Russland: Syrien soll C-Waffen überwachen lassen

Ein Mitglied des UN-Inspektorenteams nimmt bei Damaskus eine Bodenprobe. (Bildquelle: AP)

Russische Kehrtwende

Syrien soll C-Waffen überwachen lassen

Überraschende Wende im Syrien-Konflikt: Russland hat von seinem Verbündeten Syrien gefordert, die Chemiewaffen unter internationale Kontrolle stellen zu lassen. Damit wolle man einen möglichen Militärschlag verhindern, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow.

"Wir haben bereits unseren Vorschlag dem syrischen Außenminister Walid al Muallim übergeben und setzen auf eine schnelle, wie ich hoffe, positive Antwort", sagte Lawrow bei einer im Staatsfernsehen übertragenen eilig angesetzten Stellungnahme.

Muallim reagierte kurze Zeit später und sagte in Moskau, die syrische Führung begrüße den Vorschlag. Was dies konkret bedeutet, ist bislang unklar.

Bislang Rückendeckung für Assad

Russlands Außenminister Sergej Lawrow (Bildquelle: AP)
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Russlands Außenminister Lawrow fordert nun von Syrien, die C-Waffen konrollieren zu lassen.

Bislang hatte sich Russland vor Syriens Präsidenten Baschar al Assad gestellt und die Anschuldigungen, wonach die Regierungstruppen Giftgas eingesetzt hätten, zurückgewiesen.

Syriens Präsident hatte kurz zuvor im US-Sender CBS behauptet, nicht seine Truppen hätten Giftgas eingesetzt, sondern seien vielmehr mit C-Waffen angegriffen worden. Assad warf den USA zudem vor, die Öffentlichkeit zu täuschen.

Verwirrung um angebliches Ultimatum

Die US-Regierung relativierte derweil Äußerungen von Außenminister John Kerry, wonach Syrien einen Militärschlag durch die Übergabe aller Chemiewaffen abwenden könnte. "Außenminister Kerry hat eine rhetorische Bemerkung gemacht über die Unmöglichkeit und Unwahrscheinlichkeit, dass Assad die Chemiewaffen übergeben könnte", erklärte das US-Außenministerium.

Zuvor hatte Kerry in London gesagt, Assad könnte einen Militärschlag abwenden, wenn er in der nächsten Woche ausnahmslos alle syrischen Chemiewaffen an die internationale Staatengemeinschaft übergeben würde. Das US-Außenministerium erklärte: "Er (Kerry) hat darauf abgezielt, dass diesem Diktator, der eine lange Geschichte damit hat, Schindluder mit den Fakten zu treiben, nicht zugetraut werden kann, die Chemiewaffen zu übergeben. Sonst hätte er das schon längst getan."

Annette Dittert, ARD London, zur Stellungnahme des US-Außenministers Kerry
tagesschau 15:00 Uhr, 09.09.2013

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USA wollen Assad an den Verhandlungstisch zwingen

Die USA machen Assad für einen Giftgaseinsatz am 21. August bei Damaskus verantwortlich, bei dem nach US-Angaben mehr als 1400 Menschen starben, darunter Hunderte Kinder.

Kerry ließ keinen Zweifel daran, dass Assad die Verantwortung dafür trage. "Wir wissen, wo die Raketen herkamen und wo sie einschlugen", sagte er. Das Regime habe dann versucht, mit einem viertägigen Beschuss die Spuren zu verwischen. Kerry wies aber erneut darauf hin, dass ein Militärschlag alleine die Probleme in Syrien nicht beheben könne. "Es gibt keine militärische Lösung", sagte er. Assad müsse an den Verhandlungstisch gezwungen werden mit dem Ziel, eine Übergangsregierung in Syrien zu installieren.

Stand: 09.09.2013 18:03 Uhr

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