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Nach tödlichem Granatenangriff
Türkei beschießt Ziele in Syrien
Türkische Streitkräfte haben auf einen tödlichen Granatenbeschuss aus Syrien mit einem Vergeltungsangriff reagiert. "Dieser Angriff ist von unseren Streitkräften sofort erwidert worden", erklärte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara. Die türkischen Streitkräfte feuerten demnach "auf Ziele entlang der Grenze, die mit Radar identifiziert" worden seien.
Unmittelbar nach dem Vergeltungsschlag der türkischen Armee kamen am Abend die ständigen NATO-Botschafter in Brüssel zu einer einstündigen Beratung zusammen. Dabei sicherte der NATO-Rat der Türkei einhellig seine Unterstützung zu. Der Grenzzwischenfall wurde von den 28 Mitgliedsstaaten scharf verurteilt.
NATO-Treffen auf der Grundlage von Artikel vier
Die Grenzverletzungen durch Syrien wurden als "aggressive Handlungen" verurteilt und als "Verstoß gegen das internationale Recht" eingestuft. Die syrische Führung müsse die "Verletzung internationalen Rechts beenden", forderte der NATO-Rat in einer Erklärung.
Das Treffen fand auf der Grundlage von Artikel vier des Nato-Vertrags statt. Der Artikel sieht Beratungen vor, wenn eines der Mitglieder "die Unversehrtheit, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit" seines Staatsgebiets als bedroht ansieht. Es war erst das dritte NATO-Krisentreffen überhaupt auf Basis dieses Artikels.
Fünf Tote bei Granatenangriff, mehrere Verletzte
Durch den Granatenangriff aus Syrien waren im türkischen Grenzgebiet zuvor fünf Menschen getötet worden. Bei den Opfern handle es sich um eine Mutter und ihre vier Kinder, meldete der Nachrichtensender CNN Türk unter Berufung auf lokale Behörden. 13 Menschen seien verletzt worden, darunter mehrere Polizisten.
Insgesamt schlugen nach türkischen Angaben mindestens drei Granaten in der Ortschaft Akcakale ein. Sie liegt unmittelbar an der Grenze zu Syrien und in der Nähe des lange umkämpften Grenzübergangs Tell Abjad, den syrische Rebellen nach zweitägigen Gefechten eingenommen hatten.
Die syrische Regierung sicherte zu, den Vorfall zu untersuchen, und sprach den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus.
Türkei reagiert mit Vergeltungsangriff auf syrische Artillerie-Granate
nachtmagazin 01:00 Uhr, 04.10.2012, Martin Weiss, ARD Istanbul
"Sehr schwerwiegender Zwischenfall"
Der stellvertretende Ministerpräsident der Türkei Bülent Arinc erklärte: "Ich hoffe, dass ist Syriens letzte Verrücktheit. Syrien wird zur Verantwortung gezogen." Außenminister Ahmet Davutoglu hatte bereits im zuvor angekündigt, dass die Türkei einem weiteren Beschuss aus Syrien nicht tatenlos zusehen werde.
Die türkische Regierung wandte sich auch an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Dieser rief die Türkei auf, "alle Kommunikationskanäle mit Syrien offenzuhalten", um eine Verschärfung der Spannungen zu verhindern.
Die Türkei nahm seit Beginn des Bürgerkrieges im Nachbarland mehr als 93.000 syrische Flüchtlinge auf. Die Forderung nach einer Schutzzone für Vertriebene auf der syrischen Seite der Grenze wird international bislang kaum unterstützt. Die türkische Regierung sympathisiert offen mit den Gegnern der syrischen Machthaber Baschar al Assad.
Dutzende Tote bei Anschlägen in Aleppo
In der syrischen Stadt Aleppo kamen zuvor Dutzende Menschen bei einer Serie von Bombenanschlägen ums Leben. Die meisten Opfer waren Sicherheitskräfte. Drei von Selbstmordattentätern gezündete Autobomben detonierten kurz nacheinander auf und nahe des Saadalla-al-Dschabiri-Platzes am Rande der Altstadt, wo sich auch ein Club für Offiziere befindet. Im Staatsfernsehen war von "terroristischen Anschlägen" die Rede.
Stand: 03.10.2012 23:41 Uhr
