Israel bestätigt Luftangriff auf Syrien

Israel soll Syrien angegriffen haben (Bildquelle: dpa)

"Waffenlieferung an Hisbollah verhindert"

Israel bestätigt Luftangriff auf Syrien

Vertreter Israels haben einen Luftangriff auf Syrien bestätigt. Ziel sei ein Transport hochmoderner Boden-Boden-Raketen gewesen, berichtete die Zeitung "Times of Israel" in ihrer Onlineausgabe unter Berufung auf einen Regierungsvertreter. Auch mehrere Nachrichtenagenturen meldeten die Bestätigung von israelischer Seite. Das Militär selbst äußerte sich noch nicht.

Es habe sich nicht um chemische Waffen, sondern um Waffen für die israel-feindliche Schiitenmiliz Hisbollah im Südlibanon gehandelt. Die Lieferung hätte das Kräfteverhältnis in der Region verändert, habe der Regierungsvertreter weiter mitgeteilt. Wo der Angriff am frühen Freitagmorgen erfolgt sei, wurde nicht gesagt.

Es handelt sich damit um den zweiten Luftangriff Israels auf syrische Ziele in diesem Jahr. Zuvor hatte Israel indirekt die Bombardierung eines Waffenkonvois im Januar zugegeben, der sich auf dem Weg in den Libanon befunden haben soll.

Israel greift syrische Waffenlieferung für Hisbollah an
tagesthemen 23:22 Uhr, 04.05.2013, Richard C. Schneider, ARD Tel Aviv

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Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte in der Vergangenheit immer wieder klargestellt, Waffenlieferungen aus Syrien an die Hisbollah unter keinen Umständen zu dulden. Die Regierung in Jerusalem befürchtet vor allem, dass chemische Kampfstoffe in die Hände der Schiiten-Miliz fallen könnten, die - laut syrischer Opposition - auf Seiten des syrischen Präsidenten, Baschar al Assad, verstärkt in den syrischen Bürgerkrieg eingreift.

Erst vor wenigen Tagen hatte Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah seinen Verbündeten in der syrischen Regierung versichert, notfalls an deren Seite in den Bürgerkrieg zu ziehen.

Syrischer Luftraum offenbar nicht verletzt

Zuvor hatten US-Medien berichtet, die USA würden von einem Angriff israelischer Kampfjets auf syrische Ziele ausgehen. Der TV-Sender CNN hatte unter Berufung auf Regierungsquellen gemeldet, dass die Jets nicht in den syrischen Luftraum eingedrungen sein sollen, was darauf hindeuten würde, dass sie ihre Geschosse noch über libanesischem Boden abgefeuert hätten.

Die libanesische Armee berichtete am Freitag von Luftraumverletzungen durch israelische Jets. Kampfflugzeuge seien stundenlang über libanesischem Territorium gekreist, meldete die staatliche Nachrichtenagentur NNA unter Berufung auf eine Mitteilung des Militärs. Im Südlibanon sollen die israelischen Flugzeug dabei auch mehrere Scheinangriffe in niedriger Höhe geflogen haben.

Sorge wegen möglichen C-Waffen-Einsatzes

Lindsey Graham (Bildquelle: AP)
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Laut dem Republikaner Graham soll Israel den Angriff geflogen haben.

Das Weiße Haus und das Pentagon lehnten offizielle Stellungnahmen zu dem Vorfall bislang ab. Der republikanische Senator Lindsey Graham wurde aber vom Nachrichtenportal "Politico" mit den Worten zitiert: "Israel hat Syrien heute Nacht bombardiert." Demnach äußerte sich Graham am Rande einer Parteiveranstaltung.

Israel und die USA sind seit längerem wegen eines möglichen Chemiewaffeneinsatzes in Syrien besorgt und wollen sich für einen solchen Fall alle Optionen offenhalten.

Obama lehnt Bodentruppen in Syrien ab

US-Präsident Barack Obama und Costa Ricas Präsidentin Laura Chinchilla (Bildquelle: AFP)
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US-Präsident Obama und Costa Ricas Präsidentin Chinchilla bei dem Treffen der Staaschefs in San Jose

Die US-Regierung sieht derzeit noch keinen endgültigen Beweis für einen Einsatz von Chemiewaffen in Syrien und plant deshalb auch keine militärisches Eingreifen. Allerdings betonte US-Präsident Barack Obama, als Oberbefehlshaber der US-Truppen "grundsätzlich nichts auszuschließen, weil sich die Umstände ändern".

Allerdings erwägen die USA mittlerweile, Waffen an die syrischen Rebellen zu liefern. Den Einsatz von US-Bodentruppen lehnt US-Präsident Barack Obama aber ab. "Ich kann kein Szenario erkennen, bei dem amerikanische Truppen in Syrien für die USA oder Syrien gut wären", sagte er bei einem Besuch in Costa Rica, wo er an einem Treffen der Staatschefs Zentralamerikas und der Dominikanischen Republik teilnimmt.

Syrienkonflikt: USA zögern, während Israel handelt?
T. Teichmann, ARD Tel Aviv
04.05.2013 17:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 4. Mai 2013 um 12:00 Uhr.

Stand: 04.05.2013 11:26 Uhr

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