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Offensive syrischer Regierungstruppen
"Aleppo wird wahllos beschossen"
Drei Tage nach Beginn der Regierungsoffensive gegen die Aufständischen in Aleppo wird die Versorgungslage dramatisch. Es mangelt nicht nur an Lebensmitteln, sondern auch an Medizin und Verbandmaterial. Das syrische Regime spricht von militärischen Erfolgen, Oppositionelle von wahllosem Beschuss.
Von Hans Michael Ehl, ARD-Hörfunkstudio Kairo
In Aleppo wird weiter gekämpft. Auch drei Tage nach Beginn der Großoffensive der Regierungstruppen halten Kämpfer der oppositionellen Freien Syrischen Armee einige Stadtviertel besetzt. Staatsmedien melden Erfolge, berichten von "befreiten" Stadtvierteln, die von Terroristen gesäubert seien.
Syrien: Kämpfe in Aleppo, Versorgungslage schwierig
Hans Michael Ehl, ARD Kairo
30.07.2012 14:14 Uhr
Die Versorgungslage ist teils dramatisch. Geschäfte sind geschlossen, Lebensmittel kaum zu bekommen. Vor einer Ausgabestelle der Aufständischen haben sich am Morgen lange Schlangen gebildet. Brot wird verteilt, etwas Öl, mehr nicht. "Gott sei Dank haben wir wenigstens das bisschen, das die Jungs uns hier geben, wir haben uns zu Hause eingedeckt, aber frisches Brot kriegen wir hier", sagt ein Mann, und ein anderer ergänzt: "Hauptsache, wir sind sicher, das Viertel ist sicher jetzt, wir können auf der Straße schlafen und unsere Kinder können raus auf die Straße."
Aber Sicherheit gibt es nicht überall in der Stadt. Hubschrauber des Regimes kreisen über manchen Vierteln, bombardieren vermutete Stellungen der Aufständischen, es gibt Tote und Verwundete. Einer der Kämpfer hatte Glück im Unglück. Er wurde beschossen, sein rechtes Bein wurde getroffen, er hat sich in eines der Notlazarette schleppen können, das von Oppositionellen eingerichtet wurde. "Die Leute haben immerhin mein Bein verbinden können. Ich wollte die Wunde neu verbinden, aber es gibt kein frisches Verbandszeug. Ich bin froh und dankbar, dass die Leute mir so weit helfen konnten."
Erbitterte Kämpfe in Syrien, diplomatische Bemühungen scheitern
tagesschau 20:00 Uhr, 30.07.2012, Jörg Armbruster, ARD Kairo zzt. Damaskus
"Wir haben manchmal 30, 40, 50 Verwundete hier", sagt Abdusamea, einer der Ärzte, die sich der Opposition angeschlossen haben. "Am Wochenende hatten wir an einem Tag 30 Verwundete, weil das Viertel Fardous bombardiert wurde, alles Zivilisten, 20 Tote, die meisten waren so entstellt, dass wir sie nicht identifizieren konnten", sagt er.
Unter dem anhaltenden Beschuss sind Ärzte und medizinisches Personal selbst in Lebensgefahr. Jeden Augenblick müssen sie mit einem Angriff oder Bombardierung ihres behelfsmäßigen Notlazaretts rechnen. Ahmad fährt einen kleinen Rettungswagen des Roten Halbmonds, sammelt Verletzte ein und steht immer in Gefahr, zwischen die Fronten zu geraten, sagt er. "Aleppo wird wahllos beschossen mit allen möglichen Waffen, aus der Luft, mit Maschinengewehren und Granaten. Gott gebe, dass wir dieses Regime bald loswerden. Wir haben zu wenig Personal, zu wenig Medizin, keine Krankenschwestern, es gibt Verwundete und Tote. Gott stehe uns bei und helfe uns, diesen Tyrannen bald loszuwerden."
Nach Schätzungen internationaler Hilfsorganisationen sollen rund 200.000 Menschen in den vergangenen Tagen vor der Gewalt in Aleppo geflohen sein. Wer nicht fliehen konnte, ist auf Hilfe von außen angewiesen. Deshalb haben die Vereinten Nationen jetzt noch einmal an beide Konfliktparteien appelliert, Hilfsorganisationen in die Stadt zu lassen und die Kämpfe zumindest zeitweise auszusetzen. Ein Appell, der bisher unbeantwortet geblieben ist.
Stand: 30.07.2012 15:20 Uhr
