Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Die Gewalt in Syrien hat offenbar einen neuen, traurigen Höhepunkt erreicht. Nach Angaben der in London ansässigen Beobachtungsstelle für Menschenrechte starben innerhalb von 24 Stunden mehr als 70 Menschen. Damit wäre der Montag einer der folgenschwersten Tage seit dem Beginn der Proteste gegen das Regime von Präsident Baschar al Assad.
Nach Angaben der Beobachtungsstelle waren 27 der Opfer Zivilisten, 34 Soldaten und zwölf mutmaßliche Deserteure. Die meisten Menschen kamen demnach in der südsyrischen Oppositionshochburg Daraa ums Leben. Tote gab es außerdem in den Städten Homs im Zentrum des Landes und Idleb im Nordwesten. Überprüfen lassen sich diese Angaben nicht, da Syrien praktisch keine unabhängigen Berichterstatter ins Land lässt.
Auch in staatlich gelenkten syrischen Medien wird über die Gewalt berichtet - allerdings mit anderen Zahlen und dem üblichen Hinweis, "Terroristen" seien verantwortlich. Bei der Nachrichtenagentur Sana heißt es, zwei Angehörige der Sicherheitskräfte seien von "bewaffneten Terrorbanden" getötet worden. Die staatliche Agentur sprach zudem von 15 Festgenommenen und "Anderen, die getötet wurden".
Die im Exil arbeitende syrische Opposition gewinnt unterdessen zunehmend Anerkennung. Der Vorsitzende des oppositionellen Nationalrates, Burhan Ghalioun, wurde offiziell von Russlands Vize-Außenminister Michail Bogdanow empfangen. Russland ist bislang einer der wichtigsten Verbündeten der syrischen Regierung. Ghalioun sagte nach dem Treffen mit Bogdanow, Russland müsse sich dem internationalen Druck auf den umstrittenen Staatschef anschließen. Assads Rücktritt sei unumgänglich.
Bogdanow lehnte den Appell indirekt ab. Ein schärferes Vorgehen gegen die Regeirung Assad sei nicht nötig, sagte der russische Vize-Außenminister nach Angaben der Agentur Interfax. Noch sei genügend Raum für Reformen und Verhandlungen. Russland fordere dazu auch von der syrischen Opposition ein klares Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit.
Auch die Arabische Liga traf sich mit Vertretern der syrischen Opposition. Die Staatengruppe forderte die Opposition auf, ihre Pläne für eine Übergangszeit darzulegen. Am Wochenende hatte die Liga die Mitgliedschaft Syriens überraschend ausgesetzt. Sie droht dem Land mit dem kompletten Ausschluss, sollte Assad bis Mittwoch keine Zugeständnisse zur Beendigung der Gewalt gegen Zivilisten in seinem Land machen.
Am Mittwoch findet eine Sondersitzung der Arabischen Liga in Marokkos Hauptstadt Rabat statt. Dabei soll über das weitere Vorgehen gegen Syrien entschieden werden.
Syrien entließ unterdessen mehr als tausend Gefangene aus der Haft, darunter auch den prominenten Regierungsgegner Kamal Labwani. Möglicherweise war der Schritt eine Reaktion auf den wachsenden internationalen Druck. Labwani war seit 2005 in Haft. Er war unter anderem wegen Beleidigung des Präsidenten zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Seine Tochter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, ihr Vater sei in guter Verfassung. Er sei im Gefängnis aber von Nachrichten abgeschnitten gewesen und wisse daher nichts vom Aufstand gegen Assad.
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW