Syrien: Präsident Assad lehnt Rücktritt energisch ab

Syriens Präsident Assad (Bildquelle: AP)

Syriens Präsident gibt Interview

"Rücktritt wäre Flucht"

Syriens Präsident Baschar al Assad besteht weiter auf sein Amt und lehnt einen Rücktritt entschieden ab. In einem Interview mit der argentinischen Zeitung "Clarin" und der Nachrichtenagentur des Landes, Télam, sagte er: "Rücktritt wäre Flucht."

Zu entsprechenden Forderungen aus dem Ausland, etwa von US-Außenminister John Kerry, sagte er: "Ich weiß nicht, ob Kerry oder jemand anderes vom syrischen Volk die Macht bekommen hat, in seinem Namen zu sagen, wer gehen und wer bleiben soll."

Assad verglich den Aufstand gegen sein Regime mit einem Sturm auf hoher See: "Das Land steckt in einer Krise. Aber wenn das Schiff in einen Sturm gerät, flieht der Kapitän nicht." Der 47-Jährige amtiert seit 2000 als autoritärer Machthaber. Die nächste Präsidentschaftswahl steht im kommenden Jahr bevor.

Weist Vorwurf des C-Waffen-Einsatzes zurück

Beschuldigungen, seine Regierung habe Chemiewaffen eingesetzt, stellte Assad als unglaubwürdig dar. "Wenn diese Waffen gegen eine Stadt oder ein Viertel eingesetzt worden wären, ist es glaubwürdig, dass es nur zehn oder 20 Opfer gibt?", fragte Assad. "Ihr Einsatz würde den Tod von Tausenden oder Zehntausenden binnen weniger Minuten zur Folge haben. Wer könnte so etwas verheimlichen?" Die Anschuldigungen sollten wahrscheinlich als "Auftakt" für ein internationales militärisches Eingreifen in den Konflikt dienen, sagte Assad weiter.

US-Präsident Barack Obama hatte den Einsatz von Chemiewaffen als "rote Linie" für ein Eingreifen im Syrien-Konflikt bezeichnet, bislang aber immer nach noch eindeutigeren Beweisen verlangt. Inzwischen sollen den USA laut Außenminister Kerry "solide" Hinweise vorliegen.

Assad zweifelt Opferzahlen an

Der Aufstand gegen Assad hat sich seit März 2011 zu einem blutigen Bürgerkrieg in Syrien ausgeweitet. Zehntausende Menschen wurden laut UN und Menschenrechtsorganisationen getötet. Mehrere Millionen Einwohner flohen in die Nachbarländer.

Assad zweifelte die Opferzahlen in dem Interview an und sprach von "Tausenden" Getöteten.

Konferenz ohne Chancen?

Um das Blutvergießen zu beenden und den Konflikt beizulegen, erklärten sich die USA und Russland bereit, eine internationale Konferenz ins Leben zu rufen. In den kommenden Wochen sollen die verfeindeten Parteien an einen Tisch gebracht werden, um einen Friedensplan auszuarbeiten.

Dieser Initiative räumt Assad aus zweierlei Gründen keine Chance ein: Er glaube nicht, "dass viele westliche Länder wirklich eine Lösung für Syrien wollen", sagte Assad. Zudem mache sich die Weltgemeinschaft falsche Vorstellungen. "Sie denken, dass eine politische Konferenz die Terroristen im Land aufhalten wird. Das ist unrealistisch", sagte er in dem Interview. Die syrische Führung bezeichnet die Regierungsgegner - ob politische Opposition oder Kämpfer - prinzipiell als Terroristen.

Bislang traf auch die syrische Opposition noch keine eindeutige Aussage darüber, ob sie an den Gesprächen teilnehmen will.

Assad lehnt geplante Friedenskonferenz ab
tagesthemen 23:15 Uhr, 19.05.2013, Thomas Aders, ARD Kairo

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Streit über Waffenlieferungen

Das Vorhaben wird zudem überschattet von einem Streit über russische Waffenlieferungen an die Führung in Damaskus. Außerdem wandte sich Frankreich gegen die Forderung Russlands, Assads Verbündeten, den Iran, zu der geplanten Syrien-Konferenz einzuladen.

Stand: 19.05.2013 10:47 Uhr

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