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Bürgerkrieg in Syrien
Grenzgefecht mit jordanischen Truppen
Im Syrien-Konflikt ist es zu einem Grenzgefecht zwischen der Armee und jordanischen Truppen gekommen. Dabei seien auch gepanzerte Fahrzeuge eingesetzt worden, sagte ein Vertreter der syrischen Opposition.
Die Auseinandersetzungen in der Region Tel Schihab-Turra seien am Freitagabend ausgebrochen, als syrische Truppen auf Flüchtlinge geschossen hätten, die die Grenze nach Jordanien überqueren wollten. Der Schusswechsel habe etwa 30 Minuten gedauert, hieß es. Es ist der bislang schwerste Vorfall an der Grenze seit Beginn des Aufstands gegen den syrischen Präsidenten Baschar al Assad vor 17 Monaten. Er schürte erneut die Furcht vor einer Ausweitung des Konflikts auf die Nachbarländer.
Ein Vertreter Jordaniens bestätigte die Angaben. Es habe auf jordanischer Seite anscheinend keine Verluste gegeben, sagte er. Zwar haben jordanische Soldaten schon zuvor auf syrische Truppen gefeuert, um den Beschuss von Flüchtlingen zu stoppen. Doch war dies der bislang schwerste Zwischenfall an der Grenze seit Beginn des Volksaufstands, der inzwischen zu einem Bürgerkrieg anwuchs.
Gefechte an syrisch-jordanischer Grenze
U. Leidholdt, ARD Amman
11.08.2012 11:31 Uhr
Clinton zu Syrien-Gesprächen in der Türkei
In der Vergangenheit hatten bereits der Abschuss eines türkischen Militärjets durch die syrische Luftabwehr und der Beschuss libanesischer Dörfer durch Assad-Truppen die Furcht vor einer Ausbreitung des Konflikts in der ohnehin an Spannungen reichen Region geschürt. Seit Beginn des syrischen Aufstandes haben nach Angaben der Vereinten Nationen 150.000 offiziell registrierte Flüchtlinge Schutz in der Türkei, Jordanien, im Libanon oder im Irak gesucht.
US-Außenministerin Hillary Clinton will heute bei einem Besuch in der Türkei über den Konflikt beraten. Die USA verschärften inzwischen ihre Sanktionen gegen die Führung in Damaskus. Zudem brandmarkte die Regierung in Washington die libanesische Islamistenmiliz Hisbollah öffentlich als Helfer Assads. Die USA werfen der Gruppe, die sie seit langem als Terrororganisation einstufen, Ausbildung und umfassende logistische Unterstützung der syrischen Führung vor. Die Maßnahmen dürften aber eher symbolischen Charakter haben, da sich Russland und China im UN-Sicherheitsrat weiter schärfere internationale Sanktionen gegen Syrien ablehnen.
Brahimi appelliert an die Staatengemeinschaft
Der Favorit auf die Nachfolge des zurückgetretenen UN-Syrien-Gesandten Kofi Annan, der frühere algerische Außenminister Lakhdar Brahimi, appellierte an die internationale Gemeinschaft, ihre Differenzen zu überwinden. "Der UN-Sicherheitsrat und die regionalen Mächte müssen gemeinsam sicherstellen, dass der politische Übergang so schnell wie möglich stattfinden kann", forderte er in einer im Internet veröffentlichten Erklärung. "Millionen Syrier rufen nach Frieden." Die Weltgemeinschaft dürfe nicht länger darüber streiten. Annan, der sein Amt Ende des Monats aufgibt, hatte seinen Rücktritt damit begründet, dass sich die ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats im Syrien-Konflikt gegenseitig blockierten.
Nach Einschätzung des Bundesnachrichtendienstes (BND) sind die Tage der Assad-Herrschaft möglicherweise schon gezählt. "Es gibt viele Anhaltspunkte dafür, dass die Endphase des Regimes begonnen hat", sagte BND-Chef Gerhard Schindler der Zeitung "Die Welt". Assads Armee habe rund 50.000 ihrer einst 320.000 Soldaten verloren. Darunter seien viele Verwundete, Deserteure und 2000 bis 3000 Überläufer zur militanten Opposition, die nach BND-Erkenntnissen aus rund 20.000 Kämpfern bestehe. "Die Erosion des Militärs hält an." Die kleinen, regional verankerten und wendigen Rebellengruppen zermürbten mit ihrer Art von Guerillataktik die Armee zunehmend.
Stand: 11.08.2012 05:57 Uhr
