Sorge vor Flächenbrand im Nahen Osten

Männer auf den Trümmern eines Hauses in der syrischen Provinz Idlib. (Bildquelle: AFP)

Mögliche US-Intervention in Syrien

Sorge vor Flächenbrand im Nahen Osten

Das Ziel eines möglichen US-Militärschlags gegen Syrien ist begrenzt: US-Präsident Barack Obama will die internationale Konvention zum Verbot von Chemiewaffen durchsetzen, mehr nicht. Doch Militärexperten im Nahen Osten befürchten, der Angriff könnte die gesamte Region in einen Krieg stürzen.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Hörfunkstudio Kairo, zzt. Beirut

Syriens Präsident Assad zusammen mit Soldaten der Armee. (Bildquelle: dpa)
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Syriens Präsident Assad hat nach Aussage des Militärexperten mehr als 70 Jachont-Raketen aus Russland geliefert bekommen.

Hisham Jaber ist General der libanesischen Armee im Ruhestand. Er rechnet damit, dass die Amerikaner zuerst von See aus angreifen werden, beispielsweise mit Cruise Missiles. Gegen sie, so Jaber, habe die an sich moderne Luftabwehr der Syrer wenig in der Hand: "Die einzige Option wäre dann, die Jachont einzusetzen, eine Anti-Schiff-Lenkwaffe, die äußerst effektiv ist", sagt er. Moskau habe Syrien 72 solcher Raketen geliefert. "Sollte Syrien damit US-Kriegsschiffe treffen und Marinesoldaten töten, stehen wir vor einer Eskalation", betont Jaber. Obama würde sich dann nicht zurückhalten, sondern antworten.

Die Jachont sei eine so gute Waffe, sagt General Jaber, dass es denkbar sei, dass Obama den russischen Präsidenten Wladimir Putin bitten könnte, Syrien davon abzuhalten, sie einzusetzen.

Flächenbrand im Nahen Osten?
C. Kühntopp, ARD-Hörfunkstudio Kairo, zzt. Beirut
07.09.2013 00:08 Uhr

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Konflikt könnte auf Nachbarländer übergreifen

Der weitere Gang der Dinge hinge davon ab, ob Obamas Antwort auf die Jachont von der syrischen Regierung als gefährlich für das eigene Überleben eingeschätzt werde: "Dann würde das syrische Regime wahrscheinlich mit Plan B beginnen und Boden-Boden-Raketen einsetzen, vom Typ Scud-B und FROG, davon haben sie Tausende. Sie könnten die dann auf Israel abschießen - vielleicht sogar mit Chemiewaffen bestückt."

Weitere Ziele könnten in Jordanien und in der Türkei liegen. Für die NATO träte dann der Bündnisfall ein. Jaber hält es für wahrscheinlich, dass sich auch der Iran einschalten würde: "Bei solch einer Eskalation wäre der Iran bereit, Raketen auf Stützpunkte und Einrichtungen der Amerikaner im Persischen Golf abzuschießen - in Saudi-Arabien, Katar, Oman und Bahrain."

Türkische Soldaten haben ihre Präsenz an der Grenze zu Syrien verstärkt. (Bildquelle: AP)
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Türkische Soldaten haben ihre Präsenz an der Grenze zu Syrien bereits verstärkt.

Experte: Hisbollah wird sich zurückhalten

Die Hisbollah, schiitische Partei und Miliz im Libanon, werde sich zurückhalten und nicht auf eigene Faust eine Front gegen Israel aufmachen, meint General Jaber. Die Hisbollah sei nicht so dumm, Syrien als wichtigsten Verbündeten in einen Krieg mit Israel zu ziehen. Jedenfalls nicht, bevor es eine Entscheidung von Präsident Assad gebe, diese Front zu eröffnen. Ohnehin gebe es im Libanon eine große Debatte über die Rolle der Hisbollah. "Die Hisbollah weiß, wenn sie mitmischt, wird sie den ganzen Libanon in diesen Krieg hineinziehen."

Viele Libanesen verlangen seit Jahren, dass die Hisbollah sich entwaffnet und die Verteidigung des Landes der Armee überlässt. Äußerst umstritten ist auch, dass die Miliz einige Tausend ihrer Männer zum Kämpfen nach Syrien geschickt hat. Kritiker sagen, die Hisbollah habe den Libanon so tiefer und tiefer in den syrischen Bürgerkrieg gezogen.

Das Bild, das General Jaber zeichnet, ist düster. Im schlimmsten Fall gäbe es also einen Krieg von der Türkei im Norden über die Levante und Israel bis zum Südufer des Persischen Golfes. Jaber fügt aber hinzu: Alle Akteure in der Region, ohne Ausnahme, seien sich bewusst, wie gefährlich die Situation ist und wie schnell der Konflikt eskalieren könnte. Und das nährt die Hoffnung, dass sie sich - wenn der Ernstfall da ist und die USA angreifen - zügeln.

Stand: 07.09.2013 01:21 Uhr

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