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Bürgerkrieg in Syrien
Schwere Waffen in Aleppo im Einsatz
Die Kämpfe in der syrischen Wirtschaftsmetropole Aleppo werden offenbar auf Seiten der Armee und auch der Rebellen mit schweren Waffen geführt. Nach Angaben von UN-Beobachtern setzt das Militär Kampfflugzeuge ein. Mitglieder der Mission hätten gesehen, dass ein Kampfflieger auf die Stadt geschossen habe.
Zugleich bestätigte die Sprecherin der UN-Beobachter, Sausan Ghosheh, dass die Opposition in Aleppo über schwere Waffen, darunter Panzer verfügt. Einem Bericht des US-Senders NBC News zufolge erhielten die Aufständischen fast zwei Dutzend Boden-Luft-Raketen auf dem Weg über das Nachbarland Türkei. Von der Grenze hatte sich die syrische Armee zurückgezogen, Rebellen kontrollieren mehrere Übergänge. Die schweren Waffen könnten eine Wendung zugunsten der Aufständischen bringen, wenn es ihnen damit gelingt, Hubschrauber und Kampfflugzeuge der Armee abzuschießen. Die türkische Führung, die sich zunehmend sorgt, dass die Kämpfe auf ihr eigenes Staatsgebiet übergreifen könnte, ließ Medienberichten zufolge an der Grenze zu Syrien Panzer-Übungen abhalten.
Syrisches Regime lässt Aleppo von Kampfjets aus der Luft bombardieren
tagesschau 20:00 Uhr, 01.08.2012, Jörg Armbruster, ARD Kairo zzt. Damaskus
Engpässe bei Lebensmitteln und Treibstoff
Ghosheh beschrieb ein "massiven Einsatz von schweren Waffen, darunter Panzer, Hubschrauber, Maschinengewehren, ebenso wie Artillerie" in Aleppo. Viele Menschen hätten vorübergehend Zuflucht in Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden in sicheren Stadtteilen gesucht, so die UN-Beobachter. Es gebe Engpässe bei Nahrungsmitteln, Treibstoff und Gas. Die UNO rief die Konfliktparteien auf, das humanitäre Völkerrecht zu beachten, Zivilisten zu schützen und die Konfrontation zugunsten des Dialogs aufzugeben.
Auch in der Hauptstadt Damaskus flammten die Gefechte zwischen Aufständischen und Regierungstruppen offenbar wieder auf. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London wurde erstmals in der Nähe zweier christlicher Viertel gekämpft. Die beiden Viertel Bab Tuma und Bab Scharki gelten als regierungstreu.
Assad sieht ausländische Mächte am Werk
Präsident Baschar al Assad sieht in Syrien ausländische Mächte am Werk. Diese Feinde setzten "interne Agenten" zur Untergrabung der Stabilität des Landes ein. Die Streitkräfte seien "der Schild des Heimatlandes" zur Abwehr von Komplotten krimineller und terroristischer Banden, sagte Assad zum 67. Jahrestag der Gründung des Heeres. Die amtliche Nachrichtenagentur Sana veröffentlichte die Rede, sie wurde aber nicht im Staatsfernsehen ausgestrahlt. Seit einem Bombenanschlag auf die syrische Führung Mitte Juli hatte sich Assad nicht mehr öffentlich gezeigt. Wo er sich derzeit aufhält, ist unklar.
Damaskus sucht Normalität
Hans Michael Ehl, ARD Kairo zzt. Amman
01.08.2012 11:33 Uhr
AI: Armee tötete auch Kinder
Amnesty International warf der syrischen Armee schwere Menschenrechtsverletzungen in Aleppo vor dem Beginn der derzeitigen Offensive vor. "Jede Demonstration, die ich in Aleppo beobachtete, endete damit, dass Sicherheitskräfte das Feuer auf die friedlichen Demonstranten eröffneten", erklärte die Amnesty-Expertin für Krisengebiete, Donatella Rovera. Sie bezog sich auf Beobachtungen, die sie Ende Mai in der Stadt machte. Bei der Niederschlagung der friedlichen Proteste durch Sicherheitskräfte und die Schabiha-Milizen habe es "zahlreiche Tote und Verletzte" gegeben, berichtete Rovera. Unter den Opfern seien auch unbeteiligte Zivilisten gewesen, darunter Kinder. Im Anschluss an die Demonstrationen hätten Regierungstruppen und Milizen "gezielt Jagd auf Verwundete" gemacht. Festgenommene Oppositionelle seien "bedroht, misshandelt und in einigen Fällen zu Tode gefoltert" worden. Die Familien der Toten seien genötigt worden, in Stellungnahmen zu versichern, dass ihre Angehörigen von "bewaffneten terroristischen Gruppen" getötet wurden.
Im Internet kursieren Videos, die Rebellen in Aleppo bei der Hinrichtung von vier Männern zeigen, die offenbar der Assad-treuen Schabiha-Miliz angehörten. Der Wahrheitsgehalt dieser ebenso wie anderer Internet-Videos ist jedoch schwer zu prüfen.
Stand: 01.08.2012 16:31 Uhr
