Türkei kritisiert Israel wegen Luftangriffen auf Syrien

Bombardements auf Syrien

Türkei kritisiert israelische Luftangriffe

Die Luftangriffe Israels auf Ziele im Großraum der syrischen Hauptstadt Damaskus führen zu weiteren zwischenstaatlichen Spannungen in der Region. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte die Bombardements als völlig inakzeptabel. "Es gibt keine vernünftige Erklärung, keine Ausrede, die diesen Einsatz rechtfertigen kann", sagte er im Parlament in Ankara.

Israel habe Syriens Präsident Baschar al Assad damit nur eine Gelegenheit geliefert, das Massaker in Banias zu vertuschen. In dem syrischen Küstenort töteten Regierungstruppen nach Angaben von Assad-Gegnern am Wochenende mindestens 62 Menschen.

Erdogan im türkischen Parlament (Bildquelle: AP)
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Erdogan kritisierte im türkischen Parlament Israel scharf.

Die Kritik Erdogans an Israel erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem sich beide Staaten wieder auf dem Weg der Annäherung befanden. Kürzlich hatte sich Israel für den Tod von neun Türken beim Angriff auf das türkische Schiff "Mavi Marmara" im Mai 2010 entschuldigt. Derzeit wird um israelische Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenen der Opfer verhandelt.

Israel sah offenbar "rote Linie" überschritten

Die Angriffe der israelischen Luftwaffe zielten offenbar auf iranische Raketen, die für die israel-feindliche Hisbollah bestimmt gewesen sein sollen. Offenbar wurden aber auch militärische Einrichtungen der syrischen Armee getroffen.

Der israelische Verteidigungsminister Mosche Jaalon äußerte sich erstmals seit dem Luftangriff zur Lage in dem nördlichen Nachbarland. "Wir mischen uns nicht in den Bürgerkrieg in Syrien ein, aber wir haben rote Linien gezogen", sagte Jaalon nach Angaben der Nachrichtenseite "ynet". Er beziehe sich dabei auf die Lieferung von Waffen an Terrororganisationen und die Verletzung der israelischen Souveränität entlang der Grenze, sagte Jaalon. "In all diesen Fällen werden wir aktiv werden und die Sicherheit Israels verteidigen", sagte der Minister. "Die Truppen sind angewiesen, in jedem Fall eines Angriffs auf Israel die Quelle zu identifizieren und zu zerstören."

Dieses Bild der staatlichen syrischen Agentur Sana soll Zerstörungen nach dem Raketenangriff Israels zeigen. (Bildquelle: dpa)
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Dieses Bild der staatlichen syrischen Agentur Sana soll Zerstörungen nach dem Raketenangriff Israels zeigen.

Nach Angaben der oppositionellen Syrischen Beobachterstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien wurden bei den Angriffen mindestens 42 syrische Soldaten getötet. Hundert würden vermisst. In anderen Oppositionskreisen war die Rede von 300 getöteten Soldaten.

Kerry will Moskau umstimmen

US-Außenminister John Kerry versucht derzeit in Moskau, die russische Führung zu höherem Druck auf Assad zu bewegen. Russland ist eines der wenigen Länder, die die syrische Führung noch unterstützen. Russland und China blockieren bislang eine scharfe Resolution gegen Syrien im Sicherheitsrat. Die Berichte über Massaker und der mögliche Einsatz von chemischen Kampfstoffen erhöhen jedoch den Druck vor allem auf US-Präsident Barack Obama, aktiv zu werden.

Stand: 07.05.2013 19:01 Uhr

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