Seitenueberschrift
Heftige Kämpfe in Aleppo
Syrische Rebellen auf dem Rückzug?
Die syrischen Rebellen haben nach eigenen Angaben ihre Stellungen in einem heftig umkämpften Teil der Stadt Aleppo aufgegeben. "Wir sind auf dem Rückzug, weg von hier", rief ein Kämpfer Reuters-Journalisten entgegen, als diese im Bezirk Salaheddin ankamen. Ein über die ganze vergangene Woche hinweg von den Rebellen kontrollierter Checkpoint war offenbar nicht mehr zu sehen. Lediglich eine Fahne der Opposition markierte noch den ehemaligen Übergang.
Nach der Verstärkung seiner Truppen hatte das syrische Militär bereits neue Angriffe in der Industriemetropole gestartet. "Unsere Kampfgruppen haben in der letzten Nacht vier Vorstöße auf den Bezirk Salaheddin abgewehrt", sagte der Aufständischen-Kommandeur Abu Omar al Halebi der Deutschen Presse-Agentur am Telefon.
Inzwischen deutet sich an, dass die syrische Armee ihre angekündigte Bodenoffensive in Aleppo gestartet hat. Das Militär dringe "von Westen nach Osten" in den Stadtteil Salaheddin ein, "um ihn in zwei Hälften zu teilen", sagte ein ranghoher Beamter der Nachrichtenagentur AFP.
Vertreter syrischer Sicherheitsbehörden sagten dem libanesischen TV-Sender Al Manar, syrische Truppen kontrollierten nun den Bezirk Salaheddin. Reuters-Reporter berichteten von Explosionen, die zu hören gewesen seien. Kämpfer seien wild umhergerannt und hätten in Funkgeräte gerufen: "Die Armee ist eingedrungen, die Armee ist eingedrungen." Ein Kommandeur der Rebellen, der sich als Abu Ali ausgab, sagte, er habe Informationen erhalten, dass die Armee Salaheddin inzwischen eingenommen habe.
Russischer General lebt
Ein russischer General, dessen Tod eine syrische Rebellengruppe bekannt gegeben hatte, dementierte diese Meldung. Die Rebellen hatten mitgeteilt, sie hätten den Mann getötet, er habe für das syrische Verteidigungsministerium gearbeitet.
Die Nachrichtenagentur Reuters hatte angegeben, ein Video von der Gruppe erhalten zu haben, die im Juli bereits die Verantwortung für die Tötung von vier Militärs der Regierung von Präsident Baschar al Assad übernommen hatte. In der Video-Erklärung hätten die Rebellen den Namen des russischen Generals mit Wladimir Petrowitch Kochjew angegeben und ein Papier gezeigt, bei dem es sich um eine Kopie des Ausweises des Mannes handeln sollte.
Russland ist mit mehreren Hundert militärischen Mitarbeitern in Syrien vor Ort. Es ist eines der wenigen Länder, die Syrien auf diplomatischer Ebene unterstützen. Bei dem seit 17 Monaten währenden Aufstand gegen Assad sind nach Angaben von Menschenrechtlern bislang mindestens 18.000 Menschen getötet worden.
Syrische Armee beginnt offenbar mit Bodenoffensive in Aleppo
tagesschau 20:00 Uhr, 08.08.2012, Matthias Ebert, SWR
Anwalt des "Kalifen von Köln" wird Opfer des Bürgerkriegs
Bei einem der Opfer soll es sich um den früheren Anwalt des "Kalifen von Köln" handeln. Seine Familie teilte der türkischen Zeitung "Vatan" mit, dass sich Osman Karahan dem Kampf der syrischen Rebellen angeschlossen habe und bei Gefechten in Aleppo getötet worden sei. Sollten sich diese Angaben bestätigen, wäre es der erste konkrete Beweis für die Teilnahme türkischer Islamisten an den Kämpfen in Syrien.
Karahan war in der Türkei unter anderem Mitglied des Anwalt-Teams des als "Kalifen von Köln" bekannten Islamisten Metin Kaplan, der 2000 wegen öffentlicher Aufforderung zu Straftaten zu vier Jahren Haft verurteilt und 2004 aus Deutschland in die Türkei abgeschoben wurde. Derzeit verbüßt er eine 17-jährige Haftstrafe.
Generalangriff der Armee auf Aleppo hat offenbar begonnen
U. Leidholdt, ARD Amman
08.08.2012 15:51 Uhr
Iran: Entführte Pilger sind pensionierte Revolutionäre
Indes räumte der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi ein, dass einige der in Syrien entführten Iraner pensionierte Revolutionsgarden seien. "Auf der Liste der Pilger waren auch pensionierte Beamte aus verschiedenen Ministerien, darunter auch der Revolutionsgarden und der Armee", sagte Salehi der iranischen Nachrichtenagentur ISNA. Der Iran hatte zunächst vehement dementiert, dass die Pilger Revolutionsgarden seien.
Stand: 08.08.2012 11:57 Uhr
