US-Militärchef: Syrien-Einsatz sehr teuer und riskant

US-General Martin Dempsey während eines Vortrags in Tokio (Bildquelle: AP)

Optionen für Syrien-Einsatz präsentiert

US-Militär warnt vor Kosten und Risiken

US-Generalstabschef Martin Dempsey hat in einem Brief an den US-Kongress fünf Optionen für ein militärisches Engagement in Syrien vorgestellt. Er bezifferte deren Kosten mit zumeist mehr als einer Milliarde Dollar pro Monat. Seine Szenarien reichen von der Ausbildung und Unterstützung der Rebellen über begrenzte Luftangriffe auf Militäranlagen bis zum Einsatz von Bodentruppen.

In dem Schreiben wies der General darauf hin, dass lediglich ein begrenztes militärisches Ziel erreicht werden könne - die Rebellen zu stärken und mehr Druck auf die Führung von Präsident Baschar al Assad auszuüben.

Die Erfahrungen der vergangenen zehn Jahre zeigten aber, dass es nicht genug sei, das militärische Kräfteverhältnis zu verändern, schrieb Dempsey weiter. Man müsse auch berücksichtigen, was für die Erhaltung eines funktionierenden Staatswesens nötig sei.

Kämpfer der Freien Syrischen Armee. (Bildquelle: REUTERS)
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Kämpfer der Freien Syrischen Armee hoffen auf Unterstützung durch die USA.

Unerwünschte Folgen mit einkalkulieren

Die USA müssten außerdem damit rechnen, dass ihr Eingreifen auch unerwünschte Folgen haben könne, erklärte der General. Anstelle einer vom Westen favorisierten Opposition könnten Extremisten die Kontrolle übernehmen: "Sollten die Institutionen des Regimes in Abwesenheit einer funktionsfähigen Opposition zusammenbrechen, könnten wir unbeabsichtigt Extremisten zu Macht verhelfen oder genau die chemischen Waffen loslassen, die wir zu kontrollieren suchen."

Gemäßigte Oppositionelle militärisch schulen

Der General empfahl einen "regionalen Ansatz", um den Krieg in Syrien einzudämmen und "eine regionale Destabilisierung und Verbreitung von Waffen zu verhindern".

"Gleichzeitig sollten wir helfen, eine gemäßigte Opposition einschließlich ihrer militärischen Fähigkeiten zu entwickeln und dabei den Druck auf das Assad-Regime aufrecht zu erhalten." Letztlich liege die Entscheidung über Angriffe beim Präsidenten.

Mehr als 100.000 Tote

Die USA unterstützen die syrischen Rebellen mit humanitärer Hilfe und Ausrüstung wie Schutzwesten und Kommunikationsmitteln. Im Juni hatte die US-Regierung militärische Hilfe für die Aufständischen angekündigt, weil sie den Einsatz von Chemiewaffen durch die Regierungstruppen für erwiesen hält und die von Präsident Barack Obama genannte "rote Linie" damit überschritten wurde.

Im syrischen Bürgerkrieg, der sich aus dem Aufstand gegen Assad vor mehr als zwei Jahren entwickelte, wurden nach Angaben von Menschenrechtlern bereits mehr als 100.000 Menschen getötet.

Hintergrund

Training, Beratung und Unterstützung der Rebellen: Dies wäre die kostengünstigste Variante, die schätzungsweise 500 Millionen Dollar im Jahr erfordern würde.

Begrenzte Angriffe mit Raketen und Kampfflugzeugen auf Einrichtungen der Luftverteidigung, der syrischen Streitkräfte und auf deren Kommandostruktur, um ihre Fähigkeit zur Kriegsführung zu verringern. Die Kosten dafür lägen bei etwa einer Milliarde Dollar pro Monat. Risiken wären Gegenangriffe und zivile Opfer.

Einrichtung einer Flugverbotszone: Das würde Hunderte Kriegsflugzeuge und deren Sicherungseinheiten erfordern. Die Kosten lägen hier auch bei etwa einer Milliarde Dollar im Monat. Die Auswirkungen wären aber möglicherweise gering, da sich die syrische Armee mehr auf Bodentruppen als auf ihre Luftwaffe stützt.

Die Schaffung von Pufferzonen, in denen die Rebellen vor Angriffen der syrischen Armee sicher wären. Dies würde den Einsatz militärischer Gewalt zur Schaffung und Sicherung der Zonen im Land erfordern. Die Kosten lägen bei mehr als einer Milliarde Dollar pro Monat. Die Zonen könnten aber auch zum Angriffsziel für die Regierungstruppen werden.

Kontrolle der Chemiewaffen Syriens: Zur Verhinderung der Weiterverbreitung der syrischen Chemiewaffen und zu deren Zerstörung müsste militärische Gewalt angewandt werden. Diese Option würde ebenfalls den Einsatz Hunderter Kampfflugzeuge nötig machen und mehr als eine Milliarde Dollar pro Monat kosten.

Quelle: Reuters

Stand: 23.07.2013 14:24 Uhr

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