USA und Israel wegen syrischer Chemiewaffen in Alarmbereitschaft

Syrische Chemiewaffen

USA und Israel in Alarmbereitschaft

Der mögliche Einsatz von Chemiewaffen im syrischen Bürgerkrieg versetzt die USA und ihre Verbündeten in Alarmbereitschaft. US-Präsident Obama drohte Machthaber Assad, er werde zur Rechenschaft gezogen. Israel bat Jordanien laut einem Medienbericht mehrfach um Überflugsrechte für einen Angriff auf syrische Giftgas-Depots - Jordaniens König lehnt dies bislang ab.

Von Clemens Verenkotte, BR

Das syrische Militär habe Mitte der vergangenen Woche damit begonnen, die bislang getrennt voneinander gelagerten beiden wesentlichen Komponenten zusammenzusetzen, die für den militärischen Einsatz des Giftgases Sarin notwendig seien. Dies berichtet die israelische Tageszeitung "Yedioth Achronoth" unter Berufung auf nicht näher genannte amerikanische Regierungskreise. Die syrischen Einheiten seien nunmehr in der Lage, die Kampfstoffe zu verladen und diese einzusetzen, sofern Syriens Machthaber Baschar al Assad dazu den Befehl geben würde.

"Die Welt schaut zu"

Obama warnte Assad vor Konsequenzen, falls dieser Chemiewaffen im Bürgerkrieg einsetzen sollte. (Bildquelle: dapd)
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Obama warnte Assad vor Konsequenzen, falls dieser Chemiewaffen im Bürgerkrieg einsetzen sollte.

US-Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton warnten Assad gestern eindrücklich vor dem Einsatz von Chemiewaffen gegen die eigene Bevölkerung. "Die Welt schaut zu", warnte Obama. "Der Einsatz von chemischen Waffen ist und wäre vollkommen unakzeptabel." Wenn Assad den tragischen Fehler machen sollte, diese Waffen einzusetzen, werde das Konsequenzen haben und Assad werde zur Rechenschaft gezogen, sagte Obama.

US-Regierung will aktives Eingreifen in Bürgerkrieg vermeiden

Wie die "New York Times" meldet, herrscht bei der US-Regierung Unklarheit über die Absicht Assads, im Zentrum des Landes Teile des Chemiewaffen-Arsenals gefechtsbereit zu machen. Bei ihrer Visite in Prag bestätigte der tschechische Außenminister Schwarzenberg in Anwesenheit Clintons, dass derzeit tschechische ABC-Abwehr-Einheiten in Jordanien stationiert seien. Tschechien verfügt seit Warschauer-Pakt-Zeiten über die besten Spezialkräfte bei der Abwehr von biologischen und chemischen Kampfstoffen. Zugleich befinden sich einige Hundert amerikanische Soldaten in Jordanien, die für den Zugriff auf die rund 20 verschiedenen Giftgas-Depots in Syrien eingesetzt würden.

Sollte die US-Regierung über stichhalte Beweise verfügen, wonach Assads Truppen die Chemiewaffen-Bestände für einen Einsatz vorbereiteten, würde dies unweigerlich den Einsatz von US-Einheiten nach sich ziehen, um die Massenvernichtungswaffen zu sichern. Dies berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf hochrangige amerikanische Regierungskreise. Bislang hat Präsident Obama jede Form eines aktiven Eingreifens in den syrischen Bürgerkrieg vermieden.

Israel erwägt Angriff auf syrische Waffen-Depots

Israels Generalstabschef Benny Gantz und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (Bildquelle: dpa)
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Israels Generalstabschef Benny Gantz und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu

Gleichermaßen intensiv verfolgen die israelischen Sicherheitskreise die syrischen Giftgas-Depots. Israels Regierung habe sich in den vergangenen Wochen zweimal an den jordanischen König gewandt - mit der Bitte , der israelischen Luftwaffe die Überflugrechte für einen Angriff auf die syrischen Anlagen zu gestatten. Dies meldete das amerikanische Magazin "The Atlantic", das über sehr gute Quellen in amerikanischen und israelischen Regierungs- und Geheimdienstkreise verfügt. Jordanien habe das Vorhaben der israelischen Luftwaffe abgelehnt. Da einige der syrischen Chemiewaffen-Depots nahe an der Grenze zu Jordanien lägen, habe Israel das jordanische Königreich nicht durch einen Alleingang vor vollendete Tatsachen stellen wollen. 

Wie "The Atlantic" weiter berichtet, beobachteten amerikanische und israelische Aufklärungs-Drohnen die syrischen Chemiewaffen-Lagerstätten. Zeitgleich mit den massiven US-Warnungen an die Adresse Assads vor den Folgen eines Giftgas-Einsatzes gegen die syrische Bevölkerung haben die Vereinten Nationen, die Europäische Union sowie die Vereinigten Staaten einen Großteil ihrer in Damaskus stationierten Mitarbeiter zum Verlassen des Landes aufgefordert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 4. Dezember 2012 um 17:00 Uhr.

Stand: 04.12.2012 16:50 Uhr

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