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23.02.2012

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Proteste in Syrien
Gewalt in Syrien: Mehr als 70 Tote innerhalb von 24 Stunden
Gewalt in Syrien

Mehr als 70 Tote innerhalb von 24 Stunden

Die Gewalt in Syrien hat offenbar einen neuen, traurigen Höhepunkt erreicht. Nach Angaben der in London ansässigen Beobachtungsstelle für Menschenrechte starben innerhalb von 24 Stunden mehr als 70 Menschen. Damit wäre der Montag einer der folgenschwersten Tage seit dem Beginn der Proteste gegen das Regime von Präsident Baschar al Assad.

Kämpfe vor allem in Daraa und Homs

Nach Angaben der Beobachtungsstelle waren 27 der Opfer Zivilisten, 34 Soldaten und zwölf mutmaßliche Deserteure. Die meisten Menschen kamen demnach in der südsyrischen Oppositionshochburg Daraa ums Leben. Tote gab es außerdem in den Städten Homs im Zentrum des Landes und Idleb im Nordwesten. Überprüfen lassen sich diese Angaben nicht, da Syrien praktisch keine unabhängigen Berichterstatter ins Land lässt.

  • Dieses von syrischen Oppositionsgruppen in Umlauf gebrachte Video soll Angriffe auf die Stadt Homs (Viertel Baba Amr) zeigen.

Anmerkung der Redaktion:

Die Videos stammen aus dem Internet. Wir haben den Inhalt überprüft, so weit es geht - allerdings stößt die Verifikation von Material, das online zur Verfügung gestellt wird, an Grenzen. Eine vollständige Überprüfung ist nicht möglich.
 

Auch in staatlich gelenkten syrischen Medien wird über die Gewalt berichtet - allerdings mit anderen Zahlen und dem üblichen Hinweis, "Terroristen" seien verantwortlich. Bei der Nachrichtenagentur Sana heißt es, zwei Angehörige der Sicherheitskräfte seien von "bewaffneten Terrorbanden" getötet worden. Die staatliche Agentur sprach zudem von 15 Festgenommenen und "Anderen, die getötet wurden".

Oppositionspolitiker in Moskau empfangen

Die im Exil arbeitende syrische Opposition gewinnt unterdessen zunehmend Anerkennung. Der Vorsitzende des oppositionellen Nationalrates, Burhan Ghalioun, wurde offiziell von Russlands Vize-Außenminister Michail Bogdanow empfangen. Russland ist bislang einer der wichtigsten Verbündeten der syrischen Regierung. Ghalioun sagte nach dem Treffen mit Bogdanow, Russland müsse sich dem internationalen Druck auf den umstrittenen Staatschef anschließen. Assads Rücktritt sei unumgänglich.

Burhan Ghalioun (Foto: dapd) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ghalioun (links) bei einer Pressekonferenz nach seinem Treffen mit Russlands Vize-Außenminister. Er fordert mehr Druck aus Moskau auf Assad.]
Syrien Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Nach Angaben von Aktivisten ist die Stadt Homs besonders stark von den Kämpfen betroffen. Das Bild soll ein teilweise zerstörtes Haus im Viertel Baba Amr zeigen.]
 

Bogdanow lehnte den Appell indirekt ab. Ein schärferes Vorgehen gegen die Regeirung Assad sei nicht nötig, sagte der russische Vize-Außenminister nach Angaben der Agentur Interfax. Noch sei genügend Raum für Reformen und Verhandlungen. Russland fordere dazu auch von der syrischen Opposition ein klares Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit.

Sondersitzung der Arabischen Liga

Auch die Arabische Liga traf sich mit Vertretern der syrischen Opposition. Die Staatengruppe forderte die Opposition auf, ihre Pläne für eine Übergangszeit darzulegen. Am Wochenende hatte die Liga die Mitgliedschaft Syriens überraschend ausgesetzt. Sie droht dem Land mit dem kompletten Ausschluss, sollte Assad bis Mittwoch keine Zugeständnisse zur Beendigung der Gewalt gegen Zivilisten in seinem Land machen.

Am Mittwoch findet eine Sondersitzung der Arabischen Liga in Marokkos Hauptstadt Rabat statt. Dabei soll über das weitere Vorgehen gegen Syrien entschieden werden.

Die Arabische Liga:

1945 wurde der lose Bund afrikanischer und asisatischer Staaten gegründet, dem heute 21 Länder sowie die PLO als Vertretung der Palästinenser angehören. Sitz der Staatengruppe ist Kairo.

Die 22 Mitglieder sind:
In Afrika: Ägypten, Algerien, Dschibuti, Komoren, Libyen, Marokko, Mauretanien, Somalia, Sudan und Tunesien.

In Asien: Bahrain, Irak, Jemen, Jordanien, Katar, Kuwait, Libanon, Oman, Palästina (durch die PLO vertretenes Vollmitglied), Saudi-Arabien, Syrien, Vereinigte Arabische Emirate.

Ziele der Organisation sind eine engere politische, kulturelle und wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie die Schlichtung innerarabischer Streitfälle. Seit Ausbruch des arabischen Frühlings herrscht in der Organisation Uneinigkeit über den Umgang mit gewalttätigen Regimes in den eigenen Reihen. Einige Regierungen fürchten, dass ihnen ähnliche Konflikte mit der eigenen Bevölkerung drohen.
 

Prominenter Regierungsgegner aus Haft entlassen

Syrien entließ unterdessen mehr als tausend Gefangene aus der Haft, darunter auch den prominenten Regierungsgegner Kamal Labwani. Möglicherweise war der Schritt eine Reaktion auf den wachsenden internationalen Druck. Labwani war seit 2005 in Haft. Er war unter anderem wegen Beleidigung des Präsidenten zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Seine Tochter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, ihr Vater sei in guter Verfassung. Er sei im Gefängnis aber von Nachrichten abgeschnitten gewesen und wisse daher nichts vom Aufstand gegen Assad.

Stand: 15.11.2011 20:41 Uhr
 

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