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Bürgerkrieg in Syrien
Offenbar Kampfpause in Aleppo
Bei der Schlacht um die syrische Wirtschaftsmetropole Aleppo hat es offenbar eine Kampfpause gegeben. Der Angriff der Regierungstruppen auf das von Rebellen gehaltene Viertel Salaheddin sei zunächst zum Stillstand gekommen, sagte Abdel Dschabbar al Okaidi, Oberst der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) und Chef des Militärrats von Aleppo, der Nachrichtenagentur AFP per Telefon.
Salaheddin war am Samstag das Hauptziel der Truppen von Präsident Baschar al Assad. Laut den Aktivisten wurden am Samstag mindestens 29 Menschen getötet. Die Zahl der Toten seit Beginn des Aufstands im März 2011 gaben sie mit mehr als 20.000 an.
Syrische Armee startet offenbar angekündigte Offensive in Aleppo
tagesthemen 21:50 Uhr, 28.07.2012, Walter L. Brähler, ARD Kairo
Al Okaidi zufolge ging der Beschuss mit Artillerie und aus Hubschraubern weiter. Ziel der Rebellen war es laut einem AFP-Reporter, eine strategisch wichtige Polizeiwache im Zentrum der Stadt zu erobern. Sollte das gelingen, könnten die Aufständischen Salaheddin mit dem ebenfalls von ihnen kontrollierten Viertel Sachur verbinden.
Die Armee hatte am Samstagmorgen ihre angekündigte Großoffensive zur Rückeroberung Aleppos begonnen. Schwere Artillerie ging auf die Viertel nieder, während die Soldaten am Boden vorrückten. Zwei Tage lang hatte die syrische Armee Soldaten, Panzer und schwere Waffen rund um Aleppo zusammengezogen, während sich die Aufständischen mit leichten Waffen und einigen Panzerabwehrraketen wappneten.
Häuserkampf droht
In der Weltkulturerbe-Stadt Aleppo droht zudem ein Häuserkampf. "Die Rebellen haben sich in den engen Gassen positioniert, was die Kämpfe erschwert", sagte ein Vertreter der syrischen Sicherheitsbehörden der AFP. "Tausende Menschen fliehen vor dem Bombardement durch die Straßen. Sie werden von Helikoptern terrorisiert, die in niedriger Höhe fliegen", berichtete ein Aktivist namens Amer.
Der Chef des oppositionellen Syrischen Nationalrats (SNC), Abdel Basset Sajda, forderte befreundete und "Bruderstaaten" auf, die Freie Syrische Armee mit Waffen zu versorgen. "Wir wollen Waffen, die die Panzer und Kampfflugzeuge stoppen würden", sagte der im Exil lebende SNC-Chef in Abu Dhabi.
"Verbrecherische Akte"
Weltweit forderten Politiker ein sofortiges Ende der Offensive, weil sie viele Opfer unter Zivilisten befürchten. "Ich bin tief besorgt über die eskalierende Gewalt in Aleppo", erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) warf Damaskus "verbrecherische Akte" vor. In der "Bild am Sonntag" äußerte er sich zudem besorgt über die Lage der Christen in Syrien.
Rebellen halten erster Offensive offenbar stand
J. Stryjak, ARD Kairo
29.07.2012 07:39 Uhr
Frankreichs Präsident François Hollande forderte ein rasches Eingreifen des UN-Sicherheitsrats. Moskau und Peking müssten ihren bisherigen Widerstand aufgeben und Assad gestoppt werden, sonst drohten "Chaos und Bürgerkrieg", warnte Hollande. Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan forderte gemeinsame internationale Anstrengungen, um das Blutvergießen zu beenden.
Auch die russische Regierung warnte vor einer "Tragödie". Außenminister Sergej Lawrow sagte, Moskau versuche, die syrische Führung zum Einlenken zu bewegen. Zugleich erklärte er, Moskau werde seine Kontakte zur syrischen Opposition aufrechterhalten und habe keinerlei Absicht, Assad Zuflucht zu gewähren.
Stand: 29.07.2012 08:47 Uhr
