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Karte: Syrien und Türkei

Nach Granatenbeschuss UN-Sicherheitsrat angerufen

Türkei setzt Angriffe auf Ziele in Syrien fort

Wut und Empörung herrschen in der Türkei nach dem tödlichen Granatenbeschuss aus Syrien. In einer ersten Reaktion feuerten türkische Streitkräfte in einem Vergeltungsschlag "auf Ziele entlang der Grenze, die mit Radar identifiziert worden seien", erklärte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara.

Ziel des Vergeltungsschlags sei eine Militärbasis nahe der Grenzstadt Tell Abjad gewesen, hieß es. Dabei seien mehrere syrische Soldaten getötet worden, berichten mehrere Nachrichtenagenturen unter Berufung auf türkische Sicherheitskreise beziehungsweise eine syrische Menschenrechtsorganisation. Nach Medienberichten wurden die Angriffe den Morgen über fortgesetzt.

Türkei will keinen Krieg mit Syrien
tagesschau 12:00 Uhr, 04.10.2012, Martin Weiss, ARD Istanbul

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NATO-Rat zusammengetroffen

Auf Ersuchen der Türkei kam der NATO-Rat zusammen. Dieser sicherte der Türkei einhellig seine Unterstützung zu. Der Grenzzwischenfall wurde von den 28 Mitgliedsstaaten als "aggressive Handlungen" scharf verurteilt und als "Verstoß gegen das internationale Recht" eingestuft. Die syrische Führung müsse die "Verletzung internationalen Rechts beenden", hieß es in einer Erklärung.

Das Treffen fand auf der Grundlage von Artikel vier des NATO-Vertrags statt. Der Artikel sieht Beratungen vor, wenn eines der Mitglieder "die Unversehrtheit, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit" seines Staatsgebiets als bedroht ansieht. Es war erst das dritte NATO-Krisentreffen überhaupt auf Basis dieses Artikels. Der Bündnisfall nach Artikel fünf des NATO-Vertrages wurde nicht ausgerufen.

Artikel 4 und 5 des NATO-Vertrags

Der Artikel 4 des NATO-Gründungsvertrages vom 4. April 1949 hat laut offizieller Übersetzung folgenden Wortlaut:
"Die Parteien werden einander konsultieren, wenn nach Auffassung einer von ihnen die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit einer der Parteien bedroht ist."

Der sogenannte NATO-Bündnisfall nach einem Angriff auf ein Mitglied der Militärallianz wird in Artikel 5 geregelt. Er lautet:
"Die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen wird; sie vereinbaren daher, dass im Falle eines solchen bewaffneten Angriffs jede von ihnen in Ausübung des in Artikel 51 der Satzung der Vereinten Nationen anerkannten Rechts der individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung der Partei oder den Parteien, die angegriffen werden, Beistand leistet, indem jede von ihnen unverzüglich für sich und im Zusammenwirken mit den anderen Parteien die Maßnahmen, einschließlich der Anwendung von Waffengewalt, trifft, die sie für erforderlich erachtet, um die Sicherheit des nordatlantischen Gebiets wiederherzustellen und zu erhalten.

Von jedem bewaffneten Angriff und allen daraufhin getroffenen Gegenmaßnahmen ist unverzüglich dem Sicherheitsrat Mitteilung zu machen. Die Maßnahmen sind einzustellen, sobald der Sicherheitsrat diejenigen Schritte unternommen hat, die notwendig sind, um den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit wiederherzustellen und zu erhalten."

Brief an UN-Sicherheitsrat

Anschließend rief die Türkei den UN-Sicherheitsrat an. In einem Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und den Sicherheitsratsvorsitzenden, Guatemalas Botschafter Gert Rosenthal, wertete der türkische UN-Botschafter Ertugrul Apakan den Zwischenfall ebenfalls als "aggressiven Akt Syriens gegen die Türkei". In einem Brief wird der UN-Sicherheitsrat aufgefordert, "die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um derartige aggressive Akte zu beenden und zu garantieren, dass Syrien die Souveränität, die territoriale Integrität und die Sicherheit der Türkei respektiert".

Rolf-Dieter Krause (ARD) zur Reaktion der NATO
tagesschau 12:00 Uhr, 04.10.2012

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Zurückhaltung und Besonnenheit gefordert

Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte den Beschuss türkischen Gebiets durch syrische Granaten "aufs Schärfste". Die Bundesregierung rufe alle Beteiligten "zu großer Besonnenheit" auf, sagte die Kanzlerin nach einem Treffen mit dem jemenitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi in Berlin. "Wir stehen an der Seite der Türkei", sagte Merkel. Auch die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton verurteilte den Beschuss und rief "alle Seiten zur Zurückhaltung auf".

Russland forderte Syrien auf, den Beschuss türkischen Territoriums als Versehen zu erklären, das sich nicht wiederholen werde. Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti zitierte Außenminister Sergej Lawrow, der russische Botschafter habe mit der syrischen Regierung über den Vorfall gesprochen. Dabei habe die syrische Seite erläutert, dass es sich um ein "tragisches Versehen" gehandelt habe, und zugesichert, dass so etwas nicht noch einmal passiere. "Wir denken, dass es von fundamentaler Bedeutung für Damaskus ist, dies offiziell zu erklären", sagte Lawrow.

Russland ist einer der letzten verbliebenen Verbündeten des syrischen Präsidenten Baschar al Assad, der seit eineinhalb Jahren einen Volksaufstand gegen seine Regierung niederzuschlagen versucht. Im UN-Sicherheitsrat blockieren die Veto-Mächte Russland und China bislang ein konzertiertes entschiedenes Eingreifen der internationalen Gemeinschaft.

M. Weiss (ARD) mit aktuellen Information aus Istanbul
tagesschau 12:00 Uhr, 04.10.2012

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Türkisches Parlament berät über Interventionsgesetz in Syrien

Das türkische Parlament berät heute bei einer außerordentlichen Sitzung über einen Gesetzentwurf, der eine Intervention in Syrien möglich machen soll. Nach türkischen Medienangaben waren gestern Abend unter anderem Premierminister Erdogan, Außenminister Ahmet Davutoglu, der Generalstabschef der türkischen Armee Necdet Özel und Justizminister Sadullah Ergin zu einem fast vierstündigen Gipfeltreffen zusammengekommen. Dabei sei der Entwurf zustande gekommen.

Er soll in ein bereits bestehendes Gesetz aufgenommen werden, das "Operationen außerhalb der türkischen Grenzen" möglich macht. Ein solches Gesetz autorisiert beispielsweise Militäraktionen der türkischen Armee im Nordirak bei der Jagd auf kurdische Extremisten. Der vom türkischen Ministerrat unterschriebene Entwurf wurde noch in der Nacht von Erdogan an den Präsidenten des Parlaments geschickt. Das Gesetz soll nur dann genutzt werden, "wenn es nötig wird".

Fünf Tote bei Granatenangriff, mehrere Verletzte

Akcakale nach einem Granateneinschlag
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Nach dem Granateneinschlag suchen die Einwohner von Akcakale Deckung.

Durch den Granatenangriff aus Syrien waren im türkischen Grenzgebiet zuvor fünf Menschen getötet worden. Bei den Opfern handle es sich um eine Mutter und ihre vier Kinder, meldete der Nachrichtensender CNN Türk unter Berufung auf lokale Behörden. 13 Menschen seien verletzt worden, darunter mehrere Polizisten.

Insgesamt schlugen nach türkischen Angaben mindestens drei Granaten in der Ortschaft Akcakale ein. Sie liegt unmittelbar an der Grenze zu Syrien und in der Nähe des lange umkämpften Grenzübergangs Tell Abjad, den syrische Rebellen nach zweitägigen Gefechten eingenommen hatten.

Die syrische Regierung sicherte zu, den Vorfall zu untersuchen, und sprach den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus.

Die Türkei nahm seit Beginn des Bürgerkrieges im Nachbarland mehr als 93.000 syrische Flüchtlinge auf. Die Forderung nach einer Schutzzone für Vertriebene auf der syrischen Seite der Grenze wird international bislang kaum unterstützt. Die türkische Regierung sympathisiert offen mit den Gegnern der syrischen Machthaber Baschar al Assad.

Dutzende Tote bei Anschlägen in Aleppo

In der syrischen Stadt Aleppo kamen zuvor Dutzende Menschen bei einer Serie von Bombenanschlägen ums Leben. Die meisten Opfer waren Sicherheitskräfte. Drei von Selbstmordattentätern gezündete Autobomben detonierten kurz nacheinander auf und nahe des Saadalla-al-Dschabiri-Platzes am Rande der Altstadt, wo sich auch ein Club für Offiziere befindet. Im Staatsfernsehen war von "terroristischen Anschlägen" die Rede.

Stand: 04.10.2012 12:36 Uhr

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