Syriens-Präsident Assad im CBS-Interview (Bildquelle: AP)

Syrien-Konflikt Assads mediale Offensive

Stand: 09.09.2013 15:36 Uhr

Syriens Präsident Assad hat im US-Sender CBS Anschuldigungen zurückgewiesen, wonach seine Truppen Giftgas eingesetzt hätten. Vielmehr seien die Regierungssoldaten angegriffen worden. Assad warf den USA vor, die Öffentlichkeit zu täuschen.

Von Andreas Horchler, HR-Hörfunkstudio Washington

Assad geht Stunden vor dem angekündigten Interview von US-Präsident Barack Obamas in sechs großen amerikanischen Sendern in die Offensive. Im Gespräch mit CBS sagte der syrische Machthaber, seine Truppen seien nicht in der Region gewesen, wo die angeblichen Attacken mit Giftgas stattfanden. Die Regierung wisse nicht, ob irgendetwas vorgefallen sei.

Assad zweifelte die angeblichen Beweise der US-Regierung an. Im Gegensatz zu der amerikanischen Darstellung seien syrische Soldaten ihrerseits Opfer einer Attacke mit Chemiewaffen geworden und hätten in Krankenhäusern behandelt werden müssen, behauptete Assad. Von dort, wo die Chemiewaffenattacken vom August angeblich stattgefunden hätten, gebe es nur Videos, Bilder und Vorwürfe.

Assad, der beim Interview in Damaskus entspannt und ruhig auf die CBS-Fragen antwortete, machte sich zudem über die US-Politik lustig. Wie könne man ohne Beweise über etwas sprechen?, fragte er. Syrien sei keine Social-Media-Regierung wie die in den USA. Die syrische Regierung setze sich mit der Realität auseinander.  

John Kerry
galerie

Assad wirft Kerry vor, keine Beweise vorgelegt zu haben.

Schließlich ging Assad hart mit US-Außenminister John Kerry ins Gericht. Kerry habe seine Überzeugungen präsentiert, so Assad, aber es gehe nicht um Überzeugungen, sondern um stichhaltige Beweise. Die Russen beispielsweise seien davon überzeugt, dass die Waffen aus Regionen heraus eingesetzt worden seien, die von den Rebellen kontrolliert werden.

Das erinnere ihn, sagte Syriens Präsident, an die große Lüge von Colin Powell vor der Weltöffentlichkeit über Massenvernichtungswaffen im Irak. Im vorliegenden Fall habe Kerry keinerlei Beweise präsentiert, er habe noch nichts davon gesehen.  

Assads mediale Offensive
A. Horchler, ARD-Hörfunkstudio Washington
09.09.2013 15:41 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Kongress berät

Die Dramaturgie für das Assad-Interview passt. Heute beginnen die Gespräche im US-Kongress über einen möglichen Syrien-Einsatz der USA. Während eine große Mehrheit der Amerikaner eine Militäraktion gegen Syrien ablehnt, sind die meisten Parlamentarier unentschieden. Selbst wenn sie dem syrischen Machthaber wenig Glauben schenken, dürfte das Assad-Interview ohnehin bestehende Zweifel weiter verstärkt haben.

US-Präsident Obama wirbt für Militärschlag gegen Syrien
tagesschau 20:00 Uhr, 09.09.2013, Tina Hassel, ARD Washington

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Für Präsident Obama wird es nun noch schwieriger, seine geplante Mission gegenüber dem Parlament, vor allem aber gegenüber der amerikanischen Öffentlichkeit, zu begründen.  

Darstellung: