US-Außenminister John Kerry zu Syrien
US State Department

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"Nur das Regime kann das Giftgas mit Raketen verbreiten"

Dass Assads Regime für den Giftgaseinsatz verantwortlich ist, daran gibt es auch für den Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, kaum mehr Zweifel: "Das Assad-Regime hat weiter die Kontrolle über die Chemiewaffen. Nur das Regime kann das Giftgas mit Raketen verbreiten. Und Assads Leute haben den Tatort immer wieder beschossen."

Ganze fünf Tage lang habe die syrische Regierung die UN-Inspektoren nicht an den Tatort gelassen, kritisierte Außenminister Kerry. Eine Regierung, die nichts zu verbergen habe, verhalte sich anders. "Machen Sie sich keine Illusionen: Präsident Obama wird diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die die schlimmsten Waffen der Welt gegen jene einsetzen, die am meisten verwundbar sind."

Stillhalten bis zum Ende der US-Mission?

In Washington geht es längst nicht mehr um die Frage, ob es zu einem Militärschlag kommt, sondern nur noch wann dieser erfolgt. Noch aber habe Obama weder über die Art der Reaktion noch über den Zeitpunkt entschieden, sagte sein Sprecher Carney.

Jay Carney, Sprecher des Weißen Hauses (Bildquelle: REUTERS)
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Jay Carney, Sprecher des Weißen Hauses, sieht im Assad-Regime die Verantwortlichen für den Giftgasangriff.

Nach US-Medienberichten ist ein Militärschlag unwahrscheinlich, so lange sich die UN-Inspektoren noch in Syrien aufhalten. Deren Mission soll bis Sonntag dauern. Als wahrscheinlichste Option gilt ein gezielter Angriff mit "Tomahawk"-Marschflugkörpern. Diese könnten von vier US-Kriegsschiffen im östlichen Mittelmeer Regierungseinrichtungen und Raketenabschussrampen des Assad-Regimes zerstören - vermutlich nachts, damit es möglichst wenige Opfer unter der Zivilbevölkerung gibt.

Zusätzlich halten sich US-Kampfjets bereit, um von außerhalb des syrischen Luftraums Regierungseinrichtungen anzugreifen. Für eher unwahrscheinlich halten Militärexperten dagegen einen Angriff auf die Chemiewaffenlager in Syrien. Dies sei zu gefährlich.

Karin Dohr, ARD Washington, über möglichen Militäreinatz der USA in Syrien
ARD-Morgenmagazin, 27.08.2013

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Stand: 27.08.2013 04:44 Uhr

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